In den allermeisten Fällen kommt der Hundehalter wohl im Laufe der Zeit zum Hundesport. Nicht selten folgt dann irgendwann ein Welpe, der extra für den Sport angeschafft wird und mit dem man “von Anfang an alles richtig machen” will. Aber was bedeutet das eigentlich? Bedeutet es, dass man bereits mit dem 8-Wochen alten Welpen Kontaktzonen, Slalomeingänge und Vorschicken üben muss? Oder darf man das alles gerade nicht und der Hund muss erstmal in Ruhe gelassen werden, bis er ausgewachsen ist? Ich denke, die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen und ist auch sehr stark vom Hund abhängig.

Gerade bei einigen Hütehunden ist zu Beginn tatsäch weniger mehr. Denn reaktive Hunde müssen erstmal lernen, Ruhe auszuhalten und erst, wenn sie dies können, kann man beginnen, mit dem Hund in höherer Erregungslage zu trainieren. Andere Hunde müssen als Welpe zunächst mal die Begeisterung für Belohnung, Geschwindigkeit und Spielzeug lernen.

Zu diesen mentalen Aspekten kommt natürlich die körperliche Unreife des jungen Hundes. Ein Welpe muss erstmal lernen, seine vier Füße zu sortieren, damit er späten im vollen Galopp nicht vom Steg purzelt oder sämtliche Stangen abräumt.

Bei uns bedeutet dies aktuell mit unserem Neuzugang (gerade 5,5 Monate) folgendes:

Impulskontrolle:
Die wohl wichtigste mentale Übung für einen späteren Sporthund ist in meinen Augen die Impulskontrolle. Der Welpe soll zunächst bei Spielzeug und Futter lernen, sich aus eigenem Antrieb zurückzunehmen, auf das Freigabe-Signal zu warten und verschiedene Reize auszuhalten.

Targets
Für den späteren Aufbau verschiedener Übungen (Vorausschicken, Kontaktzonen, Gerätefokus, etc.) ist es sehr sinnvoll, wenn der Hund Targets gut kann und diese quasi schon fast selbstbelohnend für den Hund sind. Für kleine, kurze Trainingseinheiten mit dem Welpen eignen sich Targets auch ideal.

Mit dem Aufbau der Targets hat sich Britta Kalff hier beschäftigt.

Kraft-/Koordination
Wie bereits oben erwähnt, haben viele Welpen Probleme damit, ihre vier Füße zu sortieren und zu merken, dass sie eine Hinterhand haben, die sie aktiv einsetzen können. Darum kann, darf und sollte man mit den Welpen viele Koordinationsübungen machen. So z. B. Cavaletti-Training, Gymnastik-Tricks, kleine Kraftübungen auf der Erduss, etc. Hierbei ist wichtig, die Übungen immer dem aktuellen Stand des Welpen (mental und physisch) anzupassen. Bitte vergleicht Euren Welpen nicht mit dem von XY – jeder Hund ist anders und hat an anderer Stelle Stärken oder Schwächen.
Zu kleinen Koordinations- und Mutaufgaben zählt bei mir auch das langsame Überqueren des Stegs und der flach gestellten A-Wand und Wippe bzw. von wackligen Untergründen allgemein. Dabei geht es nie um Geschwindigkeit, sondern immer nur darum, dass der Hund lernt, seine Pfoten zu koordinieren, das Wackeln der Wippe auszuhalten und keine Angst vor der Höhe des Stegs hat.

Vorausschicken
Das Vorausschicken ist eine Übung, die ich später definitiv beim Agi-Hund brauche und die man schon prima mit dem Welpen üben kann. Man kann den Hund auf kurze Distanz zu einem Spielzeug, Futternapf oder Futterautomaten schicken und sobald er das Bodentarget kennt, ergibt es sich ja automatisch, dass die Distanz größer wird und sich daraus ein gezieltes Schicken ergibt. Wenn man nun rechts und links entlang des Weges noch Hürdenausleger stellt, verknüpft der Hund dieses Bild direkt mit, ohne dass ich ihn großartig an der Hürde arbeiten würde.

Außen
Wenn der Welpe nun ein Junghund wird und auch mehr geistige Auslastung braucht, kann man schon mal mit dem Außen beginnen. Ich bringe meinen Hunden hierfür zunächst das Umrunden eines Gegestandes bei und erweitere dies dann Stück für Stück zu einem von außen durch zwei Stangen/Pylonen/Ausleger laufen.

Und sonst so...
Außerdem finde ich es für einen späteren Turnierhund extrem wichtig, dass er viele verschiedene Orten kennenlernt, sich quasi überall entspannen kann und aber auch überall mit 100 % seiner Konzentration mit mir zusammen arbeiten kann. D. h. ich nehme meinen Welpen viel mit, ohne mit ihm wirklich zu arbeiten, damit er enstpannen kann und auf der anderen Seite trainiere ich dann ganz bewusst an verschiedenen, belebten Orten zunächst einfach nur Fokus auf mich und etwas Grundgehorsam. Und dann darf der Welpe noch ganz viel Welpe sein, rumtollen, Blödsinn machen, den Couchtisch anknabbern und was alles so dazu gehört 😉

So lernt der Welpe zu lernen und ist ideal auf sein späteres Leben als Sporthund vorbereitet. Die für den Sport nötigen Übungen/Geräte lernt der Junghund dann in der Regel super schnell, weil die Grundlagen stimmen.


Lina

Dipl.-jur. Lina Engelken lebt mit ihrem Mann, ihrem Sohn und ihren 4 Hunden (Aussie, 2 Border Collies und Papillon) in Bremen. Sie betreibt mit ihrem Papillon Agility und Frisbee und startet aktiv auf Turnieren. Sie ist Hundeerzieherin & Verhaltensberaterin IHK|BHV und betreibt seit 2009 eine eigene Hundeschule. Mehr Infos zu ihrem Angebot findet Ihr auf ihrer Homepage, auf der Fb-Fanpage oder in ihrem youtube-channel.

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