Wenn weder Hund noch Hundeführer wissen, wo sich die Dummys in einem bestimmten Geländeabschnitt befinden, wird der Hund in eine selbständige große Suche geschickt, während der Hundeführer an der sogenannten Grundlinie des Suchengebiets stehen bleibt. Der Hund ist hier auf sich gestellt und soll allein durch den Einsatz seiner Nase und durch sinnvolles Nutzen des Windes die Dummys finden und apportieren. Viele Hunde lieben diese freie selbstbestimmte Art zu arbeiten und zeigen eine hohe Ausdauer und großen „Findewillen“ beim Suchen, was in schwierigem Gelände auch durchaus von Nöten ist. Der Mensch muss darauf vertrauen, dass sein Hund weiß, was er tut, denn helfen kann und sollte er hier nicht. Seine hauptsächliche Aufgabe besteht darin, den Hund unter Berücksichtigung der Windverhältnisse im Suchengebiet zu halten und zu beobachten, ob dieser auch wirklich überall gründlich gesucht hat. Ein gut überlegtes Aufbautraining stellt sicher, dass der Hund genau weiß, was er tun soll und welche Hilfen ihm zur Verfügung stehen (z.B. Wind, eigenes Suchenmuster) und sorgt beim Hundeführer dafür, dass er loslassen und vertrauen kann.

Freiverlorensuche – Darauf ist zu achten

Im Vergleich zum Einweisen und Markieren, benötigt der Aufbau der Freiverlorenensuche viel weniger Zeit, aber dennoch sind einige wichtige Punkte zu beachten:

