Das Einweisen kommt dann zum Einsatz, wenn der Hundeführer genau weiß, wo sich das zu erarbeitende Dummy befindet, der Hund aber nicht. Mit körpersprachlichen Signalen (vor allem Armbewegungen) und der Pfeife steuert der Hundeführer seinen Hund durch das Gelände zum Dummy und fordert ihn zum Suchen auf, sobald der Hund im unmittelbaren Bereich des Dummys angekommen ist. Es ist der Teil der Dummyarbeit, der am meisten Zeit, Fleiß, Durchhaltevermögen und kleinschrittig geplantes Training erfordert, da man ein hohes Maß an Signalsicherheit und Gehorsamkeit benötigt, um seinen Hund über eine lange Distanz durchs Gelände manövrieren zu können. Hierfür lernt der Hund die Signale für das Voranlaufen, Abstoppen, Richtung wechseln und Suchen zuverlässig auszuführen und diese sicher voneinander zu unterscheiden. Für den Aufbau aller Signale gilt: das Training sollte immer so aufgebaut sein, dass der Hund durch das von uns gewünschte Verhalten zum Erfolg kommt! Der Hund braucht das Vertrauen, dass der Mensch genau weiß, was er tut und die Signale eine Hilfe auf dem Weg zum Dummy sind.

Voran/Voraus“

Den Hund in einer schön geraden Linie 100 m durchs Gelände zum nicht sichtbaren Dummy zu schicken, hört sich leichter an, als es tatsächlich ist! Aber es ist den langen Trainingsweg und die Geduld, die im Laufe der Ausbildung nötig ist, allemal wert, denn wenn der Hund ein schönes Lining gelernt hat, muss man ihn unterwegs nicht korrigieren und er kommt schnell zum Erfolg.

Zu Beginn des Trainings startet man mit einem festen Ziel, das der Hund bereits vom Startpunkt aus anpeilen kann und wo er sicher ein Dummy findet, sobald er dort ankommt. Dieses Ziel kann ein markanter Busch/Baum im Gelände, an dem ein Helfer für den Hund sichtig ein Dummy hingelegt hat sein oder ein weißer Markierstab/Weidezaunpfahl, den man beliebig im Gelände stecken kann, womit man wesentlich flexibler ist. Wichtig ist von Anfang an, dass man sich selbst in einer geraden Linie zum Ziel ausrichtet und seinen Hund exakt gerade neben sein Bein setzt. Solange er sein Ziel im Gelände noch gut sehen kann, wird auch ein schief ausgerichteter Hund zum Markierstab laufen, aber diese Ziele werden bald abgebaut und er kann sie von seinem Startpunkt aus dann nicht mehr sehen. Wenn er schief am Bein sitzt, wird er mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht in gerader Linie vom Menschen weg starten. Dem Startsignal ansich kommt auch eine hohe Bedeutung zu, da nicht nur die Sitzrichtung des Hundes, sondern auch der Arm des Menschen den Fokus des Hundes nach vorne zum Dummy lenkt. Es gibt mehrere Möglichkeiten den Arm zu halten (z.B. neben oder über den Kopf des Hundes) und alle funktionieren, wenn sie die Aufmerksamkeit straight nach vorne geradeaus lenken können. Der Mensch ist ansonsten absolut still und macht keinerlei Bewegungen, um den Hund nicht von seinem Fokus vorne im Gelände abzulenken! Bevor der Hund aus der Grundstellung mit dem akustischen Startsignal (z.B. „voran oder „voraus“) zum Dummy geschickt wird, baut der Hundeführer so viel Spannung auf, dass der Hund dann beim Startsignal wie ein Pfeil losschießt. Anfangs ist da vielleicht auch noch etwas Hilfe vom Helfer (Zeigen des Dummys, Geräusch machen) notwendig, aber der Hund wird mit der Startposition und zugeflüsterter Motivation bald diese Spannung verknüpfen. Bei Hunden, die es nicht erwarten können und bereits vor dem akustischen Startsignal losrennen, ist eine Sicherung durch einen Kurzführer anzuraten, damit man hier auch gleich das Problem „Einspringen“ (Frühstart) mit bearbeiten kann (und sollte!).

