Eine absolute Grundvoraussetzung für Dummyarbeit ist das zuverlässige Apportieren. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass der Hund diese Verhaltenskette sorgfältig und mit Freude lernt, so dass er sie auch unter schwierigen Bedingungen sicher ausführen kann.

Sie besteht aus folgenden Sequenzen:

  1. Hinlaufen zum Apportiergegenstand
  2. Sofortiges Aufnehmen des Gegenstandes
  3. Umorientierung zum Hundeführer
  4. Zügiges Zurücklaufen auf kürzestem Weg zum Hundeführer
  5. Abgeben des Gegenstandes IN DIE HAND des Hundeführers (Abgabeposition ist nicht vorgeschrieben)

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit dem Hund das Apportieren zu trainieren. Für mich persönlich hat sich der Rückwärtsaufbau der Verhaltenskette (Backwardchaining) am besten bewährt. Ich trainiere also als erstes die letzte Verhaltenssequenz der Kette: das Abgeben in die Hand. Klappt dies sicher, füge ich das vorletzte Glied der Kette hinzu: auf mich zulaufen mit Apportiergegenstand im Fang, usw…. Dies hat den großen Vorteil, dass ich von Anfang an mein gewünschtes Endverhalten belohne! Ich brauche keine Zwischenschritte zu belohnen, die ich später gar nicht haben will, wie es zum Beispiel beim Freien Formen mit Clicker/Marker der Fall wäre, wo ich auch das alleinige Anschauen und Anstupsen des Dummys als Teilschritte belohne. Hier muss man sich nämlich immer vor Augen führen, dass JEDES Verhalten, das einmal in diesem Zusammenhang belohnt wurde, für den Hund Sinn macht zu zeigen. Umso häufiger ich einen Zwischenschritt belohne, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Hund mir diesen auch später noch als lohnenswertes Verhalten anbietet. Dies gilt natürlich nicht nur für das Apportieren, sondern generell im Tiertraining und ist unter dem Namen “Matching Law” bekannt. Aus genau diesem Grund belohne ich NIEMALS, auch nicht zu Beginn des Trainings, das Fallenlassen des Dummys vor meine Füße! Für erfolgreiche Dummyarbeit, und wenn man gerne an Prüfungen und Wettbewerben teilnehmen möchte, ist es essentiell, dass das Dummy in die Hand abgegeben wird! Es ist jammerschade, wenn der Hund toll gearbeitet und sich sehr angestrengt hat, das Dummy hereinzubringen und das Team dann aber eine Null kassiert, weil die Abgabe nicht genau genug trainiert wurde und er es dann doch hin und wieder fallen lässt.

Ein weiterer Vorteil des Rückwärtsaufbaus ist, dass der Hund vom Neuen zum Bekannten lernt. Das neue Verhalten wird vor ein bereits bekanntes und häufig belohntes Verhalten gesetzt. Das letzte Glied der Kette wirkt aufgrund seiner langen Belohnungsgeschichte als positiver Verstärker für die neu zu lernenden Verhaltenssequenzen. Die Fehlerquote bleibt niedrig, weil der Hund weiß, wo es hingeht (Dummy soll in die Hand) und sich dadurch sicher fühlt. Typische Fehler, wie Weglaufen mit dem Dummy, es schütteln, darauf herumbeißen oder sonstige kreative Ideen, die der Hund damit haben könnte, kommen gar nicht erst ins Spiel, weil er mit dem Apportiergegenstand von Anfang an die Abgabe in die Hand verknüpfen konnte und so der Weg schon vorgegeben ist.

Solange ich noch am Aufbau der Verhaltenskette arbeite, verwende ich noch keine richtigen Dummys. So verknüpft der Hund eventuell auftretende (Trainings-)Fehler nicht mit dem Dummy. Außerdem baue ich die Abgabe in die Hand über ein Zerrspiel auf und dafür ist ein Dummy ja überhaupt nicht gedacht. Zu Anfang nehme ich etwas, das der Hund gerne mag, das wir beide gut festhalten können und was sich vom Hund relativ leicht tragen lässt. Oft sind das Plüschtiere, Knotenseile, verknotete Handtücher, Fellstücke, etc. Ich wechsel die Gegenstände hin und wieder (in Material, Gewicht, Form), damit nachher die Umstellung auf das Dummy, DeadFowl-Ente und Wasserdummy reine Routine ist.

