Individualität

Die gleiche Frage zu stellen bedeutet leider nicht immer, dass die Antwort auf diese Frage gleich sein wird und dies gilt leider auch für alle Bereiche im Hundesport! Individualität ist hier das Stichwort:

  • Individualität in der Betrachtung und Ausbildung des Sporthundes
  • Individuelle Anpassung Im Training
  • Individualität in den Fähigkeiten und deren Grenzen
  • Individualität in den sportphysiotherapeutischen Kontrollen
  • Individuelle Umsetzung in den sportlichen Aufgaben
  • Individulität in den körperlichen Proportionen
  • u.v.m.

Also bitte hört auf in der Betrachtung der verschiedenen Hundesportler “Äpfel und Orangen” zu vergleichen: jedes Team ist anders!

Schaut genau hin, stellt Fragen und hinterfragt euer eigenes spontanes Urteil!

Verallgemeinerung
  • bei der Größe sind 20 kg zu viel
  • Für den Sprung ist der zu dick
  • Für den Sport ist sie zu groß
  • die Strecke ist zu weit
  • das HIndernis ist zu hoch
  • 8 Monate alt? viel zu zu früh!
  • dort ist der Absprung zu spät
  • für den Parcours ist das zu schnell
  • usw.

Warum glauben so viele Menschen, dass diese Fragen allgemein beantwortet werden können?

Ja, es gibt grundlegende Werte und die können nicht geändert werden. Natürlich, es gibt Einzelfälle, da ist das Gewicht eines Hundes in der Tat einfach zu hoch, um Sport machen zu können, aber nicht jeder Hund geht auf dieselbe Art und Weise mit seinem Gewicht um und nicht jeder Hundesport stellt die gleichen Anforderungen an den Hund.

Zahlen vergleichen – bringt das was?

Selbst wenn wir zwei Hunde mit gleicher Höhe und gleichem Gewicht haben, werden diese sich unterschiedlich bewegen. Für den einen scheint es notwendig, sein Gewicht zu verändern, für den anderen ist es passend. Dazu kommt, dass das Gewicht eines Hundes sich durchaus aus unterschiedlichen Komponenten zusammensetzt.

Wir können keinen Hund, der viel weniger Muskeln hat, aber das gleiche Gewicht und die gleiche Höhe hat, mit einem Hund vergleichen, der sehr gut bemuskelt ist.

” Zu hoch, zu weit…?”

Ja, das existiert! Aber abgesehen von generell zu großen Höhen und Breiten, die eigentlich zu viel für die Fähigkeiten jedes Hundes wären, ist dies auch eine individuelle Frage, die mit dem Niveau der Ausbildung und der Gesundheit und dem Zustand des Hundes verbunden ist.

Wird diese Frage individuell auf einen Hund bezogen gestellt, habe ich kein Problem damit, diese zu beantworten. Werde ich aber allgemein gefragt, ob 1,20m zu hoch für einen Sprung sind mag ich da keine Meinung zu haben.

Anderes Beispiel:

Es gibt Tricks, für die jeder Hund eine individuelle Höhe braucht, um diese gut und sicher zu zeigen. Und auch wenn es einige von euch überrascht: “zu niedrig” kann da genauso gefährlich sein wie “zu hoch”…

“Zu schnell?”

Hmm, in welchem Zusammenhang? Geht der Hund zu schnell auf den Sprung zu, zu schnell in die Wendung oder zu schnell hinter der Frisbeescheibe her? Ist der Hund noch in der Lage, die Sprünge und Tricks gut und sicher zu machen? Hier entscheidet das, was ich für jeden einzelnen Hund sehe und wahrnehme. Und ich muss für jeden einzelnen entscheiden, ob er bei dem gebotenen Tempo noch sauber gearbeitet hat, ob er zu schnell dafür war oder gar zu langsam… Auch hier macht es überhaupt keinen Sinn, die Zahlen zu vergleichen: es müssen immer die Gesamtzusammenhänge betrachtet werden!

“Zu früh? Zu spät “

Beziehen wir das hier nun einfach mal auf das Alter des Hundes:

Für Hunde, die noch wachsen, gibt es andere Regeln darüber, was sie körperlich tun können, als für erwachsene Hunde und diese Tatsache kann nicht geändert werden. Es ist sehr wichtig, den jungen Hund nicht zu überfordern und es macht durchaus Sinn, wenn es für den ersten Start Altersgrenzen gibt, die eingehalten werden müssen.

