Der September ist vorbei, die meisten Titel sind verteilt und somit nähern wir uns nun mit schnellen Schritten dem Ende der diesjährigen Turniersaison. 

Das bedeutet auch, dass nun die Zeit beginnt, in der die Regelwerksvertreter sich darüber Gedanken machen werden, was man ändern könnte und was sich definitiv in der nächsten Saison ändern sollte.

Wie nahezu jedes Jahr wird es dann am Anfang der nächsten Saison kleine und große Änderungen in den unterschiedlichen Regelwerken geben, die in den meisten Fällen irgendwo in der dieser Saison ihren Ursprung nahmen und demnächst durchdacht und ausformuliert werden.

Hier dürfte auch dieses Jahr wiedermal das Thema Leistungsklassen aufgegriffen werden.
Wie viele Klassen brauchen wir wirklich? Reicht eine für Klasse für Anfänger und eine für „Profis“ oder benötigen wir noch irgendetwas dazwischen? Müssen irgendwelche Beschränkungen für die Teilnahme in den einzelnen Klassen her?

Zum Hintergrund: Prinzipiell ist es so, dass es in den meisten Regelwerken nur eine Leistungsklasse gibt, in der die Teams um den jeweiligen Meister-Titel spielen. In dieser Klasse darf allerdings wirklich jedes Team spielen. Unabhängig davon, wie gut oder schlecht ein Team ist – jedem Team ist freigestellt, in welcher Klasse es spielt. 

Ich persönlich finde diese Freiheit toll und ich mag den Gedanken, dass jedes Team selber entscheiden kann, wann es sich mit „den Großen“ messen möchte oder ob es noch ein paar Turniererfahrung bei den Anfängern sammelt. Das nimmt der ganzen Sache – erfahrungsgemäß – eine ganze Menge Druck. Leider führt diese Freiheit aber auch immer wieder zu einem sehr unschönen Phänomen, welches die Klassendiskussion auch immer wieder aufs Neue anheizt. 

So finden wir mit der größten Regelmässigkeit Teams in den Anfängerklassen, die den Richtern, Zuschauern und anderen Spielern ein Spiel präsentieren, bei dem es sich definitiv nicht mehr um das Spiel von Anfängern handelt und wohl auch manche Spieler in der offenen Klasse durchaus blaß aussehen lassen könnte.

Warum aber ist das ein Problem?

Im Prinzip könnte es doch egal sein, wie lange ein Team bei den Anfängern startet und was die da zeigen. Ja, im Prinzip ist es egal, ob die Leute 1 oder 10 Turniere bei den Anfängern starten.

Was man an dieser Stelle jedoch nicht vergessen sollte ist die Tatsache, dass durch jedes Team, welches ein sehr weit fortgeschrittenes Spiel in der Anfängerklasse präsentiert, auch das durchschnittliche Leistungsniveau dieser Klasse deutlich nach oben geht.
Dieser Anstieg führt dann wiederum dazu, dass es vielen Neulingen deutlich schwerer fällt, ihr erstes Turnier zu spielen, da sie glauben, dass eben dieses veränderte Leistungsniveau von einem Anfänger erwartet wird. Im Laufe der Zeit dürfte dies dann dazu führen, dass die Spieler immer länger warten, bis sie ihr erstes Turnier starten und dadurch dann natürlich auch ihrerseits ein recht hohes Leistungsniveau vorweisen können.

So kommen wir dann ruck zuck in einen kaum umkehrbaren Kreislauf, der zwar sicherlich das Leistungsniveau sämtlicher Turniere vorantreiben wird, auf der anderen Seite jedoch ebenfalls dazu führen wird, dass wir kaum noch echte Anfänger auf den Turnieren sehen werden.

Was mein ihr, warum schaffen wir die Anfängerklassen also nicht direkt ab und sparen uns jede weitere Diskusion? Oder habt ihr evtl. sogar noch Vorschlag, wie man diese und ähnliche Probleme in den Griff bekommen könnte? 

Schreibt mir eure Antworten einfach in die Kommentare.
Ich bin sehr gespannt, was ihr darüber denkt.

