In den letzten Tagen habe ich meine Nase in das Buch Flächensuche mit Hund – Vom Freizeitspaß bis zur Vermisstensuche im Rettungseinsatz von Martina Stricker gesteckt und möchte das an dieser Stelle vorstellen.

Die Flächensuche ist nicht nur bekannt in der Rettungshundearbeit, sondern auch als Freizeitbeschäftigung und so stellt die Autorin den Aufbau der Suche für Hobby-Sucher und Einsatzteams gleichermaßen vor.

Wichtig bei dieser Beschäftigungsmöglichkeit ist natürlich das Team Mensch-Hund, die gemeinsam vermisste Personen aufspüren und so beginnt das Buch mit dem Schwerpunkt “Teambildung”. Dazu gehört besonders das Finden einer gemeinsamen Sprache, ohne die ein Suchteam im Gelände nicht erfolgreich sein kann. “Das meist negativ besetzte Wort Konsequenz hat nichts mit Druck, Gewalt und Sturheit zu tun. Mit Konsequenz schaffen Sie Klarheit, die es dem Vierbeiner überhaupt erst ermöglicht dazuzulernen.” Um diese Sprache aufzubauen, muss der Mensch zunächst verstehen, wie der Hund arbeitet und was seine Nase alles leisten kann. Desweiteren gehört die richtige Belohnungsstrategie dazu, um dem Hund zu verdeutlichen, welches Verhalten von ihm erwünscht ist und wie er zum Erfolg kommen kann. Diese gemeinsame Sprache besteht nicht nur aus eindeutigen Signalen, sondern auch aus einer klaren Körpersprache des Menschen. Hierzu gibt die Autorin einige Tipps, worauf beim Trainingsaufbau zu achten ist.

Ein weiterer wichtiger Punkt für eine erfolgreiche Suche ist das Trainingsteam. Nicht nur im Team Mensch-Hund ist der gemeinsame Nenner wichtig. Auch innerhalb der Trainingsgruppe muss die Stimmung passen. Neid, Missgunst oder die Angst, sich zu blamieren, haben bei der Flächensuche nichts zu suchen.

Nach den Grundlagen geht es an den Aufbau der eigentlichen Flächensuche. Die Autorin geht zu Beginn nochmal auf die Fähigkeiten des Hundes ein und erklärt, wie der Hund genau mit seiner Nase arbeitet und was er alles bei der Flächensuche riechen kann. Durch zahlreiche Skizzen lernt der Leser, wie sich menschliche Partikel in bestimmten Umgebungen verhalten und worauf der Mensch demnach zu achten hat, wenn er den Hund zur Suche ansetzt.
Anschließend stellt sie in einem kurzen Kapitel die möglichen Anzeigeformen mit den – aus ihren Erfahrungen gesammelten – Vor- und Nachteilen vor. Für die Autorin ist der stille Rückverweis die beste Methode, wie der Hund einen Fund anzeigen kann und so baut sie auch das anschließende Training nur mit dieser Anzeigemöglichkeit auf.

Zu Beginn wird mit dem Hund das Startritual aufgebaut, um ihm zu verdeutlichen, wann er in der Fläche suchen soll. So wird vermieden, dass der Hund in der Freizeit Menschen anzeigt oder große Kreise durch den Wald dreht. Anschließend beschreibt die Autorin durch einzelne Einheiten, wie der Hund lernt, seinem Menschen anzuzeigen, dass er eine Person gefunden hat. Zahlreiche Bilder und Skizzen ergänzen hierbei die Beschreibung des Trainings, so dass der Aufbau für den Leser leicht verständlich ist. Nach den Basics wird die Flächensuche in zehn Übungseinheiten erarbeitet: Zunächst darf der Hund seinem Opfer nachschauen und es wird nur auf kurzer Entfernung trainiert. Die Wegstrecken werden in den folgenden Trainingseinheiten verlängert, bis der Hund auch dem Opfer nicht mehr nachschauen kann. In einem anschließenden Kapitel werden weitere Trainingsvarianten kurz erläutert: Opferbilder, unterschiedliches Wetter und Tageszeiten, sowie Ablenkungen spielen eine große Rolle und sollten ebenfalls mit dem Hund geübt werden.