  • Da der Hund die Dummys mit der Nase finden soll, wird ausschließlich mit grünen, orangefarbenen, roten und olivfarbenen Dummys gearbeitet. So verhindert man, dass er mit den Augen nach den Dummys sucht, anstatt hauptsächlich die Nase einzusetzen. Später in der Ausbildung (wenn er bereits genau weiß, was er tun soll) und in sehr dichtem Bewuchs (z.B. Schilf) kann man auch mal andersfarbige Dummys einsetzen.
  • Hat der Hund zu Beginn des Trainings schnell Erfolg, verhindert das unnötigen Frust und die Gefahr, dass der Hund sich hilfesuchend an den Menschen wendet oder die Suche ganz aufgibt. Daher arbeiten wir anfangs mit GEGENwind und in einem nicht zu großen Gelände, durch das der Wind auch „durchwehen“ kann.
  • Der Helfer sollte die Dummys von AUSSEN in das Suchengebiet werfen (vom Hund unbemerkt), damit der Hund nicht lernt, dass er auf der Spur des Helfers, der durchs Gebiet gelaufen ist, zum Ziel kommt. Eine Ausnahme ist hier nur der erste Schritt beim Aufbau, bei dem der Hund erst einmal das Startsignal verknüpfen soll. Dafür muss er ja sehen, dass ein Helfer etwas versteckt und dieser kann dann das Dummy nicht von sich wegwerfen.
  • Da der Hund das gesamte Suchengebiet gleichmäßig absuchen soll, muss er im Training immer wieder vorne, hinten, an den Außenkanten des Gebietes und mittig gelegene Dummys finden. Man sollte sie also abwechslungsreich verteilen und darauf achten, dass man die Vorlieben, die der Hund vielleicht entwickelt, ausgleicht. Löst der Hund sich, z.B. nicht gerne vom Hundeführer und sucht am liebsten nah bei ihm, versteckt man die Dummys erst einmal weiter hinten im Gebiet. Schießt der Hund immer gleich nach hinten durch und vernachlässigt den vorderen Teil, liegen die Dummys in den nächsten Übungssequenzen eher weiter vorne, usw.
  • Die Aufgabe sollte vom Schwierigkeitsgrad so gestellt sein, dass der Hund selbst zum Erfolg kommen kann. Sollte er aber dennoch nach Hilfe „fragen“, halten wir uns zurück und schauen höchstens suchend ins Gebiet und gehen vielleicht ein paar Schritte mit hinein, wenn es nötig ist, aber mit dem Hund sollte so wenig wie möglich kommuniziert werden.
  • Sobald der Hund das Startsignal für die große Suche verknüpft hat und motiviert sucht, sollte er alle Windrichtungen kennenlernen. Kommt der Wind von der Seite, wird der Geruch der Dummys (vermutlich) auch zur Seite abgetrieben und der Hund muss über die Grenze des Suchengebietes, zu der der Wind hinweht, hinauslaufen, um von Dummys, die an dieser Seite außen liegen, Witterung bekommen zu können. Wenn man nun seinen Startpunkt auf der Grundlinie nicht mittig, sondern ein Stück in Windrichtung versetzt, macht man es dem Hund leichter, alle Dummys finden zu können. Bei Rückenwind muss man bei der Auslage der Dummys darauf achten, dass der Hund nach hinten über das Suchengebiet hinauslaufen muss, um die hinten gelegenen Dummys auszuarbeiten. Das alles ist reine Erfahrungssache für den Hund und diese sollte er durch immer neue Herausforderungen sammeln dürfen.
  • Die Dummys können auch gerne einmal im Geäst hängen (so, dass der Hund selbständig an es rankommen kann) oder in einem Erdloch oder unter Laub versteckt werden. Das fördert das ausdauernde Ausarbeiten der Witterung, auch wenn es mal schwierig ist und er nicht sofort findet, obwohl es dort nach Dummy riecht. Dafür sollte der Hund aber genug Selbstvertrauen und Erfahrung mit am Boden liegenden Dummys haben.
  • Das Suchengebiet befindet sich immer VOR dem Hundeführer. Läuft der Hund hinter ihn ins Gelände, muss er zurückgeholt und möglichst flüssig wieder ins Gebiet vor sich geschickt werden.
  • Dichter Bewuchs, vor allem dichte grüne Wiese oder langes Totgras verschluckt die Dummys regelrecht! Es bildet sich an der Fallstelle ein Geruchspool und es wird kaum Witterung an die umliegende Umgebung abgegeben, so dass der Hund fast punktgenau darauf stoßen muss. So ein schweres Gelände kann bei Hunden, die noch am Anfang stehen, zu viel Frust führen. Ein Wald mit Bäumen und Büschen oder eine lichtere halbhohe Wiese sind anfangs besser geeignet.
  • Nirgendwo in der Dummyarbeit ist die Verlockung von Wildspuren und weiteren Ablenkungen so groß wie in der Freiverlorensuche. Innerhalb des Suchengebiets kann der Hund frei entscheiden, wohin er läuft und das Risiko, dass er auf interessante Fährten, Mäuselöcher, etc. trifft, ist natürlich durch das intensive Absuchen des Geländes viel größer, als beim Einweisen und Markieren. Genaues Beobachten des Hundes lässt uns als Hundeführer sehen lernen, wann unser Hund gerade “privat” unterwegs ist. Gerade, wenn die Hunde später in sehr dichtem, schlecht einzusehendem Gelände auch außer Sicht arbeiten, sollte der Auftrag für den Hund absolut klar sein. Und umso hochwertiger das Finden und Apportieren des Dummys für ihn ist, umso weniger leicht lässt er sich von seinem Job ablenken.

Aufbau/Erste Schritte

Wie bekommt man den Hund aber nun dazu, selbständig und ausdauernd ein Gebiet abzusuchen? Hier ist uns ein Helfer von großem Nutzen! …nicht nur für den Hund, sondern besonders auch für uns als Hundeführer. Legen wir die Dummys nämlich selbst aus, wissen wir ja, wo sie liegen und sind versucht, den Hunden körpersprachliche Hinweise zu geben, durchaus ganz unbewußt. 😉

Zu Beginn nutzen wir ein kleineres, übersichtliches Gebiet, das schnellen Suchenerfolg ermöglicht. Mit Babypuder kann man leicht den Wind prüfen, um die Grundlinie zu bestimmen. Wir schicken den Hund anfangs immer mit Gegenwind ins Gebiet. So kann er schnell Witterung vom Dummy bekommen, sobald er in das Gebiet hineinläuft. Bis auf das Startsignal benötigt der Hundeführer keine weiteren Signale (auch keinen Suchenpfiff!). Nur, wenn der Hund das Suchengebiet verläßt, ist ein Rückruf- oder Umkehrpfiff sinnvoll.

