Die Hitzewelle hat uns eingeholt und jedes Jahr gibt es das gleiche Thema in meinem Bereich der Arbeit: Bis zu welchen Temperaturen trailst du deinen Hund? Das hat mich dazu gebracht, einmal das Gesundheitsthema aufzugreifen, denn im Sommer ist es die Hitze, im Winter die Kälte – und dazwischen gibt es auch einiges, was man beachten sollte.

Ich bin Freund davon, zu vielen Themen an den gesunden Menschenverstand zu appelieren. Jedoch scheint das nicht mehr so ohne weiteres möglich zu sein. Man findet im Sommer beide Extreme: die einen, die sagen, die Hunde müssten auch bei 30 Grad im Schatten zwei Kilometer trailen können und die, die schon bei 25 Grad Schnappatmung kriegen und sich am liebsten im Keller verkriechen. Immer zu differenzieren ist: Ist es der Mensch oder der Hund, der dieses Bedürfnis gerade hat?

Ich persönlich mache durchaus einen Unterschied, ob das Team Mantrailing als Hobby betreibt oder ob es auf die Einsatzreife hinarbeitet bzw. diese hat. Der Hobbytrailer, welcher einmal die Woche arbeitet und bei dem nicht besonders Augenmerk auf sportliche Fitness gelegt wird, kann schon mal an Grenzen kommen, sobald es etwas wärmer wird. Wir müssen bedenken, dass der Hund beim Suchen im wahrsten Sinne des Wortes heiß läuft. Die Körpertemperatur erhöht sich. Wenn der Hund seine Nase gebraucht, wird er wenig oder gar nicht hecheln, da dies die Riechleistung beeinflusst. Wenn ich dann noch einen hochmotivierten Hund einer Rasse habe, die die Arbeit obenan stellt, MUSS ich verdammt gut auf mein Tier achten, denn es wird unter Umständen immer weiter suchen, ohne Rücksicht auf sich selbst.

Meiner Meinung nach muss man einen Hund, der Mantrailing als Hobby macht, nicht bei irre heißen Temperaturen durch jede Gegend schicken. Gerne wechsle ich in den Wald oder zu anderen schattigen Plätzen, wo die Temperaturen deutlich kühler sind. Oftmals nutze ich die Gelegenheit und übe Wasserquerungen. Bitte bedenkt immer, dass asphaltierte Flächen sich enorm aufheizen, wenn die Sonne draufsteht. Die Trails können ebenso eine entsprechende Länge haben. Ein kurzer Trail mit einer knackigen Aufgabe drin, eine Übung zur Differenzierung, ein Verleitungstraining. Es gibt so viele Möglichkeiten und jeder, der Mantrailing ehrlich betreibt, weiß: Es kommt nicht auf die Länge an. DAS kann ich auch bei kühleren Temperaturen üben. Bei über 30 Grad ist bei mir im Hobbybereich definitiv Schluß – da haben die Teams hitzefrei 🙂

Bei Hunden, die auf eine Einsatzreife vorbereitet werden, sehe ich das etwas differenzierter. Da der Geruch sich bei heißen Temperaturen durchaus anders verhält, finde ich es wichtig, dass die Hunde dies auch kennenlernen. Etwas kennenzulernen und zu lernen, es zu arbeiten, heißt aber nicht, dass ich meinen Hund kilometerweit in der prallen Sonne auf einen Trail schicke. Auch im Einsatz mag ich entscheiden, dass ich meinen Hund jetzt nicht bei 34 Grad auf den Asphalt schicke. Auch hier gilt: kurze Sachen haben ebenfalls einen Lerneffekt. Ich muss meinen Hund nicht – im wahrsten Sinne des Wortes – verheizen. Jedes Team sollte seinen aktuellen Gesundheitszustand kennen und ein Einsatzhund muss körperlich fit sein. Ja, vielleicht bringe ich ihn auch mal an Grenzen. Aber ich muss gesunden Menschenverstand gebrauchen. Es ist keine Schande zu sagen, dass jetzt bitte der nächste Hund die Suche fortsetzt.

