Ich durfte letzte Woche in “Begleithund-Prüfung” von Annegret Bangert schmökern und stelle euch die Neuerscheinung an dieser Stelle gerne vor. Das Buch ist im Müller-Rüschlikon Verlag erschienen und beschreibt auf 96 Seiten die neue Prüfungsordnung, die seit 2019 für die Begleithunde-Prüfung gültig ist.

Dein Buch (und ein Blick in den Inhalt) bekommst du direkt im Shop des Verlag

Warum die Begleithunde-Prüfung nicht nur für Hundesportler “nötig” ist, sondern auch für die “Alltagshunde” sinnvoll sein kann, beschreibt die Autorin in ihrem Vorwort. Nicht nur, dass es für alle Beteiligten stressfreier und angenehmer ist, mit einem gut sozialisierten Hund durch den Alltag zu gehen, der weiß, wie er sich in der Welt der Menschen verhalten soll… in einigen Gemeinden besteht sogar die Möglichkeit, die Hundesteuern erlassen zu bekommen.
Für Hundesportler ist die Begleithunde-Prüfung der Einstieg in den Hundesport – oder vielmehr in das Turniergeschehen. Denn viele Sportarten setzen die bestandene BH-Prüfung voraus.

Die Sachkundeprüfung
Nach der Einführung wird dem Leser kurz erklärt, aus welchen Bestandteilen die Begleithunde-Prüfung besteht und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen.
Ein Teil der Prüfung ist die sogenannte Sachkundeprüfung. Hier werden dem Teilnehmer aus einem Fragenkatalog von ca. 120 Fragen 25-30 Fragen gestellt, die schriftlich beantwortet werden müssen. Hat der Teilnehmer 75 % richtig beantwortet, darf er an dem nächsten Teil der Prüfung – der sogenannten Unterordnung auf dem Platz – teilnehmen.

Die Unbefangenheits-Prüfung
Bevor das Mensch-Hunde-Team das Laufschema und die Ablage zeigen dürfen, muss die Unbefangenheit des Hundes geprüft werden. Hier liest der Richter den Chip des Hundes aus und beobachtet dabei schon mal das Verhalten gegenüber anderen Hunden und Menschen. Fällt ein Hund unangenehm auf, wird dieser von der weiteren Teilnahme ausgeschlossen.

Das Laufschema
Anschließend muss das Team auf dem Hundeplatz das Laufschema und die Ablage zeigen. Hierzu gibt die Autorin vorweg allgemeine Hinweise, wie zum Beispiel, dass der Hund auf der linken Seite geführt wird und das jede Übung mit der Grundstellung beginnt und endet.
Anschließend wird dem Leser durch eine Skizze das Laufschema verdeutlicht. Dieses Schema ist für alle Teilnehmer gleich und umfasst die Leinenführigkeit, die Freifolge, Sitz, Platz, das Abrufen und die Ablage unter Ablenkung.

Bei Hundesport Nubi nebenan könnt euch das Laufschema übrigens kostenlos herunterladen.

Die Leinenführigkeit
Nach der allgemeinen Beschreibung des Laufschemas, gibt die Autorin Übungshinweise. Sie geht dabei kurz auf die Belohnungsmöglichkeiten für den Hund im Training ein und erklärt, dass der “Ton die Musik macht”.
Anschließend beschreibt Annegret Bangert den Aufbau der Leinenführigkeit. Hierfür verwendet sie das Locken in die Fußposition. Sollte der Hund an der Leine ziehen, empfiehlt sie, die Richtung zu wechseln, so dass der Hund auf den Halter aufmerksamer wird. Dabei ist es ihr sehr wichtig, dass die Voraussetzungen zum Bestehen einer Begleithunde-Prüfung auch im Alltag umgesetzt werden. Auch hier sollte der Hund nicht an der Leine ziehen. Und so wird das Trainingsziel nicht nur die Prüfung, sondern auch das Bestehen im Alltag.
Wichtig ist, dass die Leinenführigkeit eingehend geübt wird, da sich die Position des Hundes durch die gesamte Prüfung zieht.
Klappen die geraden Wege, folgen nun die Winkel und die Links-Kehrtwende. Durch zahlreiche Bilder lernt der Leser die Abfolge und sieht, worauf er bei der Umsetzung achten muss.
Ein weiterer Absatz beschreibt die sogenannte Begegnung mit der Personengruppe. Hier muss das Mensch-Hund-Team durch eine Menschengruppe gehen und der Hund darf sich nicht ablenken lassen.