Wir stehen nun also mit unserem Hund an der Grundlinie. Wir schicken einen Helfer los, der für den Hund sichtbar mit Dummys ausgestattet ist und der AUSSEN um das Suchengebiet herumläuft. Er kann ein paar Geräusche machen und immer wieder so tun, als verstecke er Dummys. Irgendwann zwischendurch, versteckt er dann wirklich eines. Ist er einmal herum gelaufen und wieder beim Team angekommen, wird beim neben uns sitzenden Hund durch zugeflüsterte Worte etwas Spannung aufgebaut (wenn nicht schon vorhanden). Dann zeigt der Hundeführer mit einem Arm durch eine halbkreisförmige Bewegung das Suchengebiet an und schickt den Hund mit einem selbstgewählten Wort und einer schnellen Handbewegung nach vorne los. Danach sind wir absolut still und stören den Hund nicht durch Bewegungen oder Worte bei seiner Suche. Ab hier muss er seine Erfahrung selbst machen und die Hunde verhalten sich ganz unterschiedlich. Manche sind zaghaft und suchen ganz langsam, andere schießen los und sind ganz flink. Alles ist okay, solange man den Eindruck hat, dass er das Dummy sucht. Hat er es gefunden, dürfen wir unseren Stolz natürlich in jeder dem Hund angenehmen Art und Weise ausdrücken. 🙂

Im zweiten Schritt versteckt der Helfer auf die gleiche Art und Weise wie vorher, aber diesmal zwei Dummys. Das erste Dummy sucht der Hund wie vorher durch die Motivation, die der Helfer in ihm auslöst. Wenn wir ihn (nach dem Apport des ersten Dummys) das zweite Mal losschicken, muss er uns vertrauen, dass da noch eines zu finden ist, denn nun wird er nicht mehr durch die Aktion des Helfers animiert. Manche Hunde tun sich hier anfangs schwer (das Startsignal ist auch noch nicht richtig verknüpft) und man muss ihnen etwas helfen, indem man selbst ein Stück ins Gebiet läuft und offensichtlich nach dem Dummy Ausschau hält bis der Hund selbst anfängt, zu suchen. Da das Gebiet noch recht klein ist, findet der Hund es dann doch recht schnell und die Begeisterung, dass er den Job schon fast alleine erledigt hat, sollte nicht zu schwach ausfallen. Nun wird das Gebiet vergrößert und man bringt Abwechslung in die Vegetation. Auch sollte der Hund nicht jedes Mal gleich viele Dummys suchen „müssen“, sondern hier von Anfang an flexibel gehalten werden.

Der Helfer sollte nach erfolgreichen Trainingsschritten jedes Mal ein bisschen unauffälliger werden. Der Hund sieht, z.B. den Helfer mit Dummys und geheimnisvollem Ausdruck in den Wald hineingehen, aber nicht mehr, wie er sie versteckt. Oder die Dummys werden bereits vorher, ohne Beisein des Hundes (!) in das Gelände geworfen und der Helfer läuft dann kurz bevor der Hund geschickt wird, als Hilfe nun nur noch ein Mal um das Gebiet herum. Man kann auch einen Helfer im Wald verstecken und ihn Dummys werfen lassen, die der Hund aber nur hören kann. Meist sind die Hunde recht schnell bereit, ihr Glück zu versuchen, auch wenn sie den Helfer vorher nicht gesehen haben und dann hat man es schon: der Hund sucht allein auf das Startsignal hin selbstständig das Gebiet vor dem Hundeführer ab. Nun macht man ihn mit möglichst vielen Eventualitäten vertraut: alle möglichen Windrichtungen, wenig Wind, starker Wind, Regen, sämtliche Bewuchsmöglichkeiten, gerne auch mal schwierigere Vegetation, wo sich der Hund tatsächlich etwas durchkämpfen muss, etc… Hunde lieben hier Herausforderungen und man hat viele Möglichkeiten, das Training interessant zu gestalten.

