“Motivation pur” – die Neuerscheinung aus dem Cadmos-Verlag, die ich absolut jedem empfehlen kann. Warum? Lass uns gemeinsam einen Blick in das Buch werfen:

Motivation pur – erhältlich im Cadmos Verlag

Wann ist ein Training ein wirklich gutes Training? Dieser Frage gehen die beiden Autoren zu Beginn auf den Punkt und sehr schnell sind sie bei dem Thema “Motivation”. Das Buch hat sich zum Ziel gesetzt, dass erst gar keine Motivationsprobleme auftreten, das die erlernten Verhalten mit der Zeit für den Hund selbstbelohnend sind und er so bei Prüfungen bzw. Turnieren mit der gleichen Sicherheit und Freude die gelernten Übungen zeigt wie im Training.

Grundvoraussetzung dafür ist, dass ein gutes Training immer für Klarheit sorgt. Sobald Frust entsteht – egal ob bei Mensch oder Tier – entstehen schnell Motivationsprobleme. Das heißt, dass sich der Hundehalter vorab bewusst machen sollte, was er genau im Training erreichen möchte und vor allem mit welchen Signalen er dem Hund sagen wird, was er machen soll. Dazu gehört neben einem guten Trainingsplan auch die eigene Einstellung. An dieser Stelle wird durch einige Beispiele, die jeder von uns irgendwie kennen wird, die “Frustspirale” verdeutlicht.
Das gleiche gilt natürlich für die Turnierläufe: Wenn der Agility-Starter dem Hund keine klaren Signale gibt, dann darf er am Ende nicht auf den Hund sauer sein, weil er eine Hürde genommen hat, anstatt in den Tunnel zu rennen…

Wenn dein Hund für dich ein guter, vielleicht sogar dein bester Freund ist, solltest du ihn auch in allen Situationen so behandeln

Motivation pur, Seite 14

Zum Thema “Einstellung” weisen die beiden Autoren auch kurz auf die eigene Wortwahl hin:

  • Sie sprechen von Signalen statt Kommandos
  • Der Hund “arbeitet” nicht, sondern spielt im Training und bei der Prüfung mit seinem Menschen (was sich auch in dem Begriff Unterordnung wiederspiegelt)
  • “Trieb” ist ebenfalls wissenschaftlich längst überholt, ebenso wie die Dominanztheorie

Es ist daher an der Zeit, dass Hundesportler sich von Begrifflichkeiten wie Trieb und triebig verabschieden, ebenso wie von den dahinterstehenden Konzepten

Motivation pur, Seite 21

Um die Motivation besser zu verstehen, wird in dem nächsten Kapitel das Seeking-System erklärt, wobei es sich um ein emotionales Lernmodell handelt, dem Enthusiasmus, Euphorie und Begeisterung zugeordnet werden. Auch die Fremd- und die Eigenmotivation werden genauer angeschaut.

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Es ist immer sinnvoll, sein Training zu dokumentieren. Die passenden Trainingstagebücher für deinen Hundesport findest du hier im Shop: Hundesport-Trainingstagebücher

Der “Hurra-Effekt”

Nach der Theorie geht es ins Training. Hier ist nicht nur ein gut durchdachter Trainingsplan mit einem klaren Ziel wichtig, sondern auch das Gefühl von dir und deinem Hund. Emotionen werden erzeugt durch den Charakter des Hundes, durch die Gestaltung des Trainings und durch die Umwelt und sie gehören ebenso mit in den Trainingsplan wie der Aufbau der Übung ansich. Rolf und Madeleine Franck sprechen dabei von dem “Hurra-Effekt” und erklären die Bedeutung von Emotionen im Training anhand des emotionalen Lernmodells, wonach auf jeden Reiz eine Emotion erfolgt, die einer Skala zugeordnet werden kann. Wichtig ist hierbei, die richtige Emotion beim Hund zu erreichen – es bringt beispielsweise nichts, wenn er sich schon auf dem Parkplatz unwohl fühlt oder überdreht.

Zum Thema Entspannung findest du in diesem Blog
einige Übungen und Trainingsansätze von Natascha Bernhardt.

Stress ist eine weitere Motivationsbremse, wobei der Stress meistens dadurch entsteht, dass der Mensch mit den Fehlern des Hundes nicht richtig umgeht. Typische Anzeichen wie Gähnen, Schnüffeln, Dauerbellen, in den Ärmel greifen oder ähnliches werden übersehen (oder nicht als Stressbewältigungssystem des Hundes verstanden) und so ist das Team schnell in einem Kreislauf aus Frust. Dabei können zwei “Stress-Typen” unterschieden werden: Die einen Hunde, die blockieren und nichts mehr machen und die anderen, die aufdrehen und so scheinbar nicht mehr denken können.

Unter Stress schaltet das Gehirn auf den Modus “Gefahrenvermeidung”. Der Hund versucht das zu vermeiden, was ihm unangenehme Gefühle verursacht, oder stattdesssen etwas zu tun, was sich gut anfühlt.

