Ein aktuelles Thema, welches viele verschiedene Meinungen hervorbringt…
Selten haben wir es in unserer Region mit einer so anhaltenden Hitzeperiode zu tun, wie in diesem Jahr. Oft sind es nur einzelne heiße Tage und dann kühlt es wieder ab. Die Problematik einzelner Hitzetage unterscheidet sich tatsächlich in verschiedensten Punkten von den wochenlang hoch bleibenden Sommertemperaturen. Einzelnen Tagen weicht man z.B. viel einfacher mit dem Training aus und der Frust, über versäumte Trainingszeiten bleibt deutlich geringer. Dafür haben manche Hunde Probleme, wenn die Temperaturen auf und ab gehen, zumal Temperatursprünge +/- 10-15 Grad durchaus üblich geworden sind.
Uneinig sind sich die Hundesportler aber immer und viele der folgenden Fragen werden sehr unterschiedlich, sowohl sportartenspezifisch, als auch aus persönlicher Sicht beantwortet:

  • Trainiere ich weiter, obwohl die Temperaturen deutlich erhöht sind?
  • Passe ich mein Training an?
  • Wie groß ist der psychische und physische Abbau durch eventuelle Trainingspausen?
  • Entscheide ich für mich selbst oder orientiere ich mich z.B. an meiner Trainingsgruppe?
  • Nutze ich beworbene „Kühlhilfen“ und alles ist gut?

In diesem Blogartikel schauen wir mal aus unterschiedlichen Richtungen auf dieses Thema, zeigen ein paar Alternativen, die dabei helfen den Trainingsfrust durch Hitzeausfälle zu vermeiden und schauen auch aus dem sportphysiotherapeutischen Blickwinkel genauer hin.

Kühlendes Zubehör für den Hund

Mittlerweile gibt es eine Menge Hilfsmittel auf dem Markt, die dabei helfen sollen dem Hund bei der Hitze zu helfen. Kühlende Westen, Mäntel, Decken und Halsbänder, wobei wir in den Materialien durchaus Unterschiede haben:
Zum einen zwischen aktiv runter kühlenden und Sonnenlicht abhaltenden Materialien (wie zum Beispiel der Cool Cape) und zum anderen zwischen Materialien die Nässe abgeben oder solche, die auch trocken kühlen.
Hier geht es nicht darum einzelne Produkte in den Vergleich zu ziehen, sondern darum ein bisschen zum Nachdenken anzuregen und dadurch besser für den eigenen Hund entscheiden zu können. Nicht jeder Hund mag diese Produkte, manche zeigen sehr deutlich, dass Ihnen eine kalte, nasse Weste unangenehm ist oder tun alles um sich neben die Kühlmatte zu legen und bloß nicht da drauf. Problematischer wird es, wenn der Hund dies nicht so deutlich anzeigt und ihr selber beurteilen müsst was gut ist und was nicht. Bei Kühlmatten ist das recht einfach: die Größe sollte so gewählt sein, dass der Hund drauf passt, aber immer noch genug Platz drum herum ist, dass der Hund der Matte gut ausweichen kann. Mäntel und Westen kann der Hund sich nicht selber ausziehen, da muss sehr genau hingeschaut werden. Wie bewegt sich der Hund? Liegt er entspannt oder mag er sich nicht mal hinsetzen? Wirkt er gestresst oder nicht? Und wenn ihn was stört: ist es das Gewicht, die Nässe, der Mantel an sich?


Britta Reiland – Sportphysiotherapeutin, Dozentin und Autorin


Rein gesundheitlich und sportlich orientiert sind noch weitere Fragen zu überdenken: wie gut kann mein Hund mit nasser Kälte umgehen? Was macht das gegebenenfalls körperlich mit ihm? Neigt er zu Blasenentzündungen oder hat er Arthrose? Wie reagiert die Muskulatur und der Kreislauf?
Ich bin wie immer der Meinung, dass alles eine Sache der individuellen Betrachtung ist, aber Fakt ist, ein durch Sport und Bewegung erhitzter Körper reagiert anders auf ein plötzliches Abkühlen, als ein nicht erwärmter und runter gekühlte Muskulatur verhält sich im folgenden sportlichen Einsatz definitiv anders, als bereits erwärmte… womit wir gleich beim nächsten Punkt sind 😉

Warm Up und Cool Down

Generell gibt es in diesem Thema eine so hohe Bandbreite und es macht Sinn sich intensiv damit zu beschäftigen. Hier möchte ich nur die Herausforderungen im Umgang mit den erhöhten Temperaturen aufzeigen. Um es gleich vorweg zu sagen, in der Sonne liegen ersetzt kein Warm Up für den Hund und insbesondere der sportartenspezifische Teil sollte angepasst, aber nicht vernachlässigt werden.
Das Herzkreislaufsystem muss in der Regel bei hohen Außentemperaturen behutsamer aktiviert werden, als wir das von unserem Hund bei Temperaturen im mittleren Bereich gewohnt sind. Gleichzeitig muss genau darauf geachtet werden mit den Kraftreserven und auch der Motivation des Hundes gut umzugehen. Was nützt der gut aufgewärmte Hund, der dann japsend in der Ecke sitzt und nicht mehr kann oder will!
Nach der Belastung sollte zunächst der Schatten aufgesucht werden und der Hund langsam und behutsam ausbewegt werden. Manche Hunde brauchen eine kurze Pause bevor sie auslaufen wollen, gönnt sie ihnen. Was ich persönlich gar nicht mag, sind die Bottiche mit KALTEM Wasser, in die der erhitzte Hund eintauchen darf – die Belastung und Gefahren sind einfach zu hoch. Wasser, was den Tag über schon von der Sonner erwärmt wurde, darf gerne zur Befeuchtung oder zum Baden des Hundes genutzt werden, wenn dieser wieder ruhiger atmet.

