Die Hundesportart Rally Obedience nimmt in Deutschland immer weiter zu und auch aus anderen Sparten schauen immer mehr Hundesportler in den neuen Funsport rein. Als Obedience-Sportlerin war ich ebenfalls neugierig und habe mir deswegen die Neuauflage von Angelika Schröder näher angeschaut.

Das Buch Rally Obedience holt Einsteiger wie Fortgeschrittene gleichermaßen ab, wobei der Schwerpunkt mehr auf Einsteiger gelegt wurde. Zu Beginn wird der Sport im Allgemeinen vorgestellt. Hierbei betont die Autorin die allgemein familiäre Stimmung in der Sportart. Nennenswert ist auch, dass es keinerlei Einschränkungen für Mensch und Tier gibt. So können Hunde mit Bewegungseinschränkungen bzw. Menschen im Rollstuhl mitmachen. Einziges Ausschlusskriterium: Schmerzen oder akute Krankheiten wie Durchfall oder ähnliches darf keiner haben.

Anschließend folgt eine kurze Auflistung der Dinge, die für Rally Obedience benötigt werden und welche Signale bzw. Basics der Hund vor Trainingsbeginn können sollte. Ein Parcours ist mit geringem finanziellen und materiellem Aufwand selber zusammen gestellt und für die benötigten Basics stellt die Autorin in einem kurzen Kapitel kleine Trainingstipps vor, so dass anschließend mit dem Rally Obedience begonnen werden kann.

Das Buch ist nun unterteilt in die Übungen für Einsteiger und die Schilder für Fortgeschrittene. So können auch Rally Obedience erfahrene Hundesportler mit dem Buch gut arbeiten und nach Bedarf durch die Unterkapitel springen, um sich Tipps zu den einzelnen Stationen zu holen. Der Hauptteil besteht aus der Beschreibung der Schilder: Zu jedem Schild folgt eine Beschreibung der Aufgabe an dieser Station. Anschließend gibt die Autorin entsprechende Trainingsanleitungen, um die Übung mit seinem Hund aufbauen zu können.

Werden von dem Mensch-Hund-Team die Schilder verstanden, stellt die Autorin kleine Parcours-Varianten vor, um richtig ins Rally Obedience einsteigen zu können. Für Trainer bietet sie zusätzlich Vorschläge zur Gestaltung der Trainingsstunden auf dem Hundeplatz. Nachdem die Übungsparcours beschrieben wurden, geht Angelika Schröder noch einen Schritt weiter und zeigt dem Leser den Ablauf einer Rally Obedience-Prüfung. Angefangen von der Planung einer Teilnahme, über die Meldestelle bis hin zum Tagesablauf, zeigt sie auch Beispiele für Prüfungsparcous in allen Klassen. Zudem bietet das Buch einen Ländervergleich, da Rally Obedience bisher keine international einheitliche Prüfungsordnung hat. Einen Einblick in die Unterschiede zwischen Österreich, der Schweiz und den Regeln in Deutschland machen dies deutlich. In einem Ausblick wird noch einmal auf die Stimmung im Rally Obedience eingegangen und vermutet, dass sich Rally Obedience bis hin zu Weltmeisterschaften entwickeln könnte.

Im Anhang sind Verweise zu offiziellen Internetseiten für weitere aktuelle Informationen gelistet, so dass Interessierte sich weiter informieren und bereits teilnehmende Rally Obedience-Sportler sich auf dem Laufenden halten können.

Die leicht verständliche Beschreibung der Schilder und der dazu passende Trainingsansatz stellen eine gute Anleitung für Einsteiger wie Fortgeschrittene dar. Dabei legt die Autorin viel Wert auf die positive Arbeit mit dem Hund – auch wenn hier und da von einem “energisch betonten” Kommando die Rede ist, das ich bei einem guten Aufbau des Hundes nicht für nötig halte. Im Rally Obedience darf mit Körperhilfen gearbeitet werden und so hat der Hundeführer sehr viele Möglichkeiten, seinem Hund in der Prüfung und noch mehr im Training zu zeigen, was er von seinem Teampartner möchte. Die Autorin baut die meisten Übungen über das Locken durch Futter auf. Hier würde ich mir bei manchen Stationen die Vorstellung von alternativen Trainingsansätzen wünschen, denn das Locken ist nur eine von vielen Methoden. Zusammenfassend lässt sich allerdings sagen, dass das Buch dem Leser ein sehr gutes Bild von der noch neuen Hundesportart gibt – auch Hundesportler aus anderen Sparten werden sehr gut abgeholt und könnten mit dem Training direkt anfangen.