Die ganzen Hilfen (Helfer, sichtig ausgelegtes Dummy, Markierstab, etc.) werden so nach und nach abgebaut, sobald der Hund das Startritual verinnerlicht hat und sich schön gerade nach vorne fokussiert, wenn die Hand des Hundeführers ihn einweist. Der Markierstab wird für den Hund schnell zum „Magneten“, da dieser verspricht, dass er dort ein Dummy findet und ist somit in „wildem“ Gelände ohne hilfreiche Geländekanten/Wege ein sehr gutes Hilfsmittel für ein schönes Lining. Um den Hund aber irgendwann ohne diese Hilfe ins Gelände schicken zu können, muss der Stab im Laufe der Ausbildung abgebaut werden. Dies geschieht, indem man sich einen Hügel, hohes Gras oder sonstige Geländehindernisse zu nutze macht, durch diese der Hund den Stab vom Start aus nicht sehen kann und erst ein paar Meter „blind vertrauend“ voranlaufen muss, bis er den Stab entdeckt. Diese „blinden“ Strecken werden mit fortschreitendem Training immer länger, bis der Stab irgendwann ganz weggelassen wird und der Suchenpfiff dem Hund das Ende des Voranlaufens ankündigt, bzw. er selbst Wind vom Dummy bekommt. Zeigt der Hund dieses Verhalten auch auf weiten Strecken (Retriever laufen hier durchaus 200m) und auch über Geländeübergänge (z.B. Wege, Waldrand) und Hindernisse (z.B. Baumstämme, Zäune,Wassergräben) und trotz Ablenkungen und Verleitungen (durch andere Dummys) hinweg, ist das Ziel, den Hund in einer geraden Linie voranschicken zu können erreicht …und man hat bis dahin hat locker zwei Jahre, gerne auch länger regelmäßiges Training investiert.

Stopp-Pfiff

Das Einweisen beginnt in einer Aufgabe normalerweise mit dem Voranschicken. Aber unterwegs kann der Hund aus den verschiedensten Gründen vom gewünschten Weg abkommen und man muss eine Kurskorrektur vornehmen. Hierfür wird der Hund erst einmal gestoppt, wofür ein Pfiff trainiert wird, der den Hund aus vollem Lauf oder auch aus der intensiven Suche heraus dazu bringt, sich zu uns umzudrehen und sich zu setzen (erfahrenere Hunde stehen dann später auch). Dieser Pfiff soll NICHT bedeuten „Hund, Du hast etwas falsch gemacht!“, SONDERN „So, kommst Du nicht zum Ziel, ich helfe Dir den Weg zum Dummy zu finden.“ Gleichzeitig soll der Pfiff wie ein „Reset-Knopf“ wirken. Dem Hund wird während er sitzt und uns anschaut, kurz Zeit gegeben, sich von seinem derzeitigen Plan zu verabschieden und sich nun auf einen neuen (unseren) Plan einzulassen.

Zu Anfang wird der Pfiff natürlich als einzelnes Element trainiert bis er ganz klar mit dem gewünschten Verhalten verknüpft ist, bevor man ihn ins Einweisen einbauen kann. Aber auch, wenn man den Hund später aus dem Voran stoppt, sollte man dies sparsam und mit Verstand tun, da man sich mit zu häufigem Abstoppen ein schön flüssiges Voranlaufen kaputt machen kann. Dies merkt man, wenn der Hund immer zögerlicher läuft oder gar schon auf Hälfte des Weges zum Dummy abstoppt, weil er den Pfiff erwartet.

Den Aufbau des Stopp-Pfiffs zeigt im extremen Zeitraffer das Video, wobei es natürlich auch noch andere effektive Methoden gibt. Aber egal, wie man ihn aufbaut, er muss immer wieder in den unterschiedlichsten Situationen, Ablenkungen und Erregungszuständen geübt werden, bis man sich während des Einweisens voll auf die gewünschte Reaktion des Hundes verlassen kann.