Über den Autor

Björn Tigges
Björn Tigges
Björn Tigges bewegt sich seit 2004 in der Welt des Hundefrisbees.
Zusammen mit seinen Hunden qualifizierte er sich mehrfach für Europameisterschaften und Weltmeisterschaften im Hundefrisbee und unterrichtet, als Hundetrainer (zertifiziert nach §11 Tierschutzgesetz, Abs. 1, Nr. 8f) einzelne Teams, Gruppen und Trainer in ganz Europa.
Darüber hinaus ist er auch immer wieder als Richter in unterschiedlichen Regelwerken unterwegs, bildet neue Richter aus und vertritt derzeit, als "European Tournament Director", die "Ashley Whippet Invitationals"-Weltmeisterschaftsserie in Europa.

Björn Tigges

Björn Tigges bewegt sich seit 2004 in der Welt des Hundefrisbees. Zusammen mit seinen Hunden qualifizierte er sich mehrfach für Europameisterschaften und Weltmeisterschaften im Hundefrisbee und unterrichtet, als Hundetrainer (zertifiziert nach §11 Tierschutzgesetz, Abs. 1, Nr. 8f) einzelne Teams, Gruppen und Trainer in ganz Europa. Darüber hinaus ist er auch immer wieder als Richter in unterschiedlichen Regelwerken unterwegs, bildet neue Richter aus und vertritt derzeit, als "European Tournament Director", die "Ashley Whippet Invitationals"-Weltmeisterschaftsserie in Europa.

4 Kommentare

Britta Reiland · 3. November 2018 um 11:55

Da das mal ein Thema ist wo Kommentare echt Sinn machen – ich gehöre zu den – Zitat „Beginnern, die man nicht als Spieler ernst nehmen kann, weil ich mich ja auf dem Feld eh nur ein bisschen mit meinem Hund beschäftige“

Mir ist es egal, wann und wo ich starte und es braucht auch keine Klassen – die Frage ist tatsächlich wieviel echte Anfänger die Fortgeschrittenen so zwischen ihren Reihen dulden mögen ?!?!

Und wie das Publikum wohl damit umgehen mag, wenn es keine Tranparenz zum Leistungsstand gibt?

Und es wäre mal spannend, wenn die Richter NACH dem Start die Klasse bestimmen dürften

Anne · 3. November 2018 um 15:16

Fakt ist ja, wenn das Leistungsniveau in der Anfängerklasse so hoch ist wie in der Offenen, dann erfüllt die Anfängerklasse nicht mehr ihren Zweck.

Trotzdem finde ich eine Anfänger Klasse wichtig, um Anfängern den Einstieg zu vereinfachen. Wenn ich als Neuling zwischen den Profis spielen soll, schreckt mich das eher ab.

Wie bekomme ich also eine Anfängerklasse mit entsprechendem Niveau?

Ich komme aus der Reitsportszene und würde gern ein paar Aspekte daraus aufgreifen.
Zum einen gibt es dort Leistungspunkte. Die Leistungspunkte definieren klar in welcher Klasse ich starten darf. Nach einem Jahr verfallen die Punkte wieder. Das wäre ein hoher administrativer Aufwand. Zudem würden wahrscheinlich Leistungspunkte als Hund-Mensch Kombo Sinn machen. Aber irgendwie muss ich dagen, passt das auch nicht so in die liberale Frisbee-Welt.

Was aber auch ganz klar geregelt ist im Reitsport: was wird in der jeweiligen Leistungsklasse erwartet? Gespiegelt auf Frisbee kann ich mir da z.b. vorstellen keine Flips, keine Vaults, aber auch eventuell eine kürzere Zeit für die Kür. Wie wäre es wenn, man zb nur 1-1,5 Minten hätte? Für mich war es lange ein Grund nicht zu starten, weil ich einfach keine 2 Minuten füllen konnte. Das würde meiner Meinung nach auch diejenigen rausfiltern, die eigentlich schon in die offene Klasse gehören. Die wollen dann nämlich doch gerne schon mehr zeigen.

