Die Fitness unserer Hunde ist momentan in aller Munde und wer nicht mindestens eine Art von Fitnessequipment zuhause hat, ist nicht „in“. Das freut mich einerseits riesig, denn ich selbst habe mich ja 2012 aus der Not heraus, weil es nichts Greifbares in dieser Richtung gab, mit diesem Thema auseinandergesetzt. Dass jetzt ein Hundehalter, der sich rund um die Fitness seines Hundes weiterbilden möchte, nicht mehr so alleine dasteht, ist wunderbar!

Gleichzeitig ist es aber auch schwierig herauszufinden, welches Angebot denn zum jeweiligen Mensch-Hund-Team passt und was tatsächlich sinnig ist. Wo früher noch gähnende Leere herrschte, hat man heute die Qual der Wahl. Geht man zum Hundephysiotherapeuten, dem Spezialist für alles Körperliche oder lieber zum Hundetrainer, der mir das Trainings-Know-How vermitteln kann? Die Antwort ist so schwierig wie einfach: im Idealfall zu beiden 😉

Ich bin ein großer Fan von gemeinsamen Austausch und Interdisziplinarität. Immer wieder stellen mir Hundehalter die Frage, wo sie denn „gescheites“ Training erwarten können. Und die Antwort ist nicht immer einfach, denn sinniges Training setzt voraus, dass man die körperlichen Stärken und Schwächen des Hundes kennen sollte und ein sehr, sehr guter Trainer ist. Beides in Personalunion zu finden ist oftmals schwer und so gut ich selbst versuche zu sein, so gebe ich auch in meiner Trainerausbildung immer weiter, dass es wichtig ist, mit anderen gemeinsam zusammenzuarbeiten und sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Dabei kommt auch immer die Frage auf, ob es nicht sinnig ist, im Rahmen der Gymnastricks-Trainerausbildung die Hundephysiotherapeuten von den Hundetrainern zu trennen. Meine klare Antwort war und ist immer: „Nein“. Jeder kann so viel voneinander lernen, kein Physiotherapeut ist gleich, die Ausbildungen haben unterschiedliche Schwerpunkte, die Erfahrungen des Einzelnen tun ihr Übriges. Ebenso ist es mit den Trainern: der eine ist der reinste Shaping-Crack, der nächste ein Körpersprache-Genie und wieder ein anderer kennt sich bestens mit den Anforderungen im Hundesport aus.

Und so profitiert jeder von jedem.

Gerade im Hundefitness-Bereich ist das immens wichtig, weil wir uns in einem so vielschichtigen Feld bewegen. Und hierbei muss man diesen Bereich auch öffnen und vom rein körperlichen her wegkommen. War der Untertitel von Gymnastricks damals in 2013 noch „gezieltes Muskeltraining für Hunde“, so ist mir heute bewusst, dass es bereits damals so viel mehr war: Körperbewusstseinstraining, Entspannungstraining, aber eben vor allem auch mentale Auslastung. Und weil diese Interdisziplinarität zwar im kleinen Rahmen, also während der Gymnastricks-Trainerausbildung und im anschließenden Austausch, gelebt wird, aber eben bisher nur da, hatte ich eine Idee: Es musste doch möglich sein, ein Treffen auf die Beine zu stellen für alle, die sich tiefergehend für Hundefitness interessieren und nicht bei quietschbuntem Equipment stehenbleiben möchten. Sei es ambitionierter Hundehalter, erfolgreicher Hundesportler, Tierheilpraktiker, Tierarzt oder Tierphysiotherapeut – ein Treffen für jeden, der sich für die körperliche und mentale Fitness von Hunden interessiert. Und so kam die erste Gymnastricks-Konferenz zu Stande, mit Vorab-Webinaren, mit Experten unterschiedlichster Couleur, mit Aktivteil zum Mitmachen, mit Shoppingständen und last but not least: leckerem Essen in toller Umgebung. Aber das ist eine andere Geschichte…

Auf dass dieser Artikel euch Mut macht, über den Tellerrand zu blicken, euch fortwährend weiterzubilden, auch wenn Manches auf den ersten Blick nicht so verwandt erscheint, und vorallem: euch zu vernetzen und euch auszutauschen, wo auch immer es geht. Ihr und euer Hund könnt nur davon profitieren.
In diesem Sinne: Denkt interdisziplinär 😉

Mehr Infos zu meinem Herzensprojekt: /https://gymnastricks.wordpress.com/konferenz-2019/


Carmen

Carmen Heritier betreibt bereits seit sie 15 Jahre alt ist Hundesport. Durch die HD ihres Beaglerüden Lou arbeitete sie sich 2010 in das Thema Hundefitness hinein und verfasste das Buch "Gymnastricks", das im Kynos-Verlag erschienen ist. Sie ist ausgebildete Clickertrainerin (Kay Laurence, UK), Canine Fitness Trainerin (Debbie Gross, USA), Mantrailtrainerin und internationale Dogdance-Richterin. Ihren Beaglerüden Darwin führt sie im Dogdance sehr erfolgreich auch auf Meisterschaften. Sie bietet Kurse, Seminare, Webinare und Onlinetraining zu allen möglichen und unmöglichen Hundesportthemen an.

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