In dem Video ist die kleine Spanielhündin „Juna“ zu sehen, die ab einem Alter von ca. 9 Wochen die ersten Schritte hin zum Apportieren lernt. Dies ist nur ein Beispiel, wie das Training aussehen kann.

Selbstverständlich kann es für einen anders veranlagten Hund anders aussehen. Aber für Hunde, die gerne Zerrspiele machen und die dennoch dabei gut futtermotivierbar sind, hat sich diese Methode bei uns als relativ schnell und erfolgreich erwiesen.

Hunde, für die Futter wesentlich wichtiger ist, als das Spielzeug und in Erwartung des Futters gar nicht erst ins Spielzeug beißen wollen, kann man oft mit einem Futterdummy motivieren. Mit diesem kann ich ganz genauso spielen, nur dass der Hund dann zur Belohnung daraus fressen kann (ganz die Schnauze reinstecken lassen, das macht am meisten Spaß! 😉 ). Ab dem Moment, wo ich das Futterdummy dann loslasse, würde ich es jedoch sicherheitshalber an einer langen Leine sichern, damit wir eventuellen Eigenexperimenten des Hundes gleich zuvor kommen können.

Hunde, denen das Spielzeug viel wichtiger ist, als Futter und es deshalb nur sehr ungern wieder hergeben, können schnell mit einem weiteren Spielzeug motiviert werden, das eine einzutauschen, weil es dann mit einem viel “lebendigeren” (zum Bsp. an einer Schnur befestigt und weggezogen) weitergeht.

Aber egal, wie man seinen Hund zum Mitspielen motiviert: am Anfang steht ausnahmslos die Freude! Verlangen wir hier schon viel Disziplin und Steadyness, kann man dem Hund schon am Anfang den Spaß an dieser “Arbeit” verleiden. Etwas Impulskontrolle und die Einhaltung weniger Regeln (z.B. nicht Nachschnappen nach der Abgabe) sind sinnvoll, aber langes Warten am Bein und andere Steadynessübungen können wir immer noch machen, wenn unser Hund hochmotiviert mit viel Freude apportiert.

Das Gleiche gilt für bestimmte Abgabepositionen. Es wird in keiner Dummyprüfung gefordert, dass der Hund im Vorsitzen oder in der Grundstellung abgeben muss! Auch langes Halten des Dummys, nachdem der Hund beim Hundeführer angekommen ist, ist nicht prüfungsrelevant. Das Dummy soll in die Hand! ….alles andere ist reine Kür (und ein Risiko, dass das Dummy vielleicht doch noch fallengelassen wird). Gerade, wenn der Hund das Dummy dem Hundeführer noch lange entgegenhalten muss, sieht man oft unerwünschte Stresssyptome wie unruhiges Halten und Knautschen. Man kann so etwas natürlich gerne üben, aber dann sollte der Hund schon eine Weile sehr sicher und freudig apportieren.

Es fällt den allermeisten Hunden wesentlich leichter, das Dummy festzuhalten, wenn sie sich dabei bewegen können! Deshalb übt man das Tragen des Dummys, indem wir dem Hund das Dummy im Laufen geben. Das Dummy wird auf Schnauzenhöhe vom Hund weg bewegt und er muss es sich selbst nehmen (keinesfalls ihm das Dummy in die Schnauze “stopfen”!). Dann laufen wir während der Trageübung neben ihm her und loben mit der Stimme, solange er es gut festhält. Lässt er es fallen, hört der Lobgesang auf und wir warten ab, ob er es von selbst wieder aufnimmt. Wenn er nicht selbst auf diese Idee kommt, animieren wir ihn dazu, möglichst ohne das Dummy selbst anzufassen. Er soll mit der Zeit lernen, das Dummy sofort wieder aufzunehmen, sollte er es einmal verlieren, was den besten Hunden mal passieren kann.

