In diesem Blogartikel möchte ich mir gerne mal ein bisschen Luft machen und ich weiß, dass ich der einen oder anderen Kollegin aus der Seele spreche, denn: wir alleine können die Welt für deinen Hund nicht gesünder machen!

Wenn es um die Gesunderhaltung oder die Wiederherstellung der Gesundheit deines Hundes geht, kommen eine Menge beeinflussende Faktoren zusammen und nicht alle davon liegen in meiner Hand. Meine Patienten und Sporthunde werden von mir weit über die eigentlichen Tätigkeiten in meiner Praxis hinaus betreut, aber im Alltag und Training liegt die Verantwortung für deinen Hund – ganz realistisch betrachtet – bei dir.

Gesunderhaltung – was trägt dazu bei?

Gehen wir einmal kurz durch, was so alles zur Gesunderhaltung deines Hundes beiträgt und schauen wir mal, was wir Physiotherapeuten bzw. Sportphysiotherapeuten alles für dich tun können.

Beginnen wir ganz einfach mit dem notwendigen Bewusstsein für die Gesundheit, denn ohne das Wissen, dass wir die Gesundheit unserer Hunde beeinflussen können, hätten wir keinerlei Basis für eine Zusammenarbeit. Aber jeder, der den Weg in Praxen der Physiotherapeuten findet, setzt sich bereits damit auseinander. Nun liegt es an uns, alles Notwendige nach und nach und passend für deinen Hund zu erklären und an dir, entsprechend aufmerksam zuzuhören und mitzudenken.

Zu den normalen Tätigkeiten in der Praxis gehört eine ausführliche Erstanamnese, in der aber nicht nur der körperliche Zustand deines Hundes betrachtet und analysiert wird. Neben der Gangbildanalyse und einer intensiven Untersuchung unterhalten wir uns auch über bereits Vergangenes, über aktuelle Probleme, über Besonderheiten und all das, was dein Hund so tagtäglich macht oder auch nicht macht.

Wir reden über das Gewicht im Bezug zur Gesundheit, über den aktuellen Bewegungsbedarf und die Grenzen und Möglichkeiten, die ich für deinen Hund wahrnehme. Die Muskulatur wird genauso überprüft wie die Beweglichkeit aller Gelenke und ich erläutere dir, wie wichtig eine gute gleichmäßige Muskulatur für deinen Hund ist und warum diese das Verletzungsrisiko mindern kann.

Mir wird auffallen, ob der Hund seinen Körper gut wahrnimmt und wie die Koordination in seinen Bewegungen ist. Im Sporthundebereich tauschen wir uns über die aktuellen Trainingsbedingungen und Anforderungen aus und ich möchte wissen, ob du über den ausgeübten Hundesport auch wirklich gut informiert bist.

All das sind Faktoren, die in der Summe berücksichtigt, die Gesundheit deines Hundes beeinflussen.

Was kann ich dann in der Praxis für deinen Hund tun?

Kurz gesagt: ich arbeite daran, aktuelle Probleme so schnell wie möglich zu beheben, vergangene unwirksam zu machen und zukünftige gar nicht erst auftreten zu lassen.

Ich behandele deinen Hund, löse Verspannungen und Blockaden und überprüfe, ob ernsthafte Beeinträchtigungen vorliegen, die dann, falls nötig, fachlich unterstützt vom Tierarzt mit bildgebenden Verfahren zu diagnostizieren wären. Gleichzeitig helfe ich dir dabei, die Zusammenhänge beispielsweise von einer Lahmheit vorne links und einem schiefen Becken zu verstehen und versuche, dir mögliche Ursachen darzustellen.

Jeder Hund hat seinen eigenen Behandlungszyklus, der sich aus dem aktuellen Ist-Zustand, dem Alltag und dem sportlichen Einsatz ergibt und ich mache dir Vorschläge, wie meine Begleitung und mein Beitrag zur weiteren Gesunderhaltung bzw. Beseitigung der aktuellen Probleme deines Hundes aussehen kann:

  1. Wie möchte ich deinen Hund in Zukunft weiter behandeln?
  2. Wie oft sollten wir Kontrolltermine machen?
  3. Wie sollte das Training aktuell aussehen und welche Belastungen sind möglich?
  4. Welche Ziele sind realistisch – sowohl sportlich, als auch gesundheitlich?
  5. Welche Besonderheiten deines Hundes sollten dauerhaft Beachtung finden, weil diese z.B. als körperliche Schwachstellen schneller zu Problemen führen können?
  6. Wie kann das bestehende Alltagsprogramm verbessert werden – was sollte vermieden und was ergänzt werden?
  7. Was schadet deinem Hund und was tut ihm gut, wenn wir diesen langfristig gesund halten möchten?
  8. Worauf solltest du in Zukunft achten?

Schauen wir uns doch mal genauer die Konsequenzen daraus an 😉

„Verantwortung“ hat viele Gesichter…

Nun gut, die erste Frage geht dann wohl in meinen Bereich, aber wie ist es mit den anderen sieben Fragen? Um es nochmal deutlich zu machen: Alle oben genannten Fragen und die Berücksichtigung der Antworten im Umgang mit deinem Hund haben einen wesentlichen Einfluss auf die Gesundheit deines Hundes.

Ich kann immer nur Empfehlungen aussprechen, aber glaube mir, ich mache mir darüber intensiv Gedanken und spreche das aus, was nach sorgfältigem Abwägen meiner Meinung nach das Beste für deinen Hund ist. Wie oft du zum Beispiel tatsächlich zu mir in die Praxis kommst, ist ganz allein deine Entscheidung und mit dem festen Grundsatz, immer nur so viel wie nötig und so wenig wie möglich zu tun, bin ich seit Jahren gut zurecht gekommen.

