Es gibt mittlerweile zum Glück und Segen eines jeden Hundesportlers eine höchst facettenreiche Bandbreite an Hundesportarten, die man mit seinem Hund betreiben kann. Sei es ganz klassisch zum Beispiel IPO, THS und Agility – oder wie in meinem Fall Obedience und Rally Obedience – es sollte für jeden Menschen, jeden Hund und für die individuellen Talente etwas dabei sein.

Und genau da besteht oft ein Problem. Für beide Hälften eines Teams, nämlich Mensch UND Hund, ist es enorm wichtig herauszufinden, was BEIDEN Spaß macht. Wir sollten vorweg eine wichtige Sache dabei immer bedenken: Unsere Hunde machen im besten Fall eine bestimmte Hundesportart aus Spaß MIT uns, oder weil ihnen daran etwas besonders liegt von den Fähigkeiten die sie mitbringen, aber vor allen Dingen arbeiten sie in aller Regel FÜR uns.

Hundesport stellt grundsätzlich eine wundervolle Möglichkeit für uns und unsere Hunde dar, sie zu beschäftigen und zusammen einem gemeinsamen Hobby nachgehen zu können. Unter diesen Gesichtspunkten sollte man dieses Hobby also zunächst grundlegend betrachten. Bevor man sich also für eine oder mehrere Sparten entscheidet ist es empfehlenswert und wichtig, sich hinreichend darüber im Vorfeld zu informieren. Was ist in erster Linie für den eigenen Hund geeignet und was könnte mir als seinem Menschen auch Freude bereiten? Dazu könnte man zum Beispiel beim nächsten Hundesportverein, manchmal sogar auch in der nächsten Hundeschule, anfragen, ob man sich eine Trainingsstunde in der Sportart X einmal anschauen dürfte. Meistens freuen sich die Trainer dort sehr, wenn sich jemand dafür interessiert und vielleicht Teil der Trainingsgruppe werden möchte.

Beim Hund sollte unter anderem primär darauf geachtet werden:

  • Wie alt ist mein Hund? Kann er körperlich schon oder noch leisten, was ich von ihm verlange?
  • Ist mein Hund körperlich ausreichend untersucht, sodass er beim Sport keine Schmerzen hat und es ihm nicht schadet?
  • Ist mein Hund von der Rasse her für eine Sportart geeignet? (Als Beispiel: einem Hundehalter mit einem Berhardiner würde ich von Agility abraten)
  • Bin ich selbst körperlich in der Lage und fit genug? Oder befinde ich mich auf dem Weg dahin?
  • Habe ich alles an Equipment und eine geeignete Anleitung, die ich für die Basis in Sportart X brauche?

Um nur einige Punkte zu nennen, die alle gleichermaßen auf die selbe Thematik hinauslaufen, die mir so wichtig ist und auf die ich immer wieder bei Workshops und im täglichen Training hinweise: SEID FAIR ZU EUREN HUNDEN! Diese Fairness und die daraus natürlich resultierende Freude, die man mit seinem Hund dann im Endeffekt hat, spiegelt sich dann selbstredend im gesamten Training wider und wenn man einmal weiter denkt – irgendwann sogar im Turnier.

Turniere sind eine prima Gelegenheit, um von außen eine objektive Beurteilung über eine Momentaufnahme (!) des Trainings zu bekommen. Doch Vorsicht gilt auch hier: Turniere verleiten den menschlichen Teil des Teams oft in der Folge dazu, den Hund außer Acht zu lassen und als Mittel zum Zweck für Erfolg zu behandeln, ja fast zu missbrauchen. Das ist nicht der richtige Weg und sorgt nicht für den beidseitig benötigten Respekt. Denn wenn man an etwas keine Freude (mehr) hat, dann verfehlt man leider auch einen sehr positiven Nebeneffekt des gemeinsamen Trainings: man kann die Bindung und Kommunikation zu seinem Hund extrem fördern … oder eben verlieren! Ehrgeiz ist nicht schlimm, an Meisterschaften teilnehmen auch nicht und stolz auf die Erfolge mit seinem Hund zu sein erst recht nicht – solange man im Training darauf achtet, dass Hunde weder Maschinen, noch Sportgeräte sind. Und dazu gehört auch, dass man das Maß seines Hundes (und auch das eigene) kennt – oder am Anfang stehend – kennen lernt. Jedwede Form von Zwängen oder das Zufügen von Schmerzen haben beim Aufbau, Erlernen und Training von Etwas absolut nichts verloren! Und das Ausüben einer Hundesportart hat nur ganz selten etwas mit Erziehung zu tun, obgleich die Grenzen manchmal etwas verschwimmen. Man kann hin und wieder Sequenzen bei Hundesportlern beobachten die darauf schließen lassen, dass in der Beziehung und der Erziehung mit dem Hund etwas schief läuft. Das Training in der jeweiligen Hundesportart ist dann jedoch nicht das richtige Medium, um diese Probleme zu klären.

Wenn man nun also eine Hundesportart gefunden hat, bei der man vielleicht einiges aus diesem Beitrag bedacht hat und die für Hund und Mensch gleichermaßen geeignet ist, steht einem gemeinsamen Trainingsbeginn nichts mehr im Weg.

Schließen möchte ich an dieser Stelle mit einem absolut tollen Spruch, der schon eine ganze Weile durch die sozialen Medien der Hundesportwelt geistert: Wenn ein Hund nur darf, wenn er soll, aber nie kann, wenn er will, dann mag er auch nicht, wenn er muss. Wenn er aber darf, wenn er will, dann mag er auch, wenn er soll, und dann kann er auch, wenn er muss. Denn schließlich: Hunde, die können sollen, müssen wollen dürfen …

In diesem Sinne: Habt Spaß mit euren Hunden!


Anne

Anne Hahn ist momentan mit ihren beiden Hunden im Obedience und Rally Obedience im In- und Ausland aktiv und führt beide jeweils in der Leistungsklasse 3. Nebenbei ist sie noch Obedience Ringsteward. Zum Ausgleich trickst und longiert sie mit ihren Hunden. Beruflich hat sie ebenfalls mit selbigen, aber vor allem mit deren Menschen zu tun, denn sie ist professionelle Hundetrainerin nach §11 in Halver und hat dort eine eigene Hundeschule. Außerdem veranstaltet sie Workshops und hält Vorträge in ganz Deutschland. Die Termine dazu können regelmäßig auf ihrer Homepage www.aha-hundetraining.de unter der Rubrik Termine eingesehen werden.

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