Um das “Voraus” senden aufs Spielfeld, zu bestimmten Bällen, weiter rechts oder links und aus immer größerer Distanz zu üben, sind sogenannte Pfoten-Targets – Hilfspunkte am Boden – eine große Hilfe. Diese lernt Dein Hund zunächst mit den Pfoten zu berühren und sich im weiteren Verlauf des Trainings ruhig darauf zu stellen, wenn Du ihn zu einem geschickt hast. Targets helfen nicht nur beim gezielten Dirigieren zwischen den Bällen, sie bringen auch Ruhe ins Treibball-Training. Insbesondere bei Vierbeinern, die das Spiel mit den bunten Bällen als selbstbelohnend empfinden.

Du kennst Targets eventuell bereits aus dem Obedience-, Kontaktzonen- oder Clicker- und Tricktraining. Es eignen sich dazu beispielsweise Topfuntersetzer aus Kork, Platz-Sets, Scheiben oder Matten aus Schaumgummi oder Teppichstücke, die Du entsprechend zuschneiden kannst. Sie sollten je nach Größe Deines Hundes einen Durchmesser von etwa 20-40 cm haben. Zu Beginn brauchst Du mindestens drei Stück.

Über das Hilfsmittel Target lernt Dein Hund, an einem bestimmten Punkt zu dem Du ihn geschickt hast – zum Beispiel hinter einen Ball – ruhig zu verharren. Anfangs auf einem Target stehend und später auch einfach so hinter einem Ball dir gegenüber und dort ruhig auf dein nächstes Signal zu warten, wenn Du das wünschst. Er kann dabei theoretisch sitzen, liegen, stehen oder auch nur mit einer Pfote, den Hinterpfoten oder dem Popo drauf sein. Wenn Deinem Hund das leichter fällt, oder Dir lieber ist. Ich persönlich bevorzuge und empfehle das klare Kriterium “zwei Vorderpfoten” stehen ruhig auf dem Target. Ob der Hund am anderen Ende sitzt oder steht ist mir dabei egal. Liegen ist eher unvorteilhaft, weil er Dich dann nicht mehr so gut sehen kann, wenn er sich hinter einem großen Ball auf einem Target befindet. Wichtig ist mir in erster Linie, dass ich ihn mit den Targets so im weiteren Trainingsverlauf ganz gezielt an den Bällen ausrichten kann – und das geht meiner Erfahrung nach am besten, wenn er mit beiden Vorderpfoten auf dem Target steht. Und es ist beim Belohnen auch ein ganz klares Kriterium, so dass die Hunde die Übung meist schneller verstehen, als wenn sie nur irgendwie beim Target sein sollen.

Dirigieren und Positionieren mit Hilfe von Pfoten-Targets

Das Schwierigste am Treibball ist die Distanzarbeit. Deinen Hund auf eine Entfernung von bis zu 20 Metern und mehr zuverlässig zwischen acht Bällen dirigieren zu können ist gar nicht so einfach. Denn den meisten Hunden macht das Bälle treiben sehr viel Spaß, sobald sie verstanden haben, worum es geht. Es wird dann immer schwerer, Deinen Hund während des Spiels auf Distanz weiterhin jederzeit dirigieren und auch stoppen zu können, so dass er nicht einfach einen x-beliebigen Ball beginnt zu treiben. Wenn Du möchtest, dass es ein „gemeinsames“ Spielen und Arbeiten wird, sind Pfoten-Targets eine große Hilfe.

Mit Targets ist es anfangs viel leichter Deinem Hund beizubringen:

  • sich von Dir mit Gesten und Worten auf dem Spielfeld in alle Himmelsrichtungen dirigieren zu lassen,
  • ihm zu zeigen, dass er sich am besten immer Dir gegenüber hinter den Bällen ausrichtet, damit er sie am schnellsten zu Dir und vor allem nicht von Dir weg schiebt
  • und dass er die Bälle zu denen er geschickt wurde nicht immer gleich treiben darf.

Mit den folgenden Übungen lernt Dein Hund auf das Signal “Touch” zu bestimmten Punkten auf dem Spielfeld oder hinter Bälle zu laufen, dort ruhig stehen zu bleiben und auf weitere Anweisungen zu warten. Beliebte andere Signalworte für “Touch” sind: „Scheibe“ „Point“, „Tip“ oder „Target“. Später kommt ein weiteres Signal hinzu – der “Anker”. Dieses Signal bedeutet, dass dein Hund sich auch ohne ein Target hinter einem Ball Dir direkt gegenüber ausrichten und (sitzend oder stehend) auf das nächste Signal warten soll.

Eine Targetscheibe mit den Pfoten berühren und sich ruhig darauf stellen

Mit Hilfe des Clickers oder mit Deinem Markerwort bringst Du Deinem Hund ganz leicht bei ein Target kurz mit seiner Pfote zu berühren. Im weiteren Verlauf sagt ihm das Signal „Touch“, dass er auf dem Target ruhig mit den zwei Vorderpfoten stehen bleiben soll, bis er ein neues Signal von Dir bekommt.