Da die Flächensuche immer abhängig von weiteren Trainingspartnern ist, die nicht jeder zur Verfügung hat, findet der Leser parallel zur Personensuche  auch den Aufbau einer Gegenstandssuche. Verlorene Gegenstände können Hinweise auf vermisste Personen liefern und sind somit Teil der Flächensuche. Dies macht sich die Autorin zu Nutze und stellt dem Leser die Möglichkeit vor, dem Hund beizubringen, einen Gegenstand im Gelände zu verweisen. So besteht die Möglichkeit, die Flächensuche auch ohne weitere Hilfspersonen zu üben.

Nachdem die zehn Trainingseinheiten absolviert sind, beschreibt das Buch die Praxis in realen Einsätzen. Neben der richtigen Ausrüstung gehört vor allem eine gute Planung dazu, um bei einem Einsatz sinnvoll und vor allem schnell die vermisste Person zu finden. Die Autorin stellt hierfür unterschiedliche Suchstrategien vor, die anhand von Skizzen erläutert werden.

Zum Abschluss ist es der Autorin noch einmal wichtig zu betonen, dass es sich bei dieser Beschäftigung um eine Teamarbeit geht – Respekt vor dem Partner Hund steht an erster Stelle. Ein verantwortungsvolles Vorgehen im Einsatz ist in der Flächensuche das wichtigste, um Personen in Notlagen helfen zu können.


Flächensuche mit Hund: Vom Freizeitspaß bis zur Vermisstensuche im Rettungseinsatz


Das Fachbuch Flächensuche mit Hund – Vom Freizeitspaß bis zur Vermisstensuche im Rettungseinsatz lässt sich sehr gut lesen und ist leicht verständlich. Die zahlreichen Skizzen verdeutlichen zudem die Trainingsanleitungen, so dass Einsteiger wie Fortgeschrittene mit dem Buch gut arbeiten können.

In meinen Augen ist das Buch allerdings zu einseitig und die Flächensuche zu oberflächlich beschrieben. Auf den ersten 45 Seiten geht es nur um die Beziehung zum Hund und Grundlagen, die ein Mensch-Hund-Team in meinen Augen schon verstanden haben sollte, wenn man sich für die Flächensuche interessiert. Dazu gibt es zahlreiche andere Bücher. Sie spricht von Motivation, Konsequenz und positiven Training – auf der anderen Seite liest man später den Hinweis “Wenn sich der Hund im Versteck nicht vom Opfer lösen will, … Evtl. muss der Hundeführer in festem Tonfall das Zurückkommen einfordern…” Wenn ein Hund seine Aufgabe nicht verstanden hat, dann bringt in meinen Augen auch der feste Tonfall nichts. Er zeigt lediglich, dass er noch nicht genau verstanden hat, wie seine Aufgabe aussieht und da muss der Mensch einen Schritt zurück gehen und seinen Trainingsaufbau überdenken. Aber nun zurück zum Buch.

Durch viele Abschnitte, in denen die Autorin von ihrem eigenen Hund berichtet, kommt das Buch eher einer Erzählung gleich – weniger einem Fachbuch. Desweiteren ist mir negativ aufgefallen, dass sie von allen Anzeigevarianten nur eine – den Freiverweis – für sinnvoll erachtet und so wird in dem Buch ausschließlich mit dieser Methode gearbeitet. Zwei offiziell anerkannte und allgemein angewandte Verweisarten werden kurz durch negative Äußerungen angeschnitten, was ich sehr fraglich finde. Auch äußert sie sich über Ausbildungsmethoden, die nicht für sie und ihren Hund gepasst haben, negativ. Trainingsmethoden müssen individuell gesehen werden und sollten nicht allgemein schlecht dargestellt werden, nur weil es für einen selber nicht passte.

Abschließend noch ein weiterer Gedanke: Neben der Personensuche stellt die Autorin wie bereits erwähnt auch die Gegenstandssuche für Teams, die keine Opfer zur Verfügung haben, vor. Zu Beginn erklärt die Autorin, wie sich die Geruchspartikel verhalten und wonach der Hund in ihren Augen sucht. Gleichzeitig soll bei der genannten Gegenstandsuche der Hundeführer Gegenstände im Wald auslegen, die der Hund anschließend finden soll. Als Orientierungshilfe wird empfohlen, Markierungen am Wegrand zu befestigen…
In meinen Augen lernt der Hund so nur, dem Geruch seines eigenen Menschen zu folgen und auf die Markierungen zu achten. Selbst wenn der Gegenstand aus einer anderen Richtung ausgelegt wurde, wie der Hund später zur Suche geschickt wird… Die Autorin sagt anfangs selber, dass die Hunde sich an der Anzahl der Geruchspartikel orientieren. Wie der Hund nun von der Gegenstandsuche mit Eigengeruch auf die Suche nach fremden Personen umgestellt wird, geht in dem Buch leider unter.

