Aktuell hagelt es auf der Facebook-Veranstaltungsseite eines (mehr oder weniger) kleinen Events, Danksagungen und Lobeshymnen in ungeahntem Ausmaß.
Ich war dort und würde ganz gerne versuchen, euch einen Einblick zu gewähren, warum ausgerechnet dieses Event so ein Feedback bekommt und es -meiner Meinung nach- auch mehr als verdient hat.

Vorweg: Dieses Event ist nicht mit den durchschnittlichen Serien-Turnieren, die wir hier in Europa so haben, zu vergleichen und wurde in der „Szene“ mehr als Spaßevent oder Anfängerturnier angesehen.
Letzteres war es aber definitiv nicht und das hätte den meisten schon im Vorfeld klar sein können, wenn man die Ausschreibung und die daraus resultierenden Zusagen und Reaktionen auf der Veranstaltungsseite verfolgt hat.

Aber spulen wir erstmal zurück zum Anfang der Nummer, damit ihr überhaupt wisst, worum es geht.

Vor ein paar Monaten, tauchte im Netz eine Veranstaltung, mit dem Titel „no flips, no vaults – but fun!“ auf. Ausgeschrieben wurde das ganze von Melanie Glasstetter und dem SHV Kirrlach.

„Ok, Melanie (Die, mit ihren Shelties, wohl den meisten europäischen Spielern bekannt sein sollte) macht also ein Fun-Turnier bei „den Kirrlachern“? Das könnte lustig werden!“

Spätestens bei der Ausschreibung, wurde allerdings deutlich, dass dieses Turnier definitiv etwas anders werden dürfte, als dass, was man so gewohnt ist. Wie der Titel schon sagt, waren Flips und Vaults von Anfang an untersagt. (Vermutlich war das auch der Grund, warum es viele als Anfängerturnier angesehen haben. But I am not sure about this!)

Die Restlichen Regeln hielten sich dafür aber in einem sehr überschaubaren Rahmen.
Ok, es gab eigentlich nur zwei.

  1. Keine Flips, keine Vaults im Freestyle
  2. Teilnahmepflicht am gemeinsamen Abendessen

Die größere Schikane war jedoch, dass Melli für jeden Spieler die Freestyle-Musik aussucht und wer Melli kennt weiß, dass das echt interessant werden dürfte.

Beim Event selber, erklärte Melanie dann sogar zu jedem Track, nach welchen Kriterien sie ihn ausgewählt hat. Die Begründungen reichten hier, von wirklich emotional, bis absolut amüsant. Respekt!

Darüber hinaus, sollten die Spieler dieses Mal nicht von qualifizierten Richtern, sondern von irgendwelchen Leuten „von der Straße“ bewertet werden. Letzteres ist zwar keine neue Idee, wurde aber bisher noch nie wirklich konsequent durchgezogen. (Jedenfalls erinnere ich mich nicht daran.)

Na prima! Verlangt wird also, dass man Sportfremde, mit reinem „Flatwork“, zu fremder Musik begeistern soll? Ich weiß nicht genau, wer da noch irgendwie auf das schmale Brett kommen kann, dass das Anfägerfreundlich ist, aber gut.
Zumal der Verzicht auf Flips und Vaults auch eine echte Herausforderung für erfahrene Set-und Kürspieler werden könnte… Es wird ganz sicher lustig!

Mein Gedanke war:

„WOW, Challenge acceptet!“

Nein, nicht weil ich da irgendwas gewinnen wollte.
Sondern weil es irgendeinen Nerv bei mir getroffen hat, der mir mehr bedeutet als irgendwelche Platzierungen. Auf´s Feld gehen, sich auf die Situation (die Musik) einlassen, laufen lassen und mal schauen ob man irgendwie sowas wie ein Flowgefühl hinkommt.
Wenn man das dann noch ohne Vaults, Flips und andere Sprünge hinbekommt… ganz großes Kino!