Die Freifolge
Was bisher an der Leine trainiert wurde, wird nun ohne Leine geübt. Auch hierfür findet der Leser viele Bilder und einige Tipps, wie die Autorin die Freifolge aufbauen würde. Die Leinenführigkeit ist in dem Laufschema seid der Überarbeitung der Prüfungsordnung nicht mehr ganz so lang und wenn der Hund seine Position an der Leine neben seinem Halter kennt, dann ist die Freifolge nach der Autorin nicht mehr schwer zu üben.

Sitzübung, Platzübung und das Abrufen
Das nächste Kapitel befasst sich mit dem Sitz, Platz und dem Abrufen – drei weitere Übungen, die das Team während der Unterordnung zeigen müssen, um die Prüfung zu bestehen. Wie der Hund seine Position hält, während sich der Halter entfernt, erklärt die Autorin anhand von Bildern und gibt einige Hilfen, falls es im Training nicht klappen sollte. Bei der Platzübung ist es besonders wichtig, dass der Hund versteht, dass er liegen bleiben soll, auch wenn sein Halter geht, da die Platzübung in der Ablage unter Ablenkung noch einmal gefordert wird. Hierfür gibt die Autorin unter anderem die Trainingsidee, den Hund festzubinden, ihn zu verlassen und abzuwarten, bis sich der Hund selber hinlegt. Belohnt wird dann, wenn er liegt und zwar im Platz – um dem Hund zu zeigen, was erwünscht ist. Die Autorin hat so gute Erfahrung gemacht und den Hunden schnell gezeigt, dass es sich lohnt, liegen zu bleiben.
Zum Abrufen nach dem Platz gehört in der Begleithunde-Prüfung, der Vorsitz, bei dem der Hund sich vor den Halter setzt, wenn er gerufen wird. Anschließend zeigt sie durch eine kleine Bilderserie, wie der Hund nach dem Vorsitz wieder in die Grundstellung kommen sollte.

Hundesport Tasse Begleithundeprüfung
Beim Lesen ein Muss: Die Hundesport Tasse Begleithundeprüfung

Prüfung im öffentlichen Verkehrsraum
Das letzte Kapitel befasst sich mit dem sogenannten Straßenteil der Begleithunde-Prüfung. Hat das Team die Unterordnung bestanden, so darf es an diesem dritten und letzten Teil mitmachen. Dabei geht es raus in die Stadt und hier wird geprüft, wie sich der Hund im Alltag verhält. Er sollte keine Jogger oder Radfahrer jagen, Fußgängern gegenüber entspannt reagieren und nicht an ihnen hochspringen und vorbeifahrende Autos sollten ignoriert werden. Wird sein Halter angesprochen, hat sich der Hund neutral zu verhalten.
In diesem letzten Teil der Prüfung gibt es keine Punkte… es kann nur bestanden werden (oder eben nicht.)