Abschließend möchte ich allerdings noch einen Punkt ansprechen: Die Autorin betont sehr deutlich die familiäre Stimmung der Rally Obedience Gemeinschaft. Allerdings fragt man sich als Obedience- oder auch Agility-Sportler, warum sie so ein negatives Bild über die anderen Sportarten hat. Jeder Hundesport hat seinen eigenen Reiz und überall sollte mit positiven Trainingsmethoden gearbeitet und sogenannte “Hilfsmittel” wie Stachelhalsband usw sind auch da nicht erlaubt. Die “schwarzen Schafe” hinter den verschlossenen Türen wird es leider überall geben – auch im Rally Obedience. Hier liegt es an jedem Einzelnen in jeder Sportart, Aufklärung zu leisten und solche Methoden nicht zu dulden. Auch bleibt jedem selber überlassen, ob er sich von der allgemeinen “Schneller-Höher-Weiter”-Mentalität mitreißen lässt. Die meiste Zeit im Hundesport besteht aus Training und damit aus Spaß für alle Beteiligten (so sollte es zumindest sein – alle anderen tun mir persönlich leid) und nicht aus Prüfungen. Und auch auf Prüfungen kommt es letzendlich doch immer auf die Teilnehmer an, was sie aus ihrem Tag machen und wie sie miteinander umgehen. So gibt es auch im Rally Obedience den Ehrgeiz und der wird mit dem Bekanntheitsgrad der Sportart mit Sicherheit zunehmen. Daher einfach an alle Hundesportler: Habt Spaß mit euren Hunden und genießt die gemeinsamen Tage auf dem Hundeplatz. Jeder ist seines Glückes Schmied 😉

Details zum Buch:
Rally Obedience – Der Hundesport für jedermann
Schröder, Angelika
176 Seiten, 17x 24 cm ca. 100 farbige Abbildungen, broschiert
ISBN: 978-3-8404-2047-4

Das Buch erhaltet ihr direkt im Cadmos-Verlag unter
https://www.cadmos.de/rally-obedience-2017.html

Buchbeschreibung:
Rally Obedience ist endlich ein Hundesport, der für alle Zwei- und Vierbeiner geeignet ist: Dicke, dünne, große, kleine, junge, alte und genauso gut auch für Hunde oder Hundeführer mit Behinderungen. Bei Rally-O steht die Freude an der gemeinsamen Beschäftigung im Vordergrund und genau die vermittelt das Buch. Es bietet eine detaillierte Darstellung der unterschiedlichen Übungen bis hin zu Teilnahmebedingungen an Turnieren nach dem aktuellen Reglement von 2017.

Über die Autorin:
Angelika Schröder lebt mit ihrem Mann und drei Australian Shepherds in Niedersachsen. Nachdem der Hundesenior der Familie am Agility nicht mehr teilnehmen durfte, fand sie in den Rally Obedience Übungen die ideale Ersatzbeschäftigung. Nach der anfänglich überraschenden Erfahrung, dass Rally Obedience stark zur Intensivierung der Bindung zwischen Hund und Besitzer beiträgt, baute sie in ihrer privaten Trainingsgruppe die Sparte Rally Obedience auf und beteiligte sie sich überregional intensiv am Aufbau eines Trainer- und Richternetzwerkes mit dem Ziel, Rally Obedience als attraktiven Turnier-Hundesport in Deutschland zu verbreiten. Angelika Schröder ist  Richterin für Rally Obedience Prüfungen und hat am neuen Reglement des DVG mitgewirkt.


Kerstin

Kerstin Schubert arbeitet als selbstständige Informationsdesignerin und ist in ihrer Freizeit auf dem Hundeplatz mit ihrem Berner Wookiee im Obedience Klasse 3 unterwegs. Sie hat die hier im Shop erhältlichen Trainingstagebücher gestaltet und realisiert.

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