Diese beiden Sportarten klingen zwar von der Bezeichnung her recht ähnlich, sie haben jedoch nur bedingte Elemente aus der Unterordnung gemeinsam. Doch was ist das jetzt eigentlich beides genau? Worum geht es? Was brauche ich? Und ist das für meinen Hund und mich geeignet?

Die Sportart Obedience (englisch für „Gehorsam“) lässt sich in zwei wieder durchaus verschiedene und eigenständige Sportarten unterteilen. Das UK Obedience und das FCI Obedience. Hier möchte ich mich ausschließlich dem, auch von mir praktizierten, FCI Obedience widmen. Diese Sportart kommt ursprünglich aus England und es wurde in den dortigen Wettbewerben um 1920 zum ersten Mal eine Disziplin namens „Obedience“ gezeigt. Von dort aus haben recht schnell vor rund 60 Jahren die meisten skandinavischen Länder und schließlich auch Deutschland diese Disziplin für sich entdeckt. In Deutschland gab es für diese Sportart 2002 die erste offizielle Prüfungsordnung, also verhältnismäßig recht spät.

Obedience wird sehr oft auch als die „Königsklasse der Unterordnung“ beschrieben, da die verlangten Übungen vom Mensch-Hunde-Team höchste Konzentration, Präzision, Freude, Schnelligkeit und Genauigkeit einfordern. Obi, wie die Sportart liebevoll von ihren AnhängerInnen genannt wird, ist eine anerkannte Sportart und wird in vielen Ländern mit viel Hingabe praktiziert. Dies gipfelt in vielen nationalen und internationalen Wettbewerben mit reger Teilnahme und schließlich in der FCI Obedience World Championship, die 2018 übrigens in den Niederlanden stattfindet. Ein Besuch würde sich also lohnen ob dieser relativ geringen Entfernung.

Es gibt im Obedience vier Leistungsklassen – Beginner, Klasse 1, Klasse 2 und schließlich Klasse 3, also die höchste Leistungsstufe.Voraussetzung für den ersten Start bei einem Turnier ist aber die erfolgreich bestandene Begleithundeprüfung BH-VT, da es sich um eine anerkannte Sportart handelt. Das Leistungsniveau steigt von Klasse zu Klasse, wobei viele StarterInnen in dieser Disziplin der Meinung sind, das Leistungsniveau von Klasse 1 hin zu Klasse 2 wäre für Hund und Halter ein besonders großer Sprung.

In die nächst höhere Klasse kann man übrigens aufsteigen, indem man das Werturteil „vorzüglich“ mit seinem Hund erläuft. Um einige Übungen aus der Beginnerklasse zu nennen: Verhalten gegenüber anderen Hunden, stehen und betasten, Zwei Minuten Ablage (Die Hundeführer sind circa 30 Meter weit entfernt und die Hunde müssen im Abstand von drei Metern zueinander liegen bleiben!), Freifolge (Also Unterordnung bzw. Fußarbeit!), Apport, Positionen aus der Bewegung, Distanzkontrolle und das Umrunden einer Pylone. Man sieht also, dass ein Hund für Obedience nicht nur einen außerordentlichen „will to please“ braucht, sondern auch in vielen Bereichen gut ausgebildet sein muss. Ebenso sollte der im Obedience geführte Hund unbedenklich gegenüber anderen Menschen und Hunden sein, was die Gruppenübungen zeigen. Punkte kann man maximal 320 erlaufen und von dort aus teilen sich die Zahlen prozentual auf für die Werturteile „vorzüglich“, „sehr gut“ und „gut“. Wenn man unter 192 Punkte erlaufen hat, so hat man leider nicht bestanden. Man braucht für die Beginnerklasse recht wenig Equipment. Im Höchstfall eine Box, ein eigenes Apportel und eine Pylone, was aber die meisten Vereine schon besitzen. In der Klasse 3 braucht man hingegen schon recht viel. Von mindestens drei Holzapporteln, hin zu Schildern und Halbschalen, über Hürden und Pylonen, bis zu unter anderem einer Box und vor allem viel Zeit. Da es sich um eine schnelle, genaue und höchst reaktive Sportart handelt, ist sie leider nicht für jeden Hund und HundeführerInnen geeignet. Ältere Hunde haben hier wenig Chancen, anders ist das im Rally Obeidence.

 

Rally Obedience ist eine noch recht junge Sportart, die ihren Ursprung in den USA hat. Sie wurde dort von Charles „Bud“ Kramer entwickelt und fand rasch eine große Fangemeinde. 2002 konnte man die erste deutsche Prüdungsordnung von Christina Sondermann auf ihrer Homepage finden. Mittlerweile erfreut sich Rally Obedience einer Beliebtheit, wie kaum eine andere Sportart. Es gibt allerdings noch keine einheitliche FCI Prüfungsordnung, sodass man internationale Wettbewerbe austragen könnte. Auf nationaler Ebene gibt es aber in vielen Ländern große Prüfungen, wie zum Beispiel in Deutschland die DVG Bundessiegerprüfung oder die SV Deutsche Meisterschaft. Rally Obedience ist eine Funsportart, was bedeutet, dass man bisher keine Begleithundeprüfung oder eine Vereinszugehörigkeit braucht, um auf einem Turnier zu starten. 2017 wurde Rally Obedience allerdings zum ersten Mal auf der World Dog Show in Leipzig präsentiert und gilt nun als anerkannte Sportart.