Haben wir ein erhöhtes Verletzungsrisiko in der Hitze?

Da kommt von mir ein ganz klares „JA“ und das aus unterschiedlichen Gründen:

  1. Erfahrungsgemäß wird das Aufwärmen des Hundes bei erhöhter Aussentemperatur oft vernachlässigt oder ganz weggelassen.
  2. Die Konzentration des Menschen ist möglicherweise herabgesetzt
  3. Die Konzentration des Hundes ist möglicherweise herabgesetzt
  4. Die Ausdauer des Hundes ist möglicherweise geringer als sonst
  5. Starke Sonneneinstrahlung kann je nach Sport die Wahrnehmung des Hundes oder des Menschen beeinträchtigen und zu Fehlern führen
  6. Beide ermüden anders
  7. Die Reaktionsfähigkeit verändert sich
  8. Die Motivationslage ist eventuell anders als gewohnt

All diese Faktoren beeinflussen die Sicherheit des Hundes. Ein Hund, der schneller als gewohnt ermüdet schafft den Sprung nicht so hoch wie gewohnt oder steht die Landung dann nicht sicher. Komplexe Bewegungsabläufe ohne die sonst vorhandene und antrainierte Konzentrationsfähigkeit sind nicht sicher abrufbar und auch eine veränderte Motivationslage sorgt ganz sicher für andere sportliche Abläufe.
Jeder Hundesportler sollte seinen Hund immer im Blick haben und die Tagesform einschätzen können und gerader bei starker Hitze sind mehrere Ebenen betroffen.

Trainingspausen und angepasstes Training

Ohne an dieser Stelle die einzelnen Sportarten zu betrachten:

  • Wie geht man mit der andauernden Hitze im Training um?
  • Kann man das Training anpassen?
  • Was verursacht der Ausfall über eine längere Zeit?

Hundesportler sind Leistungssportler und sollten sich in der Regel darüber im Klaren sein, dass ein kontinuierliches Training ihres Hundes die mentalen und körperlichen Fähigkeiten für den Sport erhält bzw. steigert. Trainingsausfälle führen zwangsläufig dazu, dass sowohl Körper, als auch Psyche reagieren.
Aus sportphysiotherapeutischer Sicht fallen mir eine Menge Dinge ein, die trotzdem und auch bei Hitze trainiert werden können und das sogar in kleineren besser temperierten Räumen. Sportphysiotherapeutisch unterstützen wir den Sporthund ganz gezielt mit individuell erarbeiteten Übungen, die herausgenommen aus dem sportlichen normalen Training trotzdem die Voraussetzungen für die Ausführung des Sports verbessern. Ja, manchmal muss das reguläre Training einfach ausfallen, bei 35 Grad ist kein Hundeplatz gutes Terrain zum Lernen und Arbeiten für Hund und Mensch. Aber die Trainingsbedingungen können geändert werden. Lasst Euch beraten, vielleicht gibt es einen Sportphysiotherapeuten für Hunde in erreichbarer Nähe, der Euch dabei unterstützt entsprechende sinnvolle Übungen für drinnen trainieren zu können.

Neugierig bin ich tatsächlich, wie das Thema Hitze in den einzelnen Sportbereichen betrachtet wird und welche Alternativen da fürs Training genutzt werden. Wie sieht es aus im Dogfrisbee, im Obedience, im ZOS, Dogdancing, Agility usw.

Susan Schulze über das Training beim ZOS®:

Wir trainieren derzeit sehr sehr wenig. Sowohl mit unseren eigenen Hunden und leider auch in der Hundeschule – hier und da lassen wir Kurse ausfallen. Mensch und Hund sind matter als sonst, der Tag ist auch ohne zusätzliche Trainingsrunden anstrengend genug und schon die Anfahrt im warmen Auto zur (jetzt auch nicht mehr) kühleren Trainingshalle ist nicht schön.
Aber ganz ohne Training geht es nicht für uns 😉 Man merkt auch, das die Hunde was machen wollen und sonst nach einigen trainingsfreien Tagen förmlich “wild” werden 🙂
Die Einheiten sind dann superkurz, möglichst mit einer kleinen Bademöglichkeit zum Pfoten kühlen zwischendurch und mehr als 1 bis 2 Trainingsrunden sind meist nicht drin.


