Dogdancing und Dogfrisbee – zwei Sportarten in denen die Hundesportler ihre Küren selbst zusammenstellen

Der aktuelle “November – Blog” von Björn Tigges zum Thema Anfängerklassen hat mich spontan zu meinem Thema für den Dezember geführt. Wie immer steht für mich der gesundheitliche Aspekt im Vordergrund und ebenfalls wie immer wünsche ich mir Leser, die über das Gelesene nachdenken und sich eine eigene Meinung bilden. Das macht das Bloggen so interessant 😉

Für diesen Monat habe ich mir beispielhaft zwei Sportarten herausgesucht, in denen die Hundesportler selber entscheiden können, was gezeigt wird und was nicht. Die leichten Abweichungen in den Regelwerken zu diesem Thema ignoriere ich tatsächlich an dieser Stelle ganz bewusst und auch die Unterschiede in den Fun – bzw. Anfänger – und Fortgeschrittenenklassen. Beide Sportarten ermöglichen, eine Kür zusammenzustellen und diese mit eigenen, auch mehr oder weniger kreativen Tricks und Elementen zu füllen.

Ich mag diese Freiheit

Ich mag es, wenn man mir als Hundesportler von Anfang an die Freiheit lässt, die Verantwortung für mich und meinen Hund selber zu übernehmen. Denn das ist es doch, oder?

Dogdancer und Discdogger haben die Freiheit, in ihren Küren so verantwortungsvoll wie möglich mit ihrem Hund umzugehen! Ja, das ein oder andere Regelwerk stellt zwar ein paar Wünsche, was die Elemente, die gezeigt werden sollen betrifft, aber das wollte ich ja ignorieren …

 

Niemand schreibt konkret vor, was das Mensch- und Hund-Team denn nun in der ihnen zur Verfügung gestellten Zeit den Zuschauern und Richtern zeigen soll und wenn man es genau nimm: Ja, ein paar ethische und moralische Grenzen setzen die Erwartungshaltungen der Zuschauer sicherlich, aber darüber hinaus werden eigentlich auch keine echten Verbote ausgesprochen, oder täusche ich mich? Erlaubt ist, was gut geht und dem Hund nicht schadet…klingt gut!

 

 

Ach ja, auch wenn ich mich wiederhole: Und da ich selber auswählen darf, entscheide ich ja selbst, welches Risiko ich eingehen mag und welche Grenzen ich mir und meinem Hund selber setze.

DogDancer versus Disdogger

Nun kann ich mir gut vorstellen, dass die beiden betroffenen Hundesportler in Gedanken anfangen Vergleiche zu ziehen, wo denn nun die Gefahren für ihren Hund im Sport liegen bzw. wo es wichtiger ist, besonnen und verantwortungsvoller zu entscheiden und zu trainieren.

 

Is ja eigentlich logisch, oder? Im Dogfrisbee natürlich – hier werden doch die ganzen gefährlichen Sprünge gezeigt und das Tempo ist auch um ein Vielfaches höher als beim Dogdancing.

 

 

Und wenn man da mal in die sogenannten Anfängerklassen schaut – Wow – unglaublich, was die Hunde da schon alles zeigen können! Und erst die jungen Nachwuchshunde erfahrener Spieler, die mit Beginn der Starterlaubnis schon ware “Überflieger” (im wahrsten Sinne des Wortes) sind. Keine Frage – hier ist Verantwortung gefragt – eindeutig!

Dogdancing dagegen: hier gibt es doch viel weniger Sprünge, oder? Und wenn, sind die ja auch mehr zum Spass, der Hund muss dabei schließlich auch keine Scheibe fangen. Und in der FunKlasse sind sogar Leckerchen auf dem Feld erlaubt, richtig? Das macht das ganze doch gleich viel harmloser…

FALSCH – so einfach geht das nicht …

Mit der Freiheit, die Küren selber zusammen zu stellen, haben die Hundesportler beider Sportarten die volle Entscheidungsmacht, nur Dinge zu zeigen, die ihr Hund sicher beherrscht, die kein unnötiges Gesundheitsrisiko darstellen und die vor allem dem Trainings- und Leistungsstand des Hundes entsprechen. Und dabei ist es völlig egal, welche Sportart mehr Sprünge hat oder von der landläufigen Meinung deswegen gerne als gefährlicher eingestuft wird. Fakt ist, auch im Dogdancing sehe ich eine Menge Elemente, bei der mir jeglicher Zusammenhang zwischen der Gesunderhaltung des Hundes und der sportlichen Ausführung fehlt.

 

Ja, ihr mögt recht haben und das denke ich auch, wenn der Hund aus 2,5 m Höhe aus der Luft stürzt, weil er den Sprung noch nicht sicher beherrscht, ist das ganz sicher verantwortungslos, diesen Sprung in einer frei zusammengestellten Kür zu zeigen, aber ich finde es nicht weniger verantwortungslos, einen jungen Hund im Männchen eine Vielzahl von Sprüngen auf der Hinterhand zeigen zu lassen, obwohl dies definitiv schädlich für ihn ist oder einen Hund Runde um Runde rückwärts rennen zu lassen und nicht wahrnehmen zu wollen, dass er sich dabei in einer so ungesunden Körperhaltung befindet, dass auch diese auf Dauer zu gesundheitlichen Problemen führt.