Aber seien wir ehrlich: Niemand hindert die Besitzer, alle Elemente und Übungen mit dem Hund wieder und wieder zu üben, bevor es tatsächlich im Wettbewerb gezeigt wird und keine Altersgrenze im Turnierreglement kann verhindern, dass im privaten schon mit jungen Hunden Dinge trainiert werden, die diese überfordern.

Für älter werdenden Hunde ist es ebenfalls wichtig, genau hinzuschauen und zu überlegen, welcher sportliche Einsatz noch sinnvoll und gut ist. Der eine Hund ist mit 10 Jahren noch topfit, der andere mit 8 schon sehr anfällig für Erkrankungen.

Nur ein gutes Bewusstsein für die Fähigkeiten des Hundes, ein guter Blick auf die Anforderungen der einzelnen Aufgaben und das Wissen über die körperliche Entwicklung und die aktuelle Form, Gesundheit und Zustand des Hundes können dazu beitragen, dass das richtige Trrainingsmaß für jeden Hund gefunden wird.

Jeder Hund ist anders

Jeder Hund ist anders, muss anders ausgebildet und individuell betrachtet werden. Das Einzige, was ich eigentlich im Allgemeinen sagen kann ist:

Nur mit einer guten grundlegenden Arbeit, einer langsamen und gut geplanten und detaillierten Ausbildung hat der Sporthund alle Möglichkeiten, optimale Leistungen zu zeigen und dabei so gesund wie möglich zu bleiben.

Ja, es ist wahr, dass es nicht immer einfach ist, die Dinge langsam Schritt für Schritt zu tun. Es braucht Zeit, eine Menge Gedanken und Überlegungen und auch einige beratende Gespräche, wenn man mal wieder neue Wege für die Ausbildung finden muss.

Der Blick von Aussen

Im Turniergeschehen wird auf die Ausbildungswege wenig Augenmerk fallen und es ist schwierig, den Unterschied bei der Gestaltung der Ausbildung zu erkennen und den Respekt für das, was gezeigt wird, zu entwickeln, wenn man das in der Punktevergabe nicht wirklich berücksichtigen kann.

Für den Hundebesitzer ist es da wichtig, seine eigene Einstellung ein bisschen zu ändern:

Erhaltene Punkte sollten weniger wichtig sein, als das eigene Gefühl für das aktuell erreichte Niveau der Leistung. Das wissen über die Zeit, die verwendet und für die Steigerung der Leistung genutzt werden konnte, werden dann die eigenen Kriterien, die die Struktur der weiteren Ausbildung mit bestimmen und nicht die Punkte der Richter.

Und trotzdem:..

Jeder sollte seine Auge dafür schulen, auch Nuancen in der Ausführung einzelner Übungen wahrzunehmen und zu erkennen, was gut und was weniger gut aufgebaut wurde.

Meiner Meinung nach (und ich hoffe viele erfahrene Hundesportler, Trainer und Therapeuten werden zustimmen) kann man mit der entsprechenden Erfahrung auch sehen, wer bei der Handhabung und Kontrolle des Hundes gut arbeitet und wer den Hund auch sicher und gründlich trainiert und aufgebaut hat.

Ein gut geschultes Auge wird erkennen, ob der Hund für einige Momente aus der Kontrolle des Menschen entkommt und das tut, was er gerade will oder ob Fehler tatsächlich aufgrund mangelhafter Ausbildung entstehen.

Stürze und Unfälle können immer passieren und vor allem, wenn Sicherheit und eine gute Ausbildung für jemanden wichtig sind, wird es dann eine Menge Selbstvorwürfe geben.

Wir alle wissen, dass trotz bester Ausbildung ein Tier niemals 100 % kontrolliert werden kann, aber man sieht durchaus, wem daran gelegen ist, seinen Hund gesundheitsbewusst und verletzungsminimierend aufzubauen und wem nicht.

Zumindest meine sportphysiotherapeutischen Kollegen und ich schätzen ein gut durchdachtes Training und eine Leistung, die individuell für den Hund konzipiert ist.

Eine gute Basis, Schritt für Schritt erarbeitet und eine individuelle Planung lohnen sich – sowohl gesundheitlich, als auch auf Dauer im Bezug auf die sportlichen Leistungen!

 

Kategorien: Physiotherapie

Britta Reiland

Britta Reiland, geb. 01.09.1974 Sportphysiotherapeutin, Dozentin und Autorin

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