ZOS®-Lizenztrainerin Susan Schulze


Gerade die Nasenarbeit wird da völlig unterschätzt, weil man dem Hund die Anstrengung nicht so sehr ansieht, wie vielleicht beim Rad fahren oder Agility. Nasenarbeit ist meist nicht sooo bewegungsintensiv – und trotzdem hochanstrengend für den Hund. Mehr als 2 oder 3 kleine Suchen müssen da nicht sein. Selbst Detailtraining wie beispielsweise eine schöne Anzeige ist bei dieser Wärme nur bedingt möglich, weil die meisten Hunde so stark hecheln, das man an diesem Detail kaum üben kann.

Unser Tipp: Die Baustellen laufen nicht weg und jetzt kann man mal an den Dingen üben, die sonst ganz oft liegen bleiben, weil man neben dem “echten” und “nötigen” Training” keine Zeit oder Lust hat dafür:

  • warten auf der Decke, während andere Hunde üben (oder man sorgt selber für Ablenkung)
  • Spielzeuge und andere Dinge auf EIN Signal hin hergeben
  • ein ganz sauberes Steh
  • isometrische Übungen – Dauer aufbauen
  • brav im Auto warten und erst auf Signal aussteigen
  • eine schicke Grundstellung
  • verschiedene Fußpositionen
  • Frisbee spielen mit beiden Händen
  • Klebenasen-Target – die Zeit steigern
  • warten am Start: beim Agi, beim Geländelauf, beim Fährten, beim ZOS, …

Euch fallen bestimmt noch mehr Kleinigkeiten ein, die im normalen Trainingsalltag mit Hund oft vernachlässigt werden und nie klappen, wenn man sie braucht. Jetzt ist die Zeit für solche Mini-Traininsgründchen 🙂

Lina Engelken über ihr momentanes Training

Auch bei uns findet das reguläre Hundesporttraining auf dem Hundeplatz momentan eher nicht statt. Dies liegt allerdings auch daran, dass unser Hundeplatz keinen Schatten bietet und unser Training in den späten Nachmittags- bzw. frühen Abendstunden stattfinden würde. Genau dann sind die Temperaturen am höchsten, die Luft steht und weder Mensch noch Hund können klar denken. Hat man ein schattigeres Plätzchen, wo im Idealfall auch noch ein Lüftchen weht oder kann man das Training in die frühen Morgenstunden verlegen, sieht das ganze schon wieder ganz anders aus.


Lina Engelken – Hundeerzieherin & Verhaltensberaterin IHK|BHV


Außerdem hängt es eben sehr vom jeweiligen Hund ab. Wie bei uns Menschen auch, gibt es da Hunde, denen die Wärme wesentlich weniger ausmacht, als anderen und auch hierauf sollte man als Hundehalter und als Hundetrainer Rücksicht nehmen. Wie Susan schon schreibt, sind die Hunde zwar insgesamt matter, aber wollen eben trotzdem ausgelastet werden. Jeder Hundetrainer und Hundesportler ist da in der Verantwortung für seinen eigenen Hund/seine Kunden zu entscheiden, ob das Training Sinn macht bzw. wie das Training angepasst werden kann. Und letztlich trainieren aktive Hundesportler in der Regel, um auf Turnieren zu starten und da kann ich mir eben nicht aussuchen, wann ich bei welchen Wetterverhältnissen am liebsten arbeitet. sondern bin an feste Termine und die Startreihenfolge gebunden. Da macht es durchaus Sinn, dem Hund die Chance zu geben, sich im Training schrittweise ans Arbeiten bei diesem Wetter zu gewöhnen.

Jenny Wehage und das Mantrailing bei der momentanen Hitze

Beim Mantrailing muss ich momentan von Tag zu Tag schauen, ob ein Training möglich ist. Da ein Hund nicht hecheln UND riechen kann, muss man sich bewusst machen, welche körperliche Belastung ein Trail bei hohen Temperaturen sein kann.


Jenny Wehage – Inhaberin der Hundeschule “Find your man!”


Der Hund läuft im wahrsten Sinne des Wortes heiß. Die Hunde lieben aber die Arbeit und sind dementsprechend nicht immer in der Lage, auf ihr eigenes körperliches Wohlbefinden zu achten bzw. sind rein rassemäßig teilweise schon darauf ausgelegt, nicht auf sich selbst zu achten und Grenzen zu überschreiten, koste es was es wolle. Hier habe ich als Trainer und Hundeführer eine große Verantwortung. Ich passe das Training an, indem ich entweder kurze Sachen mache, schattige Plätze aufsuche, eine Übung durch Wasser mache, Nachts traile oder eben das Training auch ganz ausfallen lasse.

Wie sieht es bei euch aus? Welchen Hundesport macht ihr und wie trainiert ihr gerade?

Kategorien: Allgemein

Kerstin

Kerstin Schubert arbeitet als selbstständige Informationsdesignerin und ist in ihrer Freizeit auf dem Hundeplatz mit ihrem Berner Wookiee im Obedience Klasse 3 unterwegs. Sie hat die hier im Shop erhältlichen Trainingstagebücher gestaltet und realisiert.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.