Das normale, gesunde Gangbild – Taktunreinheiten und Lahmheiten

Betrachten wir die Grundgangarten (Schritt, Trab, Galopp) unserer Hunde, haben diese bei einem gesunden Hund alle eins gemeinsam: Sie unterliegen einem gleichmäßigen Takt. Für jede Gangart gibt es eine bestimmte Abfolge, in der die einzelnen Pfoten des Hundes Ab– und Auffußen. Im Normalfall geschieht dies gleich und regelmäßig, auch wenn der Hund sein Lauftempo verändert.

Taktunreinheiten im Gangbild, in schweren Fällen werden diese als Lahmheiten wahrgenommen, sind immer ein Zeichen dafür, dass irgendetwas körperlich nicht in Ordnung ist. Tritt ein Bein zum Beispiel kürzer oder langsamer auf, wird das oft nur vom geübten Auge wahrgenommen. Anders sieht es aus, wenn einzelne Gelenke nicht in vollem Umfang bewegt werden, der Hund mit einem Hinterbein im Sprunggelenk absackt oder zum Beispiel sein Knie deutlich nach außen dreht. Dann sieht das auch der Laie sehr schnell und fragt sich, welches körperliche Problem der Hund hat, denn:

Kein Hund verändert ohne Grund sein natürliches und gesundes Bewegungsmuster, bedeutet dies doch zwangsläufig, dass ein Bein anders belastet wird, als die anderen.

Umgang mit Taktunreinheiten und Lahmheiten

Bewegt der Hund sich nicht mehr gleichmäßig, kann das verschiedene Ursachen und leider auch diverse Folgen haben, die dem Hund auf Dauer schaden können. Jede Ungleichmäßigkeit im Gangbild verändert die Belastungszonen im gesamten Körper. Auf Dauer können solche Fehlbelastungen dazu führen, dass der Hund aufgrund von Überlastungen dauerhaft geschädigt wird. Dies muss nicht nur von den Beinen des Hundes ausgehen, oft sind es auch Probleme oder Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule oder Beeinträchtigungen der dort austretenden Nervenbahnen, die für die Veränderungen im Gangbild sorgen.

Aus diesem Grund ist ein verantwortungsbewusster Hundebesitzer normalerweise sehr bemüht, schnellstmöglich dafür zu sorgen, dass die Ursache der Störung im Gangbild gefunden wird und der Hund sich wieder normal und gesund bewegen kann. Er besucht Tierärzte, lässt Röntgenbilder anfertigen und Tierphysiotherapeuten daran arbeiten, dass alle Strukturen wieder normal beweglich sind und bezahlt, je nach Schwere des Problems dafür auch noch jede Menge Geld. All dies tut er, weil ihm die Gesundheit seines Hundes wichtig ist.

Und nun rufen wir uns mal die Bilder in den Kopf, die wir zu sehen bekommen, wenn Hunde beim Tricksen oder zum Beispiel im Dogdancing oder HTM teilweise weite Strecken rückwärts geschickt werden. Was bekommen wir in den meisten Fällen zu sehen? Gehen die Hunde gleichmäßig rückwärts? Zeigen sie eine normale gesunde Körperhaltung? Kann die Wirbelsäule frei bewegt werden?

Das “übliche” Bild im Rückwärtsgang

Viel zu oft, wenn ich ehrlich bin fast ausschließlich, sehen wir die Hunde völlig taktlos rückwärts „stolpern“, der Kopf wird dabei hoch, teilweise auch noch verdreht gehalten und selbst dem ungeübten Betrachter sollte auffallen, dass diese Hunde sich angespannt und unnatürlich bewegen. Wenn doch bekannt ist, dass ungleichmäßige Bewegungen ein Zeichen für körperliche Probleme sind und wenn wir wissen, das länger andauernde Fehlbelastungen zu weiteren Problemen führen können und deshalb schnellstmöglich beseitigt werden sollten – warum wird genau dies in der rückwärts gerichteten Bewegung billigend in Kauf genommen?

Ausgedrehte Kniee, abgesackte Hüften, schief gehaltenes Becken und einseitiges „Hüpfen“ sind belastend und in der im Sport zu findenden Intensität auch ungesund. Entstehende Blockaden, Schiefstellungen und Verspannungen sind schmerzhaft und führen zu weiteren Problemen. Aber auch die knöchernen Strukturen, insbesondere im Bereich der Wirbelsäule werden schnell über das erträgliche Maß belastet. Die hohe Kopfhaltung, der Rücken, der ins Hohlkreuz gezwungen wird und die dadurch fehlende schützende gesunde Spannung in der Rücken– und Halswirbelsäulenmuskulatur sorgen dafür, dass die nach oben gerichteten Dornfortsätze der einzelnen Wirbelkörper schmerzhaft aneinandergedrückt und komprimiert werden.

Der gesündere Weg

Nimmt der Hund hingegen seinen Kopf in einem sanften Bogen nach vorne, wölbt seinen Rücken leicht nach oben und tritt dann beim Rückwärtsgehen sauber und gleichmäßig mit den Hinterbeinen unter passiert folgendes:

Die Muskulatur, die ineinandergreifend vom Kopf, über den Hals, den gesamten Rücken und die Kruppe bis über die Hinterbeine reicht, wird positiv angespannt und sorgt dafür, dass die Wirbelkörper sanft auseinander bewegt werden und die Muskulatur dazwischen entspannt arbeiten und mitschwingen kann.

In dieser Haltung nutzt der Hund diese als „obere Verspannung“ bezeichnete Muskelkette, um die Wirbelsäule zu schützen und gesund zu halten.

Dies ist auf den folgenden Fotos gut zu sehen:

Fazit

Jeder Sporthund sollte die Chance haben gesund in den Sport hineinzugehen, diesen gesund auszuführen und dann auch gesund zu altern – ich bin sicher, dass es eine Möglichkeit gibt, das Rückwärtslaufen für den Hund so aufzubauen, dass der Hund seine natürlichen Schutzmechanismen auch nutzen kann und nicht dazu veranlasst wird, sich durch eine ungesunde Körperhaltung selbst zu schaden…

Kategorien: Physiotherapie

Britta Reiland

Britta Reiland, geb. 01.09.1974 Sportphysiotherapeutin, Dozentin und Autorin

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