Ich hatte sogar eine Wette laufen, wie viele von den erfahrenen Spieler wohl so “umnachtet” sein werden, dass wir trotzdem Flips und Vaults zu sehen bekommen.
Hut ab, es war nicht ein Vault oder Flip zu sehen!

Dass es da noch eine Disziplin gab, hatte ich dann tatsächlich bei meiner Anmeldung glatt übersehen. War aber auch nicht weiter tragisch, da diese Nummer –für mich- total uninteressant war und ich die Regeln -bis heute- nicht wirklich verstanden habe. Warum ich trotzdem dafür Angemeldet war und aus der Nummer auch nicht mehr wirklich rauskam, wird wohl für immer ein Geheimnis der Veranstalter bleiben. Ziel dieser zweiten Disziplin war es jedenfalls, dass der Hund 2 Scheiben hinter einer 15 Meter entfernten Linie fängt. Daraufhin bekam der Spieler einen Löffel, mit einem Ei drauf, in die Hand gedrückt und musste dieses Ei hinter die Linie balancieren.
Also eine Mischung aus Eierlaufen und Werfen auf Distanz (Der Eiertanz halt).

Im übrigen ist das schwieriger als es klingt und bloßes Raushauen der Scheibe bringt einen da nicht wirklich etwas.

So weit so gut! Die Rahmenbedingungen standen und auch wenn das Wochenende, für eine „Spritztour“ über die Autobahn, denkbar ungünstig lag (Ferienbeginn), gab es etliche Spieler, die da Bock drauf hatten und sich diesen Spaß nicht entgehen lassen wollten.
Am Ende waren es dann gut 47 Freestyler, 39 Eiertänzer, diverse Angehörige und ein paar Zuschauer, die sich angemeldet hatten. Die Qualität des Starterfeldes reichte vom Erststarter bis zur amtierenden Europameisterin (Ich finde, das kann sich sehen lassen und steht selbst einem „Qualifier“ in nichts nach) und im Publikum traf man sogar auf ein paar Ehren- und Würdenträger aus scheinbar längst vergangenen Tagen.

Dieses, wenn auch etwas ungewöhnliche, Setup erklärt aber immer noch nicht, warum dieses Wochenende solche Begeisterungsstürme ausgelöst hat.

Da gab es durchaus schon andere Fun-Turniere, die ebenfalls das Zeug dazu gehabt hätten, aber nicht im Ansatz an dieses Event herangereicht haben.
Warum war aber ausgerechnet dieses Event, der Auslöser dafür, dass längst vergessene Protagonisten dieses Sports sich wiedermal zu Wort gemeldet haben?
Warum spielten ausgerechnet auf diesem Event Hunde, die eigentlich seit Jahren keinen Turnierplatz mehr gesehen haben?

Was zur Hölle machte dieses Event zu einem solchen Erfolg bei den Anwesenden?

Meine Meinung dazu:
Ich bin in den letzten Jahren auf unzähligen kleinen und großen Turnieren gewesen und sicher waren da auch etliche bei, welches mir sehr gut gefallen haben.
Nichts desto trotz sind sich alle Beteiligten immer darüber einig, worum es eigentlich geht: Das Messen mit anderen Spielern und evtl. sogar eine gute Platzierung oder gar einen Titel. Versteht mich nicht falsch, ich habe da überhaupt kein Problem mit und unterstütze das sogar.
Dies gibt jedoch immer eine gewisse Erwartungshaltung seitens der Spieler vor, die ich bei diesem Event irgendwie nicht finden konnte.
Die einzigen Erwartungen, waren die, die man an sich selber stellt und wie man damit umgeht.

Ja klar, auch bei dem Event saßen da zwei Richter und es gab auch eine Siegerehrung.
Trotzdem hatte ich während des gesamten „Turnieres“ den Eindruck, dass dieser Aspekt den wenigsten Anwesenden wirklich wichtig war. Jedenfalls nicht wegen irgendwelchen Platzierungen.
Die gab es nämlich nicht. Stattdessen gab es „nur“ Pokale für den schnellsten Eiertanz, das Team und den Hund des Tages und einen „Spirit Award“. Wohl gemerkt, bei diesem Auszeichnungen ging es (bis auf den Eiertanz) auch nicht um „die Besten“ ihrer Klasse, sondern viel mehr um diejenigen, die für sich genommen besonders waren.