Motivation pur, Seite 39

Anhand eines Beispiels aus dem Rally Obedience wird genau erklärt, wie der Stress mit der Motivation zusammenhängt und wie schnell der Mensch die ersten Anzeichen übersehen oder falsch interpretieren kann. Im Umkehrschluss heißt das auch, dass Motivation für eine Stressvermeidung sehr hilfreich ist. Dazu sollte der Hundesportler genau analysieren, wann die Motivation des Hundes einbricht und wie der Hundesportler auf die Fehler reagiert. Meistens ist ein Zusammenhang erkennbar.

Motivationsbremsen

Das folgende Kapitel befasst sich genauer mit den Gründen, die dafür sorgen, dass die Motivation auf der Strecke bleibt. Hierzu werden die folgenden Aspekte näher beschrieben:

  • Gesundheit – die absolute Voraussetzung für Spaß beim Sport
  • Richtige Ernährung
  • Unangenehme Übungen, wie zum Beispiel der Vorsitz
  • Negative Erlebnisse, Ängste oder Hemmungen
  • Negativ verknüpfte Signale
  • Der Umgang mit Fehlern, die bei genauer Betrachtung immer vom Mensch ausgehen
  • Der Klassiker “Der verarscht dich doch” – Fehlinterpretationen
  • Schlechter Trainingsplan

Motivation im Training

Was macht nun ein motiviertes Training aus? Vor allem eins: Werde zu einem besseren Trainer für deinen Hund (und ignorier die ‘Fehlinterpretationen’ deiner Vereinskollegen, wenn sie mal wieder der Meinung sind, dass dein Hund das mit Absicht macht).

Zu einem guten Training gehört das eigene Trainingswissen. Hinterfrage immer, wie sich dein Hund dabei fühlt – das gilt auch bei Seminaren – und lerne die Gefühlswelt deines Hundes kennen und vor allem zu verstehen.
Zudem ist das Clickertraining oder das Training mit einem Markerwort immer sinnvoll und zielführend. Abgesehen von einem gefestigteren Verhalten, dass mit Hilfe des Clickertrainings aufgebaut wird, ist nicht nur die klare Kommunikation bei der Verständigung hilfreich, sondern auch die Tatsache, dass schon der Click für Dopamin sorgt, wenn der Hund darauf richtig konditioniert wurde.
Desweiteren werden die unterschiedlichen Verstärker und Belohnungsvarianten angeschaut. Dabei spielt nicht nur die Art der Belohnung eine Rolle, sondern auch der Belohnungsort und die Menge.
Weitere wichtige Aspekte für ein gutes Training:

  • Das richtige Lob
  • Stimmungsübertragung
  • Ein perfektes Timing
  • Das richtige Spiel mit Spielis und Futter (hier werden dem Leser einige Varianten vorgestellt)
  • Intervalltraining bzw. der spannende Trainingsaufbau
  • Ablenkungen

Troubleshooting

Das letzte Kapitel schaut genauer hin, wenn “das Kind schon in den Brunnen gefallen ist”. Anhand von Beispielen aus dem Agility bekommt der Leser Ideen, wie er sein Training neu und voll motiviert aufbauen kann. Zudem geben die Autoren noch einmal Tipps, worauf zu achten ist, um ein perfektes Training zu erreichen.

Fazit
Kurz: Ein Buch, dass ich wirklich jedem empfehlen kann. Mir gefällt es sehr, dass der Fehler nicht beim Hund gesucht wird, sondern immer beim Mensch. Falsche Körperhaltung, die zu Fehler im Parcours führen, ein unbedachter Umgang mit Fehler, der im Stress enden… alles Aspekte, die wirklich jeder auf dem Hundeplatz beobachten kann.

Es wird aber nicht nur der Finger gehoben, sondern auch Lösungswege mit an die Hand gegeben und darauf hingewiesen, dass eine Dokumentation des Trainings immer sinnvoll ist, um schon die kleinen Erfolge sichtbar zu machen und sich nicht nur an den Ergebnissen auf Prüfungen oder Turnieren zu messen (was auch mal im Frust enden kann).

Was du auf jedem deiner Turniere – oder Trainingsvideos sehen solltest, ist das Lächeln in deinem und im Gesicht deines Hundes. Auch wenn ihr beide konzentriert und vielleicht manchmal angespannt seid, darf dabei nie untergehen, dass Hundesport nicht mehr als ein großes Spiel ist. Du spielst es gemeinsame mit deinem Hund, also genieß die Zeit!

Motivation pur, Seite 89

Über Rolf und Madeleine Franck

bieten unter dem Namen Blauerhund® Kurse, Seminareund Vorträge für Hundebesitzer an, bei denenes immer vorrangig darum geht, Hunde emotional zu verstehen und zu trainieren. In ihren positiven Trainingsmethoden verbinden sie langjährige Erfahrungen mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Als erfahrene Hundesportler wissen sie, dass die Motivationdes Hundes das höchste Gut ist.

Details zum Buch

Rolf C. und Madeleine Franck
Motivation pur
Taschenbuch mit 96 Seiten, Farbfotos
ISBN: 978-3-8404-2056-6

Das Buch erhaltet ihr direkt im Cadmos Verlag

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Kerstin

Kerstin Schubert arbeitet als selbstständige Informationsdesignerin und ist in ihrer Freizeit auf dem Hundeplatz mit ihrem Berner Wookiee im Obedience Klasse 3 unterwegs. Sie hat die hier im Shop erhältlichen Trainingstagebücher gestaltet und realisiert.

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