Beim Aufbau der Kontaktzonen scheiden sich die Geister:
Runnings oder 2on2off und welche Methode genau?

Zunächst sollte sich jeder die grundsätzliche Frage nach der für sich und seinen Hund besten Variante stellen. Weder Runnings noch 2on2off erfordert mehr oder weniger Training. Das Training ist nur anders.

Bei Runnings kommt man irgendwann an den Punkt, wo es ohne eigenen Steg nicht funktioniert. Schließlich geht es zu einem ganz großen Teil darum, dass der Hund quasi ohne nachzudenken seine Hits absolviert und so die Zonen trifft. Dafür braucht es die Wiederholungen am Gerät, um das Muskelgedächtnis zu trainieren.

2on2off kann man auch ohne Agility-Geräte im Garten und im Alltag immer wieder trainieren und weiter ausbauen. Wenn man es gut generalisiert reicht es, wenn ab und an die Gelegenheit besteht, an einem Steg und/oder einer Wand zu trainieren.

Auch im Turnier ist nicht für jedes Team pauschal Runnings oder 2on2off geeignet. Klar ist, dass der Hund bei Runnings in der Regel schneller ist. Aber was nützt es mir, wenn ich selbst gar nicht so schnell bin und eventuell die Sekunde, die der Hund in der Zone steht, brauche, um aufzuholen. Wenn man diese Zeit nämlich braucht und der Hund rennt durch, kommt es danach in den meisten Fällen an einem der folgenden Hindernisse zum Dis.

Dann wäre da noch die Sache mit der Gesundheit:
Bei Runnings läuft der Hund eine fließende Bewegung, bei 2on2off stoppt der Hund zum Teil sehr hart. Aber auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel und es kann sich beides auf die Gesundheit des Hundes auswirken.

Und zu guter letzt die Frage: Muss es an Wand und Steg die gleiche Methode sein oder geht auch Runnings am Steg und 2on2off an der Wand? Und was ist eigentlich mit der Wippe?
Ganz klar, kann man Steg und Wand unterschiedlich trainieren. Bei manchen Hunden ist es auch nur mit viel Aufwand möglich, die Runnings auch an der Wand zu trainieren. Da macht es manchmal Sinn, für die Wand 2on2off zu wählen. Und dass Runnings an der Wippe nicht funktionieren, dürfte jedem klar sein, aber auch der klassische 2on2off Aufbau funktioniert hier nicht, da der Hund nicht mit Vollspeed in die Position rennen kann, schließlich muss die Wippe erst runter gehen. D. h. da ist eh ein anderer Aufbau vonnöten.

Eine klare Tendenz zu der einen oder anderen Methode gibt es pauschal in meinen Augen also nicht. Jeder sollte die Vor- und Nachteile für sich selbst abwägen.

Ich habe mich bei meinen Hunden aus verschiedenen Gründen für den Aufbau von 2on2off entschieden:
1. ganz klar mangelende Erfahrung mit Runnings
2. ich bekomme eine mini Orientierungspause im Parcours
3. ich kann mit meinen Hunden fast alles hierfür in unserem kleinen Garten trainieren, in dem kein Steg Platz hat

 


Lina

Dipl.-jur. Lina Engelken lebt mit ihrem Mann, ihrem Sohn und ihren 4 Hunden (Aussie, 2 Border Collies und Papillon) in Bremen. Sie betreibt mit ihrem Papillon Agility und Frisbee und startet aktiv auf Turnieren. Sie ist Hundeerzieherin & Verhaltensberaterin IHK|BHV und betreibt seit 2009 eine eigene Hundeschule. Mehr Infos zu ihrem Angebot findet Ihr auf ihrer Homepage, auf der Fb-Fanpage oder in ihrem youtube-channel.

2 Comments

Sandra Engmann · 11. Juli 2018 at 21:08

Der Hund sollte schon nicht nur mit dem Muskelgedächnis bei RC die Zone treffen. Es ist ein komplexer Vorgang, bei dem auch der Kopf beteiligt ist. Der Hund sollte bei allen verschiedenen Aufgängen die Zone treffen könne.
Genauso verhält es sich an dem Hindernis nach dem Abgang, auch da muss der Hund selbstständig arbeiten können. Dafür gibt es Abbiege- und Vorschick- Kommandos. So können auch weniger Lautstärke HF den Hund nach der Zone führen.
M.E. brauchen Runnings mehr Zeit und Wiederholungen zum vollständigen Austrainieren, als 2/2.
Ich kenne keinen Hund, der an der Wand 2/2 zeigt, aber an dem Steg RC. Aber umgekehrt schon.

    Lina · 12. Juli 2018 at 12:31

    Liebe Sandra, vielen Dank für Deine Gedanken. Selbstverständlich ist sowohl bei Runnings, als auch bei 2on2off immer der Kopf beteiligt. Aber das Muskelgedächtnis ist eben bei den Runnings tatsächlich ein wichtiger Faktor, der bei 2on2off weniger Bedeutung hat und wofür es viele Wiederholungen braucht – wie Du ja selber schreibst.
    Auch in dem Punkt mit den Kommandos für die folgenden Hindernisse gebe ich Dir Recht. Diese Signale muss ich mit meinem Hund zusätzlich erarbeiten und dann auch noch richtig einsetzen – ich selbst verwechsel gerne verbale Signale…
    Ich persönlich glaube nicht, dass Runnings so viel mehr Trainings-Zeit in Anspruch nehmen, als saubere und eigentständig gearbeitete 2on2off. Habe hierzu aber auch keine Studie angestellt 😉
    Und ob ich meinem Hund nun unterschiedliche Arbeitsweisen für die unterschiedlichen Geräte beibringe, bleibt, wie gesagt, jedem selbst überlassen – wenn der Hund eins der beiden sauber zeigt und es gut aufgebaut ist, würde ich es immer für beide Geräte verwenden.

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