Wenn die Freiheit da ist, warum wird sie nicht immer zum Wohle des Hundes genutzt?

Eine meiner Lieblingsfragen, was wäre die Welt einfach, wenn die pauschal zu beantworten wäre…

Ich glaube tatsächlich, dass wir es auf den Turnierfeldern mit einer bunten Mischung an Antworten auf diese Frage zu tun haben. Manchen Hundesportlern fehlt einfach die richtige Wahrnehmung für das, was sie tun und zeigen. Sie glauben wirklich, dass sie sich die besten und passendsten Elemente für ihren Hund ausgesucht haben. Wieder anderen gelingt ihre Kür unter Turnierbedingungen nicht so sicher wie im Training und vielleicht sind sie selbst erschrocken, welches Risiko sie eingegangen sind, dass ein oder andere Element zu früh mit in ihre Kür eingebaut zu haben.

Wir dürfen an dieser Stelle ja auch nicht vergessen, dass wir immer nur einen Ausschnitt des gesamten Trainings mit dem Hund sehen und auch nur eine Momentaufnahme, die vielleicht noch nicht mal repräsentativ ist.

Dann haben wir noch die “die anderen zeigen das aber auch”-Argumentationen und ebenfalls sehr gerne genommen “die Richter möchten das doch sehen”, “zu Hause klappt das aber schon” und es “gibt dafür halt mehr Punkte”-Menschen. Soweit zu der Freiheit und zur eigenen Verantwortung, wenn man durch so simple Dinge wie “Punkte”, “Richtermeinungen” und “andere Sportler” so sehr beeinflusst wird, das man Dinge mit dem eigenen Hund zeigt, die eigentlich nicht gut für ihn sind.

Die Lösung für das Dilemma der eigenen Verantwortung

Stellen wir nun also in bestimmten Bereichen fest, das nicht alle Hundesportler tatsächlich in der Lage sind, verantswortungsvoll mit der eigenen Freiheit umzugehen, gibt es doch eine einfache Lösung für das Dilemma:

Es müssen Verbote eingeführt werden! Erst wenn das Regelwerk genau vorgibt, was mit welchem Hund und in welcher Klasse gezeigt werden darf, werden die Küren so zusammengestellt, dass diese nicht schädlich für den Hund sind und diese den Hund auch nicht überfordern, richtig?

Ein Beispiel:

Das “Rückwärtsgehen ist eine schwierige Übung, also verbieten wir das bei den Anfängern. Sprünge sind gefährlich, also verbieten wir die auch bei den Anfängern. Männchen können die meisten Hunde erst sicher, wenn sie älter sind als 1 1/2, also verboten. Je weiter die Scheibe fliegt, desto höher die Gefahr, dass ein junger Hund die nicht sicher fangen kann, begrenzen wir doch einfach die Entfernungen. Ein Dogcatch ist eine Fortgeschrittenen-Übung – raus damit aus den Anfängerklassen…usw.

Gezeigt werden dürfen aber zum Beispiel einfache Tricks wie das Hinhocken (dabei muss der Hund ja nicht auf den Hinterbeinen stehen) oder simple “Over” (da springt der Hund ja nicht zusätzlich noch vom Körper ab, also ungefährlicher, oder?)

Ich sehe das anders…

Leider muss ich hier ehrlich sagen, dass ich das anders sehe! Für mich sind solche Verbote keine Lösung und bestrafen die Sportler, die ihre Freiheit tatsächlich verantwortungsvoll nutzen.

Was ist, wenn ich einen Hund habe, der einen Körpersprung viel sicherer und sauberer ausführen kann als einen “Over”? Was ist, wenn mein erfahrener Hund die einfacherere “Hocke” einfach nicht gebacken bekommt, weil er sich nicht gut genug ausbalanciert bekommt, aber wirklich schon gut einige Schritte rückwärts zeigen kann?

Das Beschneiden der Entscheidungsfreiheit würde meiner Meinung nach andere Probleme bringen und ganz ehrlich – auch dann bleibt es in der Verantwortug der Hundesportler, die Kür gut und sicher zusammenzustellen.

Was ich mir statt Verbote dagegen wünsche würde, wäre mehr Aufklärung über die gesundheitlichen Risiken und Folgen – sowohl bei den Sportlern, als auch bei den Richtern. Wie sollen diese richtig entscheiden, was gut für den Hund ist und was nicht, wenn an den entscheidenden Stellen einfach das Wissen fehlt?

Versteht mich nicht falsch, es gibt immer wieder Situationen, in denen auch einem verantwortungsvollen Hundesportler im Turniergeschehen etwas so schief geht, dass man es am liebsten nicht sehen möchte – dass passiert und darum geht es auch nicht! Es geht um die Küren, die tatsächlich voll mit Tricks und Elementen sind, welche für den Hund einfach (noch) nicht passen und schlimmstenfalls nicht nur ein erhöhtes Risiko mit sich bringen, sondern tatsächlich schaden!

Mehr Aufklärung und die Möglichkeit, mit der Freiheit aufgrund des eigenen Wissens auch verantwortungsvoll umzugehen, dass fände ich mal nen guten Ansatz 😉

In diesem Sinne, denkt mal drüber nach….

 

 


Britta Reiland

Britta Reiland, geb. 01.09.1974 Sportphysiotherapeutin, Dozentin und Autorin

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