Übungsaufbau Schritt für Schritt:

Das “Touch” lässt sich sehr gut aus dem klassischen Pfote geben formen:

  1. Pfote geben üben, wenn ihr es nicht schon könnt
  2. Viele Hunde lernen es ganz schnell übers pföteln, wenn Du ein Leckerchen in Deine Hand nimmst und diese zur Faust schließt. Halte sie dann deinem Hund vor die Nase. Meist schnuppern sie erst und wenn das alleine nichts hilft, um ans Leckerli zu kommen, kommt nach einer Weile oft die Pfote in Richtung Hand oder berührt sie auch. Dies bestätigst Du verbal oder mit dem Clicker und öffnest dann deine Hand und gibst das Leckerchen frei.
  3. Nach ein paar Wiederholungen gibst Du Deinem Hund aber nicht mehr dieses Leckerchen, sondern ein anderes aus deiner anderen Hand. Dein Hund wird bald schon lernen, dass er deine eine Hand mit der Pfote berühren soll (egal ob da ein Leckerchen drin ist oder nicht), damit er aus der anderen ein Leckerli bekommt. Dann kannst Du ihm die Hand auch geöffnet hinhalten und er wird mit der Pfote einschlagen.
  4. Eine weitere Möglichkeit, wenn Dein Hund von sich aus keine Aktivität mit der Pfote zeigt: Die Pfote streicheln oder kitzeln und wenn dein Hund sie kurz hochhebt, weil ihn das stört, versuchst, du mit der offenen Handfläche kurz und mit der Zeit immer länger unter den Pfotenballen zu sein. Die Pfote dabei auf keinen Fall mit der Hand festhalten. Dann möchte dein Hund sie erst recht wegziehen. Mit der Zeit wirst du auch bestätigen und Leckerli geben können, während die Pfote noch deine Hand berührt bzw. auf deiner Handfläche liegt.
  5. Mit der Zeit hebt dein Hund die Pfote bestimmt schon von alleine, sobald du ihm deine Hand auffordernd hinhältst und legt sie auf deine Handfläche.
  6. Nun kommt die Targetscheibe ins Spiel. Dazu eignen sich Platzsets, Korkscheiben, die beliebten Kindersitzscheiben von IKEA und sonstige flache etwas festere Gegenstände, die nicht rutschig sind. Sie können auch eckig sein.
  7. Frage 2-3 mal das Pfote geben ab. Nimm dann das Target hinzu, lege deine Hand darüber und sage wieder “Pfote”. Ein paarmal wiederholen. Dann ziehst du deine Hand mal geschickt zurück, so dass dein Hund stattdessen direkt das Target trifft. Benenne dieses Verhalten mit “Touch”. So führst du dein neues Signal dafür ein. Du bestätigst ihn idealerweise, wenn die Pfote noch auf dem Target liegt.
      
