Die Gesundheit der Hunde sollte uns allen am Herzen liegen – noch mehr aber den Hundesportlern, die von ihrem Teampartner tolle Leistungen sehen möchten. Allerdings gehen viele Sportarten wie zum Beispiel IPO oder Agility doch auf die Gelenke, Verspannungen treten immer wieder auf… und daher ist der Bereich Physiotherapie für die Hunde sehr wichtig.

Ich habe hier bereits das Buch über die Dorntherapie vorgestellt, mit deren Hilfe den Hunden etwas Gutes getan werden kann. Diesen Monat ist im Schattauer-Verlag das Buch Physiotherapie für Hunde von Sarah Schwarz erschienen und ich freue mich sehr, das Buch hier vorstellen zu dürfen.

Nach einer kurzen Einleitung zum Thema Physiotherapie bei Hunden wirft die Autorin einen Blick auf den Schmerz beim Hund. Der Leser erfährt, wie der Hund Schmerzen äußert und worauf der Halter achten sollte, um Schmerzen erkennen zu können. Je früher Probleme erkannt werden, desto eher können Folgeschmerzen und Fehlhaltungen durch Fehlbelastungen vermieden werden.

Um nun die Ursache für die Schmerzen herauszufinden, wird die Gangbildanalyse vorgestellt. Hier wird der Hund von der Kopfhaltung bis zur Rute genau beobachtet. Auch die Zehen geben Aufschluss darüber, wo der Hund Probleme haben kann. Neben der Gangbildanalyse können auch über die sogenannten Triggerpunkte, die mit Hilfe von Abbildungen gezeigt werden, schmerzhafte Stellen herausgefunden werden.

“Für die Erhebung der Anamnese sollte man sich ausreichend Zeit lassen, da jede noch so kleine Abweichung von der Norm zu Folgeschäden führen kann, die dem Hund Probleme beim Laufen bereiten können.”


Physiotherapie für Hunde: Muskeln aufbauen – Koordination verbessern – Reflexe trainieren


Anschließend beschreibt die Autorin die häufigsten Erkrankungen: Im Rückenbereich werden unter anderem die Knickrute, der Passgang und der Bandscheibenvorfall beschrieben. Die Endo- und die Exorotation der Ellenbogen, Zehen und Kniegelenke bilden ein weiteres Kapitel, ebenso wie Hüftdysplasie, Kreuzbandriss, Patellaluxation und Spondylosen.

Was im Hundesport ein Muss ist, gilt natürlich auch für die Physiotherapie: Ein gutes Warm-Up und Cool-Down. Hierfür bekommt der Leser einige Übungen vorgestellt, die vor bzw. nach dem Hundesport oder beispielsweise vor/nach der Physiotherapie in Folge einer Operationen gemacht werden können. Auch für die Senioren stellt die Autorin ein Übungsprogramm zusammen, immer angepasst an den jeweiligen Hund und dessen Situation.

Im siebten Kapitel geht es um den Ablauf einer Physiotherapie-Stunde. Zu Beginn soll auch hier der Hund durch Massagen, Dehnungen und Warmlaufen aufgewärmt werden, bevor die eigentliche Therapie beginnt.

Der Leser bekommt nun Trainingsideen für die folgenden Bereiche:

  • Reflexe
  • Isometrie
  • Spannung halten
  • Koordination
  • Muskelaufbau

Anhand von Bildern werden die einzelnen Übungsschritte der insgesamt 17 Übungen gut erklärt. Zudem erfährt der Leser, worauf zu achten ist und wann eine Übung nicht durchgeführt werden sollte. Am Ende des Buchs stellt die Autorin für Anfänger Trainingstipps zusammen, wie dem Hund durch das Clickern Übungen beigebracht werden können und worauf beim Training bzw. Lernverhalten der Hunde zu achten ist. Trainingszeiten, Körpersprache von Mensch und Hund, sowie die richtige Belohnung und dem Aufbau der Basics wie Sitz und Platz sind ebenfalls im letzten Kapitel zu finden, so dass auch Einsteiger die hier beschriebenen Übungen nachmachen können.

Erweitert wird das Kapitel “Training” durch Trainingsideen für unterwegs. Hier finden sich Übungen, die im Wald auf Baumstämme oder großen Steinen und Wippen jederzeit mit dem Hund gemacht werden können.