Fazit
Das Buch ist optisch sehr übersichtlich gestaltet und lädt durch die vielen Bilder und Bildserien zum Lesen ein. Die zahlreichen Hinweis-Kästchen lockern das Gesamtbild zusätzlich auf – alles in allem ein sehr kurzweiliges Buch zu einem (aus Hundesportler-Sicht ;-)) trockenem notwendigen Thema.
Schade finde ich, dass sich die Übersicht der Bestandteile und die Beschreibung der Prüfung im öffentlichen Verkehrsraum fast wie die Prüfungsordnung selber liest. Den Aufbau der einzelnen Übungsteile für die Unterordnung hätte ein wenig ausführlicher bzw. abwechslungsreicher sein können. Mir persönlich geht es ein wenig unter, dass es nicht ‘die eine’ Methode gibt, mit der trainiert werden kann, sondern das immer nach dem individuellen Mensch-Hund-Team geschaut werden muss, welcher Trainingsweg am besten passt. Aber das liegt vielleicht auch an der insgesamt geringen Seitenzahl des Buches.
Alles in allem ist das Buch leicht verständlich geschrieben, auch wenn inhaltlich an einigen Stellen hin und her gesprungen wird. So findet der Leser bei der Beschreibung der Leinenführigkeit Tipps zur Sitz- bzw. Platzübung. Und das Einnehmen der Grundstellung gehört für mich vom Aufbau her zu Beginn beschrieben und nicht erst gegen Ende – zumal jede Übung mit der Grundstellung beginnt und endet. Auch in der Trainingsstrategie findet man ab und an kleine Unklarheiten. So wird an einer Stelle, an der noch mit Hilfen gearbeitet wird, beschrieben, dass das Signal “Fuß” gegeben werden soll. Zwei Sätze weiter empfiehlt die Autorin, das Signal erst einzuführen, wenn der Hund seine Aufgabe verstanden hat (was ja auch richtig ist). Aber vielleicht schaue ich da auch nur etwas zu genau hin, da ich selber Obedience betreibe und da geht es ja doch um einiges genauer zu als bei der Begleithunde-Prüfung 😉

Alles in allem kann ich das Buch interessierten Neulingen empfehlen, die neben der Prüfungsordnung einen weiteren Einblick in den Ablauf der BH-Prüfung bekommen möchten – zumal es momentan das einzige Buch ist, dass die aktuelle Prüfungsordnung beinhaltet. Es ist schnell zu lesen und zahlreich bebildert… perfekt für eine Feierabend-Lektüre.
Hundesportler, die bereits wissen, wie der Hase bei der Prüfung läuft, werden hier – außer dem neuen Laufschema, dass seit 2019 gültig ist – allerdings keine neuen Trainingsansätze finden.

Details zum Buch:
Annegret Bangert
Begleithund-Prüfung
96 Seiten
Müller Rüschlikon Verlag
ISBN 978-3-275-02179-6

Das Buch erhaltet ihr direkt im Verlag

Über Annegret Bangert:

Die Autorin leitet die Hundeschule »Halvara-Team-Training«, nachdem sie mehre Jahre ehrenamtlich als DVG/VDH-geprüfte Ausbilderin für alle Rassen und Mischlinge in einem Hundeverein tätig war. Ihr Hauptaugenmerk liegt auf der Partnerschaft zwischen Mensch und Hund: Mit Hilfe des »Verstehen-Lernens« des Hundes und einer gewaltfreien Erziehung bildet man ihrer Überzeugung nach einen sozialverträglichen und umweltsicheren Familienhund aus. Sie hat seit über 30 Jahren eigene Hunde, mit denen sie erfolgreich den VDHTeam-Test und die VDH-Begleithundprüfung mehrfach absolviert hat. Sie ist anerkannte Ausbilderin und Prüferin für den VDH-Hundeführerschein, für den in Niedersachsen (NHundG) geforderten theoretischen und praktischen Sachkundenachweis und Autorin verschiedener Fachbücher.




Kerstin

Kerstin Schubert arbeitet als selbstständige Informationsdesignerin und ist in ihrer Freizeit auf dem Hundeplatz mit ihrem Berner Wookiee im Obedience Klasse 3 unterwegs. Sie hat die hier im Shop erhältlichen Trainingstagebücher gestaltet und realisiert.

2 Comments

Hundesport Nubi · 18. August 2019 at 15:02

Vielen lieben Dank für die Verlinkung zum Laufschema! 🙂
Mara von Hundesport Nubi

Kerstin · 18. August 2019 at 15:17

Immer wieder gerne!

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