Damit der junge Hund schön schnell hereinkommt, laufe ich die erste Zeit rückwärts von ihm weg und halte meine Hand schon hin, bevor er bei mir ist. Der Hund hat dann nicht das Gefühl, „gegen eine Wand“ zu laufen, sondern wird von mir mitgezogen und kommt lieber nahe heran, als wenn wir starr stehen bleiben. Außerdem vermeiden wir Konflikte, die bei der Abgabe seiner Beute entstehen können, wenn wir plötzlich nach dem Dummy greifen. Diesen Fehler sieht man auch anfangs bei den ersten Schritten in obigem Video. In der Sorge, sie könnte das Spielzeug nicht lange genug festhalten, habe ich anfangs recht schnell zu ihr hingegriffen, was zur Folge hatte, dass sie immer ein Stück auf Abstand geblieben ist und sie eindeutig im Konflikt war. Das hat sich dann zwar schnell wieder gegeben, weil ich ihr immer mehr zutrauen konnte, aber beim nächsten Welpen würde ich da mehr drauf achten.

Die Hand soll für den Hund eher eine Targetfläche sein, in die er das Dummy hineinlegt. Er soll sich bei der Abgabe nicht bedroht fühlen. Bei sehr sensiblen Hunden macht es daher Sinn, das Dummy im Hocken und etwas vom Hund abgewendet anzunehmen und es zu vermeiden, sich irgendwie über den Hund zu beugen.

Belohnungshäppchen, die es natürlich für die Abgabe in die Hand geben soll, holen wir immer erst aus der Futtertasche, wenn das Dummy sicher in der Hand ist. Haben wir schon vorher das Futter in der Hand, ist die Gefahr, dass der Hund beim Geruch des Futters vorzeitig das Dummy ausspuckt, groß. Man kann es zwar explizit üben, dass der Hund dem Futter widerstehen und das Dummy trotzdem festhalten kann, aber auch das würde ich erst machen, wenn er schon ganz genau weiß, was wir von ihm erwarten.

Beim ganzen Aufbau soll der Hund immer mehr Lust auf das Dummy bekommen! Wenn wir ihm durch unseren kleinschrittigen Aufbau genau erklären, was wir möchten und wir immer dann einen Schritt weitergehen, wenn er den davor sicher verstanden hat, wird er ein freudiger und zuverlässiger Apportierer werden, der uns im weiteren Dummytraining in dieser Hinsicht keine Sorgen macht….womit wir dann schon mal die halbe Miete hätten. 😉

Um das Apportieren zu festigen und es später in allen möglichen Situationen abrufen zu können, üben wir mit unserem Hund an vielen verschiedenen Orten, in den unterschiedlichsten Bewuchsarten und auch am und im Wasser. Picksige Himbeeren auf dem Weg zum Dummy, Dummys unter Laub, in einer hohen Wiese oder im Geäst verschwunden und natürlich auch Dummy im Wasser schwimmend …nichts soll unseren Hund “schocken” und vom Apportieren abhalten können. Neue Herausforderungen halten das Training spannend und erweitern den Erfahrungsschatz auf beiden Seiten.

Viel Spaß! 🙂

Über den Autor

Anne
Anne
Anne ist zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensberaterin IHK/BHV und Prüferin für Dummyprüfungen und Blind Dates des BHV. Im Hundetraining ist sie hauptsächlich im Dummybereich aktiv und führt privat vor allem Spaniel und Spaniel-Mixe. Beruflich ist sie als Welpen- und Junghundetrainerin in einer großen Hundeschule angestellt. Ihre eigene auf Dummyarbeit spezialisierte Hundeschule befindet sich im Aufbau.
Kategorien: Dummy

Anne

Anne ist zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensberaterin IHK/BHV und Prüferin für Dummyprüfungen und Blind Dates des BHV. Im Hundetraining ist sie hauptsächlich im Dummybereich aktiv und führt privat vor allem Spaniel und Spaniel-Mixe. Beruflich ist sie als Welpen- und Junghundetrainerin in einer großen Hundeschule angestellt. Ihre eigene auf Dummyarbeit spezialisierte Hundeschule befindet sich im Aufbau.

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