„..für sich genommen…“, „…besonders…“

Ja, ich glaube genau das war das Geheimnis! Es ging nicht um vergleichbare oder messbare Leistung an diesem Tag, es ging auch nicht um irgendwelche Platzierungen.
Vielmehr ging darum, welche Musik man wohl bekommt und wie man damit umgeht, ob es gekochte oder rohe Eier sind, die man balancieren muss und welcher Wahnsinnige wohl über die LKW Plane rutscht, die der Verein extra für die Abendgestaltung besorgt hatte.

schweinehundeDie Veranstalter haben es, mit ihrer ganz eigenen Mischung aus unermüdlichem Perfektionismus und liebevoller Blödelei, irgendwie geschafft, dass man sich an diesem Wochenende nur einem einzigen Konkurrenten stellen brauchte.
Dem eigenen Schweinehund!
Sei es nun beim ersten Start, beim Spiel zu einer extrem ungewöhnlichen Musik, beim Mitternachtsrutschen vor mehreren Dutzend Schaulustigen über eine LKW Plane oder oder oder…

Glaubt mir, es hat an diesem Wochenende so mancher Schweinhund sein Leben gelassen und ich glaube, dass die Stimmung proportional zu der Anzahl der überwundenen Schweinehunde weiter wuchs. Das führte letztendlich wohl auch dazu, dass der ein oder andere Anwesende dankbar darüber sein dürfte, dass die Spieler sich selber noch eine weitere Regel auferlegt haben.

„Regel 3: Was in Kirrlach passiert, bleibt in Kirrlach!”

Ok, Facebook sei Dank, hat Letzteres, nicht wirklich zu 100% geklappt.
Das hat der Stimmung jedoch wenig Abbruch getan und so gehe ich davon aus, dass die vorbereiteten Feedbackbögen durch die Bank positiv ausgefallen sind und stelle mal die Behauptung in den Raum, dass die Veranstalter sich das redlich verdient haben.

Mir bleibt an dieser Stelle eigentlich nur noch eines zu sagen:

DANKE, ich hatte schon lange nicht mehr so ein entspanntes und lustiges Event!
Wir sehen uns dann im nächsten Jahr.

Titelbild: Christiane Mareile (www.flitzepfoten.de)
Artikelfotos: Jasmin Keller-Kohler | Björn Tigges | Christina Weiß

Über den Autor

Björn Tigges
Björn Tigges
Björn Tigges bewegt sich seit 2004 in der Welt des Hundefrisbees.
Zusammen mit seinen Hunden qualifizierte er sich mehrfach für Europameisterschaften und Weltmeisterschaften im Hundefrisbee und unterrichtet, als Hundetrainer (zertifiziert nach §11 Tierschutzgesetz, Abs. 1, Nr. 8f) einzelne Teams, Gruppen und Trainer in ganz Europa.
Darüber hinaus ist er auch immer wieder als Richter in unterschiedlichen Regelwerken unterwegs, bildet neue Richter aus und vertritt derzeit, als "European Tournament Director", die "Ashley Whippet Invitationals"-Weltmeisterschaftsserie in Europa.

Björn Tigges

Björn Tigges bewegt sich seit 2004 in der Welt des Hundefrisbees. Zusammen mit seinen Hunden qualifizierte er sich mehrfach für Europameisterschaften und Weltmeisterschaften im Hundefrisbee und unterrichtet, als Hundetrainer (zertifiziert nach §11 Tierschutzgesetz, Abs. 1, Nr. 8f) einzelne Teams, Gruppen und Trainer in ganz Europa. Darüber hinaus ist er auch immer wieder als Richter in unterschiedlichen Regelwerken unterwegs, bildet neue Richter aus und vertritt derzeit, als "European Tournament Director", die "Ashley Whippet Invitationals"-Weltmeisterschaftsserie in Europa.

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