Links/Rechts

Hat der Hund beim Voranschicken den Kurs zu sehr nach rechts verlassen, können wir ihn auf Höhe des Dummys stoppen und dann nach links zum Dummy schicken …und anders herum. Im Prinzip gilt hier das Gleiche wie für das Voranschicken (gerades Lining, laufen bis der Suchenpfiff ertönt), nur dass sich der Hund vorher noch im 90°Winkel von dem ihm gegenüber stehenden Hundeführer abwenden muss. Die entscheidenden Hilfen sind hier die Arme des Hundeführers, die gut sichtbar sein sollten, was auf weite Entfernungen eine Herausforderung sein kann. Deshalb muss man auch schon zu Beginn des Trainings darauf achten, dass man beim Richtunganzeigen keine körpersprachlichen Hilfen gibt, die der Hund auf größere Distanzen nicht mehr sehen kann. Man kann nie genau wissen, an welchen Hilfen sich der Hund wirklich orientiert. Wir denken, es sind die Arme, auf die er achtet, aber tatsächlich war es für ihn unser Blick in die angezeigte Richtung und dann wundert man sich, wenn der Hund unsere Richtungswechsel in 100m Entfernung nicht mehr versteht, weil er unsere Blickrichtung nicht erkennen kann…und die Arme hat er nie als alleinige Signale verstehen gelernt. Das gleiche gilt für unsere Beine. Diese können durchs hohes Gras, etc. verdeckt sein. Hat der Hund aber bisher immer darauf geachtet, in welche Richtung wir einen Schritt zur Seite gemacht haben, ist er ratlos, wenn er diese Hilfe mal nicht sehen kann.

Um die Arme gut sichtbar zu machen, kann man mit einem weißen Langarmschirt, weißen Armstulpen oder einem weißen Tuch/Basecap in der Hand arbeiten. Zusätzlich zu den Armsignalen erhält der Hund ein akustisches Startsignal, z.B. „Go“ oder „Rüber“. Manche Hundeführer unterscheiden auch in „Links“ und „Rechts“. Wie bei allem in der Dummyarbeit, gibt es keine festgelegten Signale und man hat da viele Freiheiten. Wichtig ist nur, es so zu trainieren, dass der Hund letztendlich das tut, was man mit dem Signal bezweckt.

Für den Aufbau der Richtungswechsel sind uns wieder die bereits bekannten Markierstäbe von großem Nutzen (siehe Video). Für den Abbau der Hilfen gilt das Gleiche wie beim Voranschicken.

Back

Ist unser Hund nur leicht von der Linie abgekommen und möchten wir ihn gar nicht erst weiter laufen lassen, sondern bereits auf der Laufstrecke korrigieren, stoppen wir ihn und schicken ihn zurück in die gleiche Richtung. Durch die Drehung, die er bei seiner 180°Wendung macht, verschiebt er seine Laufbahn etwas nach rechts oder links, je nach dem, mit welchem Arm wir ihn ins Back geschickt haben. Für den Aufbau des Backs sind uns wiederum die Markierstäbe und anfangs auch ein Helfer von großem Nutzen. Hier sind auch wieder die Arme die entscheidenden Richtungsweiser. Möchte ich, dass der Hund seine Laufrichtung mehr nach links versetzt, hebe ich den nach oben ausgestreckten linken Arm, nach rechts dann den anderen Arm. Der Arm sollte wirklich gerade nach oben zeigen und die Finger eng aneinander liegen. Zeigt der Arm mehr nach vorne und sind die Finger gespreizt, haben wir auf größeren Distanzen wieder ein Problem mit der Sichtbarkeit.