  8. Damit dein Hund lernt aus der Bewegung heraus zum Target zu laufen und mehr Spaß an der Übung hat, kannst Du die Belohnungs-Leckerchen auch mal auf dem Boden weg kullern. Das Hinterherhüpfen bringt Dynamik ins Spiel und führt dazu, dass die Hunde später mit Begeisterung aufs Target zurück hüpfen. Dein Hund lernt, immer wieder zurück zum Target zu laufen, und es auf dein Signal “Touch” zu berühren. Mit der Zeit hältst du das Target immer tiefer und legst es dann auf den Boden…
  9. Mit geschicktem Leckerchenpositionieren eventuell nachhelfen und dafür sorgen, dass dein Hund anfangs wirklich mit seinen zwei 2 Vorderpfoten auf dem Target steht und nur dann das Leckerchen geben. Gib ihm dann am besten gleich 2-3 weitere Leckerli in Folge und wiederhole dabei immer wieder dein neues Signal “Touch”. So versteht er schneller, dass es darum geht ruhig stehen zu bleiben. Und zwar so lange, bis Du das Signal auflöst. Sitzen oder Stehen ist dabei generell besser als Liegen, damit er dich später hinter dem Ball noch sehen kann.   
    (Timmy läuft freudig zum Target und möchte sich nach dem Click postwendend sein Leckerchen abholen kommen. Doch Marietta zieht Timmy mit dem versprochenen Leckerchen zurück auf die Targetscheibe und erst sobald er mit zwei Pfoten still auf dem Target steht, bekommt er es. Er lernt das “Touch” heißt still auf dem Target stehen zu bleiben, bis das nächste Signal kommt.)
  10. Trainings-Tipp 1: Dein Hund kommt Dir nach einigen Wiederholungen nach kurzem Berühren des Targets immer wieder entgegen, in der Hoffnung so das Leckerchen schneller zu bekommen? Dann warte auch mal einen Moment, ob er schon von alleine auf die Idee kommt, zurück auf das Target zu gehen um dort den nächsten Click und eine Belohnung zu erhallten. Wenn nicht, hilfst Du ihm nochmal, indem Du ihn auf das Target zurückführst und während er korrekt auf dem Target steht, mehrfach clickst, belohnst und das Signal “Touch” wiederholst. Mit der Zeit wird er begreifen, dass er sein Leckerchen schneller bekommt, wenn er gleich mit beiden Vorderpfoten ruhig auf dem Target stehen bleibt.
  11. Trainings-Tipp 2: Ein niedriger Hocker oder Trittschemel hilft eventuell, das Prinzip “2 Pfoten” stehen auf dem Target zu festigen. Das Prinzip ist anfangs das gleiche. Auf dem Schemel liegen oder nur mit einer Pfote stehen ist unbequem, mit 2 Pfoten drauf stehen angenehmer. Locke ihn dazu anfangs eventuell ein, zwei Mal mit Leckerchen nach oben. Zum Vokabeltraining das Signal mehrfach sagen, während dein Hund oben steht und mehrfach “Click & Lecker” geben.
  12. Signal “Touch” festigen und zum Target laufen üben: In den nächsten Trainings-Intervallen beginnst Du kurz wie bisher zum Einstimmen auf die Übung. Durch immer wieder erneutes platzieren des Gegenstandes, bevor Du deinen Hund schickst, werden Target und Schemel interessanter und mit der Übung besser verknüpft. (Wichtig: Mit dem Target erneut auf den Boden legen immer warten, bis dein Hund wieder aufmerksam ist und zu Dir schaut.)
  13. Trainings-Tipp 3: die Hände auch mal ganz bewusst aus dem Spiel lassen und NICHT immer wieder von oben auf das Target zeigen! Dein Hund würde lernen “stell dich unter meine Hand”. Mit mehr Distanz wäre dein Arm aber irgendwann zu kurz dafür! Daher nimm Deine Hände zeitweise mal auf den Rücken und sage nur dein Signalwort “Touch”. Unterstützende Impulse kannst Du mit Deinem Oberkörper geben oder indem Du deine Position zum Target leicht veränderst.
  14. Als nächstes lernt dein Hund nicht mehr auf Dich zu, sondern auch von dir weg zum Target zu laufen. Denn du wirst deinen Hund zukünftig aus dem Tor von dir weg “Voraus” auf das Spielfeld schicken. Du kannst dein Signal mit einer klaren Geste Deines Arms in Richtung des Gegenstandes unterstützen.

   
Ich sage ab jetzt “Vor – Touch”. Dabei sende ich meine Hunde meist aus der Mitte zwischen meinen Beinen geradeaus “Vor” aufs Spielfeld. Ich übe aber auch mal sie von meiner rechten oder linken Seite (Fußposition) loszuschicken. Übe Deinen Hund aus immer größerer Distanz “Vor” auf das Target zu schicken.

Noch ein Hinweis, da ich das oft gefragt werde: Das sich auf dem Target Umdrehen und zu dir Ausrichten, um besser auf das nächste Signal achten zu können, kommt meist mit der Zeit ganz von alleine.Wenn das klappt, kommen immer mehr Targets und auch die Bälle ins Spiel 🙂 Dazu gibt es weitere Informationen für Dich in künftigen Blog-Artikeln.

   

Doch jetzt erstmal viel Erfolg beim still stehen üben 🙂
Deine Anja

Über den Autor

Anja
Anja
Anja Jakob hat sich ganz bewusst auf Themen rund um Spiel, Sport & Freizeitspaß für Hunde spezialisiert. Denn das ist es, was ihr und ihren Hunden am meisten Freude macht. Und diese geben Sie sehr gerne weiter. Zu ihrem Team zählen die Border-Collies Merlin (10), Malouk (7) und Milino (2)

Der gemeinsame Spaß und Teamwork stehen bei Anja Jakob immer im Vordergrund. Sie nimmt mit ihren Hunden sehr erfolgreich an Turnieren teil und gibt Online-Seminare sowie Seminare in Hundeschulen, Vereinen und Seminarhotels im In- und Ausland. Zu ihren Themen zählen: Treibball, Tricktraining, Dogdance, Longieren, Zughundesport (mit dem Dog-Scooter oder Tretschlitten).
Kategorien: AllgemeinTreibball

Anja

Anja Jakob hat sich ganz bewusst auf Themen rund um Spiel, Sport & Freizeitspaß für Hunde spezialisiert. Denn das ist es, was ihr und ihren Hunden am meisten Freude macht. Und diese geben Sie sehr gerne weiter. Zu ihrem Team zählen die Border-Collies Merlin (10), Malouk (7) und Milino (2) Der gemeinsame Spaß und Teamwork stehen bei Anja Jakob immer im Vordergrund. Sie nimmt mit ihren Hunden sehr erfolgreich an Turnieren teil und gibt Online-Seminare sowie Seminare in Hundeschulen, Vereinen und Seminarhotels im In- und Ausland. Zu ihren Themen zählen: Treibball, Tricktraining, Dogdance, Longieren, Zughundesport (mit dem Dog-Scooter oder Tretschlitten).

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.