Als ich vor fast 10 Jahren mit dem Agility angefangen habe, führte man einen Hund im wesentlichen mit Belgiern und Franzosen durch einen Parcours. Hier und da gab es andere Führvarianten, diese zu beherrschen war aber bei Weitem kein Muss.

 

Heute sieht man schon in der A1 (und bald wahrscheinlich auch in der A0) die tollsten Wechsel oder zumindest den Versuch eines solchen – ob dies immer so nötig ist, wage ich zu bezweifeln.

Nach wie vor bin ich der Meinung, dass man einen Hund mit genau zwei Wechsel-Varianten (Belgier und Franzose) durch fast jeden Parcours führen kann. Doch Hundesport unterliegt immer dem Wandel der Zeit und so haben sich auch die Parcours im Laufe der Jahre verändert. Aktuell wird gerne eng gestellt, mit vielen Verleitungen, viel Außen. Für den Hund ist es in solchen Parcours wichtig, frühzeitig vom Hundeführer die Information zu bekommen, wo es weiter geht. Anderenfalls gibt es da so manche mitdenkende Hunde, die sich quasi am Start bereits überlegen, wo sie lang laufen. Durch gezielte Führtechnik kann der Hundesportler den Hund besser auf das nächste Hindernis vorbereiten. Manche Hunde fangen tatsächlich auch erst an, mit ihrem Menschen zusammen zu arbeiten, wenn es komplizierter wird; wenn sie ihr Hirn einschalten müssen und nicht einfach nur rennen und hüpfen können.

Durch ein gezieltes Abgehen des Parcours in der Parcours-Begehung kann ich die Ideallinie des Hundes finden. Um ihn auf genau dieser Ideallinie zu führen, ist es manchmal notwendig, eine “neuere” Führtechnik zu verwenden. Der Hund kann sich besser darauf einstellen, was als nächstes kommt. Er wird nicht ausgebremst, wie es beim Belgier der Fall ist, ich lasse ihn aber auch nicht kurzfristig im Luft leeren Raum, wie beim (schnelleren) Franzosen. Somit sind es am Ende manchmal wertvolle Sekunden oder das Abhalten davon eine Verleitung als nächstes Hindernis anzusehen, die mir das eine oder andere Manöver bringt. Allerdings gilt, wie für alle Dinge im Hundetraining: Versuche keine neuen Dinge auf dem Turnier! Solltest Du also bei der Parcours-Begehung von Mitstreitern aufschnappen, dass sie hier aber lieber den Reverse Spin oder den Japaner, die Jaakko-Wende oder den Lap Turn machen würden und Du selbst und Dein Hund, ihr wisst beide nicht genau, was es damit auf sich hat – lass es. Merke Dir die Begriffe, lass es Dir erklären und übe erstmal in Ruhe im Training, worum es geht.

Agility Führtechnik ist ein bisschen wie Tanzen, finde ich. Zunächst sollte man die Schritte trocken – ohne Hund – üben und zwar so lange, bis man es quasi im Schlaf kann. Wenn die Bewegungen in Fleisch und Blut übergegangen sind, kommt der Hund dazu. Hier schalte ich gerne zunächst das Gehirn des Hundes aus, indem ich ihm Futter vor die Nase klemme und mache den Wechsel (sofern möglich) langsam und in der Regel ohne aufliegende Stange. So kann sich beim Hund ein Muskelgedächtnis für diesen Wechsel bilden. Nach einigen Wiederholungen mit Futter direkt vor der Nase, wird das Tempo gesteigert und das Leckerchen weggesteckt, so dass der Hund bewusst mitbekommt, was er tun soll. Nach und nach kommen dann verschiedene Geräte hinzu und der Wechsel wird in einen kleinen Parcours integriert.

Meine Buchempfehlung, für alle, die sich gezielt mit den verschiedenen Führtechniken auseinander setzen wollen: Vokabelheft Agility Führtechniken von Train Pool

Categories: Agility

Lina

Dipl.-jur. Lina Engelken lebt mit ihrem Mann, ihrem Sohn und ihren 4 Hunden (Aussie, 2 Border Collies und Papillon) in Bremen. Sie betreibt mit ihrem Papillon Agility und Frisbee und startet aktiv auf Turnieren. Sie ist Hundeerzieherin & Verhaltensberaterin IHK|BHV und betreibt seit 2009 eine eigene Hundeschule. Mehr Infos zu ihrem Angebot findet Ihr auf ihrer Homepage, auf der Fb-Fanpage oder in ihrem youtube-channel.

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