Den meisten Hunden macht die große Suche sehr viel Spaß und es dauert oft gar nicht lang, da kann man schon über tolle Leistungen staunen!

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Training! 🙂

Über den Autor

Anne
Anne
Anne ist zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensberaterin IHK/BHV und Prüferin für Dummyprüfungen und Blind Dates des BHV. Im Hundetraining ist sie hauptsächlich im Dummybereich aktiv und führt privat vor allem Spaniel und Spaniel-Mixe. Beruflich ist sie als Welpen- und Junghundetrainerin in einer großen Hundeschule angestellt. Ihre eigene auf Dummyarbeit spezialisierte Hundeschule befindet sich im Aufbau.
Kategorien: Dummy

Anne

Anne ist zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensberaterin IHK/BHV und Prüferin für Dummyprüfungen und Blind Dates des BHV. Im Hundetraining ist sie hauptsächlich im Dummybereich aktiv und führt privat vor allem Spaniel und Spaniel-Mixe. Beruflich ist sie als Welpen- und Junghundetrainerin in einer großen Hundeschule angestellt. Ihre eigene auf Dummyarbeit spezialisierte Hundeschule befindet sich im Aufbau.

3 Kommentare

Merit · 4. Juli 2018 um 12:28

Vielen Dank für die tolle Artikelreihe 😀 eine Frage beschäftigt mich schon etwas länger: Nach welchem Geruch gehen die Hunde, wenn sie die Dummys suchen? Es können ja völlig fremde Dummys sein, die von einem selbst oder von anderen Menschen angefasst werden.

    Anne Bezdicek · 4. Juli 2018 um 13:45

    Hallo Merit, vielen Dank für Dein positives Feedback. 🙂 Die Frage, die Du hast, haben wir uns wohl alle schon öfter gestellt. Es ist schon erstaunlich, was die Hunde da schaffen. Eine wissenschaftlich fundierte Antwort gibt es, meines Wissens nach leider nicht, so dass man nur vermuten kann. Ich denke, dass es anfangs von Hund zu Hund unterschiedlich sein kann, woran er sich geruchlich orientiert und er erst verschiedene Erfahrungen (mit vielen fremden Dummys) sammeln muss, um DEN ultimativen “Dummygeruch” zu diskriminieren. Der menschliche Geruch spielt ganz sicher eine Rolle und auch das Material und die Füllung. Sie lernen über die Zeit, dass es kein ganz spezieller menschlicher Geruch sein muss, und dass das Dummy viele unterschiedliche Gerüche haben kann (je nach dem, ob nass oder trocken ist, in welcher Tasche es steckte, wo es vorher gelegen hat, etc.). Allen Dummys wird trotzdem etwas gemeinsam sein, so dass sie vom Hund eindeutig als Dummy erkannt werden können. Andere Dummys (z.B. DeadFowl Enten, etc.), die man ihnen dann im Laufe des Training zeigt, kommen für die Hunde in ihrer Liste von “sich lohnenden Apportiergegenständen” hinzu, so dass sie auch auf diese mit Interesse reagieren. Wir werden die Geruchswelt der Hunde vermutlich nie ganz nachvollziehen können, da sie für uns unvorstellbar ist. Aber, was man mit Sicherheit sagen kann, ist dass die Hunde verschiedene Lernerfahrungen brauchen, um wirklich jedes Dummy als Dummy zu erkennen.

      Merit · 5. Juli 2018 um 13:43

      Vielen Dank für deine ausführliche Antwort 🙂

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