Der Blick von Außen

Als Sportphysiotherapeut habe ich mit einer Vielzahl an Sporthunden und ihren Besitzern zu tun, quer durch alle Sportarten. Ich mag meine Arbeit und ich mag den Austausch mit den Hundesportlern und dazugehörigen Trainern. Ich höre gerne zu, wenn mir vom Training berichtet wird und höre wie es auf den letzten Turnieren, Workshops oder Seminaren war. Spannend finde ich, dass die Meisten der festen Überzeugung sind, dass der eigene Sport sich komplett von anderen Sportarten unterscheidet.

„Wir machen das so, weil der Obediencehund das so braucht“, „der Frisbeehund braucht das nicht“ oder „so springt ein Agilityhund“ usw. – Alles wird im Zusammenhang mit dem eigenen Sport betrachtet und das ist nicht auf andere Sportarten zu übertragen. Selbst Hundesportler, die in zwei oder mehr Sportarten aktiv sind, differenzieren das Training voneinander.

Ich schaue von außen auf das hundesportliche Geschehen und ich kann mit Sicherheit sagen, dass es in allen Sportarten Gemeinsamkeiten gibt.

Foto: Dana Thimel – Lichtphotographie

Von der Wichtigkeit sich abzugrenzen

Letztendlich habe ich durchaus Verständnis dafür, dass sich die Hundesportler in der Ausübung und im Training ihres Hundes voneinander abgrenzen möchten und gerade weil viele Trainingsmethoden innerhalb der eigenen Kreise traditionell weitergegeben werden, bleibt vieles in den seit Jahren vertrauten Abläufen.

Das Training auf die Bedürfnisse des Sports abzustimmen, halte ich für sehr sinnvoll. Nur wenn man den eigenen Sport gut kennt, über die Anforderungen und Belastungen Bescheid weiß und das Training entsprechend gestaltet, kann man für den Hund das Optimum im Training erreichen. Ob das allerdings die Realität in den meisten Trainingsbereichen ist wage ich zu bezweifeln. Viel zu oft wird auf das oben erwähnte weitergegebene Wissen zurückgegriffen ohne Raum für individuelle Anpassungen zu haben.

Sportartenspezifisches Training muss sein, aber auch dieses sollte für jeden Hund passend geplant und aufgebaut sein.

Foto: Alex Bereuther

Gemeinsamkeiten?!?

Agility und IPO – Dogfrisbee und RallyO – Hoopers und Dogdancing – finden sich da Gemeinsamkeiten? Auf den ersten Blick wahrscheinlich nicht, aber bei genauerem Hinsehen lassen sich durchaus Bewegungen und Positionen finden, die in beiden Sportarten vorkommen und trainiert werden. Ja, Fußarbeit ist nicht gleich Fußarbeit und auch die Intention dafür unterscheidet sich. Dasselbe gilt für die Grundpositionen: ein Sitz im Agility am Start ist sicherlich nicht unter denselben Vorrausetzungen abgefragt, wie das Sitz im Rally Obedience.

Trotzdem gibt es Gemeinsamkeiten, denn auch im Agility erwarte ich ein sauberes korrektes Sitzen und möchte, dass der Hund sich auf seine Position konzentriert und sich nicht ablenken lässt.

Aus meiner sportphysiotherapeutischen Perspektive arbeite ich immer auch außerhalb des sportlichen Zusammenhangs daran, den Hund in seinen Aufgaben zu stärken und passend dafür aufzubauen. Mir fallen die Gemeinsamkeiten auf und ich würde mir wünschen, dass so mancher Hundesportler diese auch mal unabhängig von seiner Sportart und fern von den „typischen“ Trainingsmethoden in seinem Sport wahrnimmt.

Foto: Simone Sander

„Der Sprung“ im Hundesport

Ein sehr gutes Beispiel dazu ist das Sprungverhalten in diversen Hundesportarten. Ganz egal, ob Dogfrisbee, Dogdancing, Agility, IGP oder Obedience, Turnierhundesport und Flyball, jede Sportart für sich arbeitet irgendwie an den Sprüngen. Das, was leider fehlt, ist der Blick von Außen und die Wahrnehmung der individuellen Besonderheiten und Trainingsanforderungen für den einzelnen Hund.

Viel zu oft werden diese in die bestehenden sportlich bezogenen Trainingskonzepte hineingepresst und nach den üblichen Standard-Methoden trainiert, was – das muss ich zugeben – auch in einigen Fällen echt gut funktioniert.

Allerdings bleibt dabei die Nachhaltigkeit und der Fokus auf die Gesunderhaltung des Hundes gerne mal auf der Strecke und die erbrachten Leistungen pendeln sich irgendwo unterhalb der eigentlich vorhandenen Leistungsfähigkeiten ein.

Das Grundverständnis für den Sprung des Hundes und die darin enthaltenen Aufgaben ist nicht Sportartbezogen unterschiedlich und auch Differenzierungen im Sprungtraining unterscheiden sich nicht aufgrund der Sportart, sondern durch die Besonderheiten jedes einzelnen Hundes.

Sportartenunabhängige Arbeit am Sprung des Hundes

Neben der durch die Sportart festgelegten Zielgebung in der Bewältigung des Sprunges empfehle ich immer auch sportartenunabhängig ins Sprungtraining zu gehen. Erst die Auseinandersetzung mit der entsprechenden Theorie, das Verständnis für den gesamten Sprungablauf und die vielen Faktoren, die diesen beeinflussen und verändern, ermöglicht eine sportartenspezifische Ausarbeitung und eine Annäherung an das Optimum in der eigenen Sportart.

Dazu kommt, dass wir außerhalb des sportlichen Kontextes auch noch einen anderen Blick auf die gesamten, dann nicht vom Sport beeinflussten Bewegungsabläufe haben und diese sowohl sportphysiotherapeutisch, als auch sporttrainerisch hinterfragen können. Spannend ist, das dies sowohl für die Hundesportler selber, wie auch für die Trainer aus allen Sportarten und die (Sport-)Physiotherapeuten, die sich mit dem Sprungverhalten des Hundes, den wichtigen Grundlagen und der Optimierung in Sachen Gesunderhaltung und Leistung, auseinandersetzen möchten, zusätzliche Blickwinkel bietet.

Mehr Infos zu dem Thema findet ihr auf den folgenden Seiten oder schreibt mich gerne direkt an.

https://www.facebook.com/groups/gesundesSprungtraining/

https://www.facebook.com/groups/618594158557524/

https://www.facebook.com/Britta-Reiland-Gesundheit-auf-4-Beinen-383915588433986/?eid=ARBFvgtV_X6iMW9z6y_Za5dZm5-Fb1MiLyxCGKuAIlFQwqUA-UANr1raRjhtH01KUMffccVxjCDjMjJd


Britta Reiland

Britta Reiland, geb. 01.09.1974 Sportphysiotherapeutin, Dozentin und Autorin

1 Comment

Andrea · 13. Februar 2019 at 16:34

Ein sehr guter Beitrag. Ich betreibe mit meiner Hündin Agility und Obedience und versuche bei den Grundlagen so zu arbeiten, dass ich die Basis für beide Sportarten lege. Gerade was Koordination, Ablenkungstraining und Sprungtraining angeht, gibt es so viele Übungen, die Sportart übergreifend Sinn machen.

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