Suchenpfiff

Dieser Pfiff ist ein Signal, das dem Hund sagt „Du bist im Bereich des Dummys angekommen, nutze Deine Nase in einem engen Suchenbereich bis Du es gefunden hast. Suche ganz genau und arbeite die kleinste Witterung aus.“ Dieser Pfiff ist für den Hund ein Versprechen, dass er das Dummy bald hat und deshalb entsprechend beliebt bei Hund und Hundeführer. Können wir den Suchenpfiff geben, haben wir unseren Hund durchs Gelände zum Dummy führen können und ab jetzt ist es Aufgabe des Hundes, es reinzubringen. Praktischerweise hat der Suchenpfiff eine leicht zu pfeifende, sich immer wiederholende Melodie, die einem spontan über die Lippen geht. Wichtig ist, dass der Hund von Anfang an lernt, mit diesem Pfiff einen kleinen Suchenbereich zu verknüpfen (ca. 4qm) und auch, dass er manchmal kämpfen muss, um an das Dummy heranzukommen. Dafür nutzen wir im Training kleine Pocketdummys, die wenig Geruch abgeben und verstecken sie zudem noch unter Laub, Erde, zwischen Zweigen, etc. Zu Beginn der Ausbildung darf der Hund beim Verstecken zuschauen, damit er den Suchenbereich kennt und nicht großflächig anfängt zu suchen, er sollte aber wirklich suchen müssen. Was man beim Training des Suchenpfiffes auch noch beachten sollte ist, dass Hunde von der Laufrichtung her, gerne auf ihren Menschen zu suchen. Da das Dummy aber in vielen Fällen hinter oder neben ihm liegt (sonst wäre er ja während des Voranlaufens schon drübergelaufen), trainieren wir von Anfang an, dass der Hund bei Beginn des Suchenpfiffes nach hinten weg sucht und erst danach die anderen Richtungen um sich herum (siehe Video). Ob der Hund den Suchenpfiff nach einigen Wiederholungen (in verschiedenen Trainingseinheiten) mit sofortigem engen Suchen um sich herum verknüpft hat, kann man testen, indem man unbemerkt Pocketdummys in einer kleinen Hecke, einem Laubhaufen, etc. versteckt hat und dann erst der Hund dazukommt und den Suchenpfiff zum Suchen erhält.

Rückruf-Pfiff

Manchmal müssen wir unseren Hund im Laufe des Einweisens wieder ein Stück heranholen. Entweder ist er über das Dummy hinausgeschossen, ohne von ihm Witterung zu bekommen oder das Gelände oder unsere Stellung zum Hund erlaubt kein sinnvolles Einweisen mittels Rechts/Links/Back. Auch, wenn mehrere Dummys an dem Ort liegen, zu dem wir ihn schicken, und die Tauschgefahr groß ist (der Hund soll auf jeden Fall das Dummy bringen, das er als erstes aufgenommen hat!) oder der Hund nach Aufnahme des Dummys durch Verleitungen oder gar Wildspuren, etc. abgelenkt ist, können wir ihn mit dem Rückruf-Pfiff auffordern, so schnell wie möglich mit Dummy zu uns zu kommen. Das Training des Rückrufs mit Pfeife gehört im Prinzip zur Basisausbildung und soll hier nicht extra erläutert werden. Was man beim Einweisen allerdings beachten muss, ist, dass der Hund nicht immer bis zu uns herankommen soll (zumindest, solange er das Dummy noch nicht hat), sondern auch damit rechnen muss, auf halben Wege gestoppt und in eine andere Richtung geschickt oder zum Suchen aufgefordert zu werden.

Wie man sieht, gibt es für den Hund sehr viel zu lernen und auseinander zu halten, was ohne regelmäßiges, sinnvoll aufgebautes Training und später durchdachtes Kombinieren der einzelnen Elemente nicht möglich ist. Es zahlt sich aus, Zeit zu investieren und immer wieder zu überprüfen, ob der Hund wirklich versteht, was er tun soll und dennoch alles so lebendig und interessant zu gestalten, dass sich weder Mensch noch Hund langweilen. Viel Spaß beim Training! 🙂

Über den Autor

Anne
Anne
Anne ist zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensberaterin IHK/BHV und Prüferin für Dummyprüfungen und Blind Dates des BHV. Im Hundetraining ist sie hauptsächlich im Dummybereich aktiv und führt privat vor allem Spaniel und Spaniel-Mixe. Beruflich ist sie als Welpen- und Junghundetrainerin in einer großen Hundeschule angestellt. Ihre eigene auf Dummyarbeit spezialisierte Hundeschule befindet sich im Aufbau.

Anne

Anne ist zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensberaterin IHK/BHV und Prüferin für Dummyprüfungen und Blind Dates des BHV. Im Hundetraining ist sie hauptsächlich im Dummybereich aktiv und führt privat vor allem Spaniel und Spaniel-Mixe. Beruflich ist sie als Welpen- und Junghundetrainerin in einer großen Hundeschule angestellt. Ihre eigene auf Dummyarbeit spezialisierte Hundeschule befindet sich im Aufbau.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.