Nach der Trainingseinheit folgt das Kapitel zum Cool-Down, indem ebenfalls beschrieben wird, worauf nach dem Sport bzw. der Physiotherapie zu achten ist. Aufgezeigte Fehlerquellen helfen dem Leser, die Übungen mit seinem Hund richtig zu trainieren – wobei immer erwähnt werden muss, dass nie ohne Rücksprache mit einem Tierarzt und/oder Physiotherapeut gehandelt werden sollte.

Abgerundet wird das Buch durch fünf Fallbeispiele, in denen die Autorin aus ihrem Alltag von Hunden berichtet, die bei ihr in der Behandlung waren. Auch wirft sie einen Blick auf die sogenannten Erziehungshilfsmittel: Ein Geschirr muss richtig sitzen – was anhand von Bildern verdeutlicht wird. Die Wirkungsweise von Stachelhalsbändern wird näher betrachtet (und am Ende in die Tonne geworfen) und die Folgen von dem leider noch häufig angewandten Leinenruck werden aufgezeigt.

Aus gestalterischer Sicht ist das Buch übersichtlich aufgebaut und entspricht einem klassischen “Fachbuch” mit einigen Schritt-für-Schritt-Anleitungen im Trainingsbereich. Abbildungen, Tabellen und Infokästen runden die Texte ab und bieten einen guten Mehrwert.

Für mich sind die vorgestellten Übungen nicht neu, vor allem von den Trainingsideen “Physio to go” hatte ich mir mehr versprochen. Den Hund über liegende Baumstämme gehen zu lassen oder den Elefantentrick auf einem Baumstumpf zu trainieren – ich denke, dass wird vielen Hundesportlern bereits bekannt sein. Für Einsteiger kann das Buch hier aber mit Sicherheit eine gute Ideenquelle sein.

Sehr gut dagegen finde ich die ersten Kapitel zum Thema Gangbildanalyse, da hier dem Leser bewusst gemacht wird, auf welche Details zu achten sind, um Schmerzen vom Hund erkennen und lokalisieren zu können.

Das Buch liefert in meinen Augen einen guten ersten Einblick in den Bereich Physiotherapie für Hunde, auch wenn ich mir nicht sicher bin, für welche Zielgruppe das Buch gedacht ist: Durch die im Bereich Schmerzen und Krankheitsbilder verwendeten Fachbegriffe liest sich das Buch anfangs für “Laien” recht schwierig und der Leser sollte sich in der Anatomie der Hunde gut auskennen. Sobald die Autorin allerdings die einzelnen Übungen vorstellt, ist das Buch für jedermann verständlich und sogar die Hunde-Einsteiger werden durch Beschreibungen vom Clickertraining und den Aufbau von Basics wie Sitz und Platz abgeholt.

Das Buch wird vom Verlag für die folgenden Interessenten angegeben: Tierärzte, Kleintierpraktiker, die Physiotherapie alltagstauglich in ihre Praxis integrieren möchten, Tiermedizinische Fachangestellte, Hundehalter – und diesen Spagat in der Zielgruppe spürt auch der Leser beim Durcharbeiten der einzelnen Kapitel.


Details zum Buch:
Physiotherapie für Hunde
Sarah Magdalena Schwarz

2018. 160 Seiten, 165 vierfarb. Abb., kart.
ISBN 978-3-7945-3263-6

Das Buch erhaltet ihr direkt im Schattauer-Verlag

Zur Autorin

Sarah Magdalena Schwarz, Tierärztin und Physiotherapeutin für Kleintiere; seit 2013 selbstständig in eigener Praxis für Tier-Physiotherapie, seit 2010 in Kleintierpraxis in Speyer tätig; 2011–2012 Physikalisch-Medizinische Fortbildung im Vierbeiner-Reha-Zentrum in Bad Wildungen; Schwerpunkte: Physiotherapie und Physiotraining für Hunde


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Kerstin

Kerstin Schubert arbeitet als selbstständige Informationsdesignerin und ist in ihrer Freizeit auf dem Hundeplatz mit ihrem Berner Wookiee im Obedience Klasse 3 unterwegs. Sie hat die hier im Shop erhältlichen Trainingstagebücher gestaltet und realisiert.

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