Ein anderes Thema, auf das ich kurz eingehen möchte und dass meiner Meinung nach viel zu häufig vernachlässigt wird, ist eine regelmäßige Überprüfung des Hundes durch einen Physiotherapeuten und auch die Arbeitskleidung des Hundes. Es ist mir teilweise ein Graus, wie viele schlecht sitzende Geschirre ich auf Fotos von Mantrailern sehe. Ganz bestimmt kann man über einige Punkte diskutieren. So gehen z.B. die Meinungen auseinander, wo der ideale Zugpunkt beim Geschirr liegt. Was für mich aber noch viel schlimmer ist, sind Geschirre, in denen der Hund überhaupt keine Bewegungsfreiheit im Schulterbereich hat oder komplett eingeschnürt wird, sobald er die Nase nach unten nimmt. Einigen Hunden ist es so unangenehm, die Nase auf den Boden zu nehmen, weil das Geschirr dann durch einen ungünstigen Gurt, der quer über die Brust geht, auf den Halsbereich drückt, dass sie es lieber lassen. Schlecht, wenn ich einen Sport betreibe, indem die Nase das Kernstück ist.

Der Mantrailer arbeitet extrem über den vorderen Bereich des Körpers und gräbt häufig mit den Vorderbeinen. Wenn diese dann durch einen Quergurt über die Schulterpartie eingeschränkt sind, ist der gestörte Bewegungsablauf vorprogrammiert. Dies führt zu Blockaden, Schmerzen und sicherlich nicht zu mehr Freude an der Arbeit. Die Schulterpartie muss frei sein, der Hund muss sich bewegen können ohne gestört zu werden.

Übrigens: Wenn der Hund beim Anblick vom Geschirr schon wegläuft, überprüft einmal den Sitz dessen und lasst vielleicht mal einen Physiotherapeuten draufschauen, ob es für diesen Zweck ideal ist.

Wo wir beim Thema Physiotherapie sind: Ich finde es unerlässlich, bei einem Hund, der trailt, regelmäßig einen erfahrenen (Sport-) Physiotherapeuten draufschauen zu lassen. Bei einem Einsatzhund, der mehrmals wöchentlich trainiert, ist es noch wichtiger. Unsere Hunde stemmen sich so oft in das Geschirr, wir halten sie zurück, sie arbeiten gegen uns mit ihrer Kraft. Der Trailer arbeitet oftmals stark über die Vorhand, hinten “kommt irgendwie mit” und dadurch entstehen im hinteren Bereich durchaus Blockaden, ein Beckenschiefstand usw. Auch ist ein Koordinationstraining für die Hinterhand eine gute Idee, denn diese vernachlässigen die Trail-Hunde und haben dort Defizite. Euer Physiotherapeut des Vertrauens gibt euch sicherlich gern wertvolle Tipps.

Wir haben die Verantwortung für unsere Hunde. Wenn man sie fragen würde, würden sie sich sicherlich nicht aussuchen an einem Geschirr mit Leine zu laufen und uns auf die Jagd mitzunehmen. Mantrailing ist toll, aber macht euch immer bewusst, welch körperliche Belastung dies für einen Hund sein kann.

Übrigens: Zum Thema Aufwärmen (nicht nur im Winter) findet ihr hier sechs einfache Übungen: https://www.facebook.com/notes/find-your-man/6-aufwärmübungen-für-mantrailer/1987103904638560/

Über den Autor

Jenny
Jenny
Jenny Wehage ist Inhaberin der Hundeschule "Find your man!" in Kalletal, OWL. Dort widmet sie sich in erster Linie dem Mantrailing und der Scent detection Arbeit und arbeitet mit vielen Hunden unterschiedlichster Rassen.
Sie hat mit vielen Instruktoren im In - und Ausland gearbeitet, u.a. John Salem, Jeff Schettler, Glenn David Poole und Monique van Weeren.
Für sie hat ein ehrliches Mantrailing Priorität und dabei achtet sie sehr auf individuelle Bedürfnisse des Teams. In ihrer Hundeschule arbeitet sie mit engagierten Teams und gibt Seminare im In- und Ausland. Sie selbst führt einen Hannoverschen Schweißhund in ihrer Staffel "Mantrailer OWL".

Jenny

Jenny Wehage ist Inhaberin der Hundeschule "Find your man!" in Kalletal, OWL. Dort widmet sie sich in erster Linie dem Mantrailing und der Scent detection Arbeit und arbeitet mit vielen Hunden unterschiedlichster Rassen. Sie hat mit vielen Instruktoren im In - und Ausland gearbeitet, u.a. John Salem, Jeff Schettler, Glenn David Poole und Monique van Weeren. Für sie hat ein ehrliches Mantrailing Priorität und dabei achtet sie sehr auf individuelle Bedürfnisse des Teams. In ihrer Hundeschule arbeitet sie mit engagierten Teams und gibt Seminare im In- und Ausland. Sie selbst führt einen Hannoverschen Schweißhund in ihrer Staffel "Mantrailer OWL".

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