Und was den Rest betrifft: Auch im Bezug zu Training, Alltag, körperlichen Schwachstellen und realistische Zielen mache ich mir ausreichend Gedanken, bevor ich dazu etwas sage. Ich denke mir etwas dabei, wenn ich Veränderungen vorschlage und habe dabei immer die Gesundheit deines Hundes im Blick, sowohl physisch, als auch psychisch.

Meine Kollegen und ich sind durchaus in der Lage, dabei auch zu berücksichtigen, was möglich und umsetzbar ist und ganz ehrlich, wir sind die letzten, die nicht versuchen, Alternativen zu finden, wenn es tatsächlich zu erheblichen Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Empfehlungen kommt. Dafür muss man allerdings darüber reden.

Die Konsequenzen trägt der Hund

Denkst du, ich habe Freude daran, dir vielleicht zu sagen, dass das aktuelle Gewicht viel zu hoch ist oder der Zustand der Muskulatur nicht ausreichend für die von dir gestellten Anforderungen?

Und wenn ich drei oder viermal nachfrage, was du denn sonst so mit deinem Hund machst, dann mache ich das, um auch wirklich nichts zu übersehen. Ich möchte wissen, wie du spielst, um die Folgen daraus abschätzen zu können und mich interessiert, wie oft und wie lange dein Hund mit dir spazieren geht, weil ich dies dann in meinen Gedanken und Analysen berücksichtigen kann.

Viele Besitzer überlegen gemeinsam mit mir, wie wir Alltags- oder Sportdinge ändern können, wenn dadurch die aktuellen Probleme verursacht wurden bzw. zukünftige drohen und dann macht die Zusammenarbeit nicht nur Freude, sondern bringt bei konsequenter Umsetzung auch schnell Erfolge.

Aber: immer mal wieder stehe ich von Termin zu Termin in meiner Praxis und frage mich, warum der Hund auch weiterhin mit denselben Problemen zu mir kommt. Was funktioniert nicht? Warum bekommen wir keine nachhaltige Verbesserung?

Wir gehen die einzelnen besprochenen Punkte nochmal durch und – glaub mir, aufgrund langjähriger Erfahrung kommt irgendwann einer dieser beiden Sätze:

„Na das konnte ich aber nicht wirklich weglassen, mein Hund braucht das einfach!!!“ oder „Wissen Sie eigentlich wie schwer das ist, das zu ändern? Wir haben das immer so gemacht!“

Tja, was soll ich sagen:

  1. Ja, ich weiß tatsächlich, wie schwer es ist, langjährige Gewohnheiten zu verändern und
  2. Ich glaube dir, dass du sicher bist, dass dein Hund das braucht, aber glaub du mir bitte: wenn dir die Gesundheit deines Hundes wichtig ist, solltest du die Bedürfnisse deines Hundes falls nötig entsprechend konsequent ändern.

Wenn ich dir beispielsweise rate, das „Bällchen spielen“ in Zukunft zu unterlassen, dann nicht, weil ich möchte, dass dein Hund keine Freude mehr an den gemeinsamen Spaziergängen hat, sondern weil das tatsächlich genau für deinen Hund echt schädlich ist. Nehmen wir einen Hund nach einer Kreuzband-Op. Dieser sollte nicht mehr hinter einem Ball her rennen und zum Fangen in die Luft springen, um dann womöglich unsanft auf der Hinterhand zu landen, ganz egal, ob das zuvor sein Lieblingsspiel war.

Und wenn der Spielpartner deines zarten Shelties ein rücksichtsloser Labbi ist, der nichts lieber tut, als deinen Hund über den Haufen zu rennen, bitte ich dich, dies doch in Zukunft erst mal zu vermeiden, damit wir sehen können, ob die ständigen Blockaden und Rückenschmerzen vielleicht daher kommen und ich tue das nicht, um dir deinen gewohnten netten Spaziergang mit der besten Freundin zu verbieten.

Wie ich schon sagte, ich habe zum Glück sehr viele Hundebesitzer in meinem Patientenkreis, die sich echt Mühe geben und die Dinge versuchen zu ändern, auch wenn es wirklich manchmal mühsam ist und so kann ich guten Gewissens sagen, dass ich Hunde kenne, die tatsächlich auch ohne das geliebte Ballspielen glücklich sein können oder nicht psychisch kaputt gehen, weil ihre Halswirbelsäule mal ein paar Wochen Ruhe hat, weil nicht mehr ständig gezergelt wird.

Und wenn ich dir empfehle, deinen Hund in den nächsten zwei Wochen zu schonen, damit die Behandlungen auch nachhaltig sind und am besten an der Leine spazieren zu gehen, meine ich tatsächlich keine 10 m Schleppleine 😉 – dann soll dein Hund wirklich mal kontrolliert ohne toben neben dir laufen…

Für alle Hundebesitzer und Hundesportler

Wenn du mit uns zusammenarbeiten möchtest, um deinen Hund auch auf Dauer gesund zu erhalten, dann sei zum einen doch bitte ehrlich zu uns, wenn wir dir all die vielen Fragen stellen und zum anderen denk doch bitte daran, dass ich und meine Kollegen deine Mithilfe und dein Verantwortungsbewusstsein deinem Hund gegenüber sowohl im Alltag, als auch im Sport gut gebrauchen können.

Ja, manchmal ist das anstrengend und mühsam, deinen Hund gesund zu halten, aber dein Hund schafft das nicht alleine – du bist verantwortlich für sein Wohlergehen….

 


Britta Reiland

Britta Reiland, geb. 01.09.1974 Sportphysiotherapeutin, Dozentin und Autorin

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