Mein Fazit: Auf den 160 Seiten – mit vielen großen Skizzen und Fotos – kommt das Thema Flächensuche leider zu kurz und vor allem wird die Art der Flächensuche zu einseitig beschrieben. Eine offene Einstellung zu den gesamten Ausbildungsmöglichkeiten in der Flächensuche wäre in einem Fachbuch meiner Meinung nach wünschenswert. Einsteigern und interessierten Hundehaltern bietet das Buch einen ersten Einblick in die Arbeit der Flächensuchteams. Fortgeschrittenen kann ich das Buch allerdings nicht empfehlen.

In dem Sinne: Habt Spaß mit euren Hunden!


Details zum Buch:

Martina Stricker
Flächensuche mit Hund – Vom Freizeitspaß bis zur Vermisstensuche im Rettungseinsatz

ISBN: 978-3-275-02139-0
Seitenzahl: 160
Abbildungen: 159 Farbbilder & 32 Zeichnungen
Format: 170mm x 240mm
Erschienen: 07/2018

Das Buch erhaltet ihr direkt im Verlag

Zum Buch: Spielerische Beschäftigung, spannendes Hobby oder gar Vermisstensuche im Rettungseinsatz! Die Flächensuche bietet unglaubliche Vielfalt und schafft eine enge Verbindung zwischen Mensch und Hund. Dieses Buch liefert reich bebildert und leicht verständlich Hintergrundwissen und Anleitung im stufenweisen Aufbau, sodass jeder individuell entscheiden kann, wie weit er den Schwierigkeitsgrad steigern möchte. Martina Strickers Ausbildungskonzept setzt auf Logik und Klarheit. Es trägt den gesteigerten Anforderungen unserer dicht besiedelten Umwelt Rechnung. Das vermeidet im Hobbybereich Konflikte und verbessert, speziell wichtig im Rettungshundeeinsatz, die Erfolgsquote.
Aus dem Inhalt:
Kommunikation – Der Schlüssel zum Dreamteam
Praxisteil – Step by Step-Aufbau, konkrete Hilfen bei auftretenden Schwächen
Suchstrategien – Für den Hobbyflächler: Wer findet am schnellsten? Für das Rettungsteam: Zeit kann Leben retten

Über die Autorin: Martina Stricker ist seit 2000 aktive Rettungshundeführerin und seit 2007 auch als Ausbilderin im Rettungshundewesen tätig. Mit viel Leidenschaft erforscht die Autorin mit besonders ambitionierten Hundeführern die Fähigkeiten und Arbeitsweisen von Suchhunden. Ihr Ausbildungskonzept basiert auf Naturgesetzen, intensiver Beobachtung, vielen praktischen Erfahrungen, Fortbildung und dem Austausch mit Rettungshundeführern.


Dieser Artikel enthält einen Link zu Amazon. Falls du den Artikel über diesen Link kaufen möchtest, erhalten wir von Amazon eine kleine Provision für unsere Empfehlung. So kannst du für dich selbstverständlich kostenlos unseren Blog ein wenig unterstützen.

Über den Autor

Kerstin
Kerstin
Kerstin Schubert arbeitet als selbstständige Informationsdesignerin und ist in ihrer Freizeit auf dem Hundeplatz mit ihrem Berner Wookiee im Obedience Klasse 3 unterwegs. Sie hat die hier im Shop erhältlichen Trainingstagebücher gestaltet und realisiert.
Kategorien: Buchempfehlung

Kerstin

Kerstin Schubert arbeitet als selbstständige Informationsdesignerin und ist in ihrer Freizeit auf dem Hundeplatz mit ihrem Berner Wookiee im Obedience Klasse 3 unterwegs. Sie hat die hier im Shop erhältlichen Trainingstagebücher gestaltet und realisiert.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.