Rally Obedience findet, genau wie Obedience, in einem klassischen Ring statt. Darin steht dann ein Teil der Schilder, auf denen die einzelnen Übungen beschrieben sind, in einem Parcours, den man der Reihe nach möglichst präzise mit seinem Hund abarbeitet. Man befindet sich sozusagen auf einer Schnitzeljagd nach dem Ziel. Die geforderten Übungen stammen zu einem großen Teil aus der Unterordnung. Fußarbeit, Sitz, Platz, Steh, Kehrtwendungen, 90° bis hin zu 360° Drehungen, aber auch Elemente aus dem Agility, nämlich diverse Hürdensprünge, sind vorhanden. Es gibt beim Rally Obedience fünf Leistungsklassen. Beginner, Klasse 1, Klasse 2, Klasse 3 und eine Seniorenklasse für Hunde ab acht Jahren. Auch für gehandicapte Menschen ist diese Sportart problemlos machbar, da man im Vorfeld für das Turnier, zum Beispiel bei einer Gehbehinderung, eine Parcoursanpassung beantragen kann. Auch hier gibt es die Werturteile „vorzüglich“, „sehr gut“ und „gut“. Eine Besonderheit ist aber auch, dass man bereits mit einem von 100 maximalen Punkten die Prüfung bestanden hat, man hat sich lediglich nicht für die höhere Klasse qualifiziert! Dazu bräuchte es mindestens 70 Punkte und wer dieses Werturteil dreimal erreicht, darf bereits in die nächst höhere Klasse aufsteigen. Warum sich Rally Obedience so rasant zu einer der beliebtesten Sportarten entwickelt hat, liegt aber vor allem an der Möglichkeit, stetig und ständig mit seinem Hund verbal in Kontakt zu stehen. Man darf, selbst im Turnier, dauerhaft Futter und Spielzeug dabei haben, den Hund loben, ansprechen und sogar füttern und streicheln (an bestimmten Schildern!), vor allem aber ganz viel helfen! Rally Obedience ist somit recht gut für eine sehr breite Masse an HundeführInnen und Hunden geeignet – eben auch für ältere Hunde, die nicht mehr allzu beweglich sind, aber dennoch gerne etwas zu tun haben. Um Rally Obedience zu trainieren, braucht man einen Schildersatz DinA 4, am besten einlaminiert (Sonst überleben die Schilder manch ein Wetter nicht!), Schilderhalter, Abdeckungen und Pylonen. In der Beginnerklasse braucht man also Wesentlich mehr Equipment als im Obedience.

Fazit: Sowohl beim Obedience, als auch beim Rally Obedience sollten die Hunde gerne mit ihren Menschen arbeiten und Unterordnung mögen. Am Anfang braucht man im Rally Obedience etwas mehr Equipment als im Obedience, in den höheren Klassen wird das aber wieder ausgeglichen. Für Obedience braucht man einen relativ jungen Hund, der fit ist und gerne auch mal schneller arbeitet. Wohingegen man im Rally Obedience eher Chancen hat mit seinem älteren Hund noch fit zu bleiben. Die schnelleren Aufstiegs- und Erfolgschancen hat man ganz klar im Rally Obedience aber ich plädiere ganz klar dafür, dass man für beide Sportarten sehr viel Fleiß und Genauigkeit braucht in der Arbeit mit seinem Hund! Zwei tolle Sportarten, die einfach riesig Spaß machen! Wenn man beide Disziplinen ernsthaft betreibt, ist die eine nicht schwerer als die andere, man muss eben am besten ausprobieren, was einem selbst und dem Hund am meisten liegt. Vielleicht, wie in meinem Fall, auch beides.


Anne

Anne Hahn ist momentan mit ihren beiden Hunden im Obedience und Rally Obedience im In- und Ausland aktiv und führt beide jeweils in der Leistungsklasse 3. Nebenbei ist sie noch Obedience Ringsteward. Zum Ausgleich trickst und longiert sie mit ihren Hunden. Beruflich hat sie ebenfalls mit selbigen, aber vor allem mit deren Menschen zu tun, denn sie ist professionelle Hundetrainerin nach §11 in Halver und hat dort eine eigene Hundeschule. Außerdem veranstaltet sie Workshops und hält Vorträge in ganz Deutschland. Die Termine dazu können regelmäßig auf ihrer Homepage www.aha-hundetraining.de unter der Rubrik Termine eingesehen werden.

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