Außerdem gibt es im Reitsport Protokolle und gerade in den Anfängerklassen auch ein kurzes mündliches Feedback im Anschluss an die Runde. Das hätte ich mir besonders als Anfänger, aber auch jetzt in der offenen Klasse gewünscht. Ich hatte diesen Vorschlag schon einmal in der facebook-Gruppe gemacht und da hiess es, es sei zu wenig Zeit dafür. Ich bin kein Richter und will mir da nicht anmasen darüber zu urteilen. Vielleicht sind Protokolle mit etwas Übung, vorgedruckten Formularen und durch Weglassen der Punktevergabe dennoch wenigstens in der Anfängerklasse realisierbar.

Mein persönliches Fazit: Wenn es dann wirklich nur um “Erfahrung sammeln” geht in der Anfängerklasse, dann finde ich darf man die Anforderungen etwas runterschrauben (keine Flips, keine Vaults, Kür nur 1 Min.) und anstatt von Punkten gibt es ein Protokoll mit Feedback. Das wäre sowohl für unerfahrene Spieler, als auch für unerfahrene Hunde ein schöner Einstig. Alle mit etwas mehr Ehrgeiz können dann in der Offenen starten.

Janna · 4. November 2018 um 17:35

Wie wäre es mit einer Fun-Klasse, wo eine ausführliche Bewertung (Bogen mit Unterpunkten zum ankreuzen der jeweiligen Bewertung des Unterpunktes und Platz für Anmerkungen) aber ohne Rangierung? Da können die Richter echten Einfluss auf Anfänger und auch Fortgeschrittene nehmen, die Stärken und die Schwachstellen aufzeigen. Ggf kann es auch ein Kästchen geben mit der Empfehlung in Anfänger oder Profi Klasse zu starten. Diese Klasse hat sich zum Beispiel im Dogdance sehr bewährt, es gibt auch viele, die aus Überzeugung nur in Fun Klassen starten, weil sie dort frei von Erfolgsdruck oder falschen Erwartungen einfach Spaß mit ihrem Hund auf dem Feld haben können.
eine Reglementierung, wer wann noch Anfänger starten darf ist immer mit ziemlich viel Aufwand verbunden, vielleicht ist so eine Klasse die Lösung?

Magdalena · 5. November 2018 um 12:48

Um meinen Standpunkt hierzu klar und schlüssig darstellen zu können, muss ich sagen, dass ich aus dem Agility komme. Mit diesem Sport beschäftige ich mich nun seit mehr als meinem halben Leben.
Mein nun 2,5 Jähriger Rüde hat mich nun zum Frisbee gebracht.
Wir sind zusammen noch nicht als Team im Turnier geschehen aufgetreten, weil mich wohl, wie viele andere, zwar der Ehrgeiz gepackt hat, aber meine Perfektion die Schranken hält.
Es gilt zu sagen, dass der Wechsel von Gassenslalom auf den normalen (mit allen Bögen) im September erfolgt ist – gestern hatten wir unser zweites Training ohne Hilfsmittel und er hat ihn wirklich schon gut im Griff.

Leistungsklassen finde ich, gerade als junge Sportlerin UNHEIMLICH WICHTIG!
Angefangen habe ich mit unserem mittlerweile pensionierten Labrador-Mischling. Ich bin absolut kein Mensch der in Prüfungs-/Turniersituationen Ruhig bleiben kann, und so hat sich mein Stress auf den Hund übertragen – Über kurz oder lang haben wir dann aufgehört zu kämpfen.

Gerade im Agility fällt immer mehr auf wie viel gerade junge Hunde schon alles können. Slalom ohne Hilfe von Herrchen/Frauchen war vor 5-10 Jahren noch absolut nicht üblich, man verbrachte die Zeit damit, seinen Hund und sich selbst an die Turnier-Situatuation zu gewöhnen. Jetzt schicken die “Turnierler” ihre Hunde nach vorne weg, schicken in den Rücken oder ins Außen aus 5-10 m Entfernung.
Das schlimme daran ist, dass die Anfänger Hunde dann aber nicht wie meiner 2,5 Jahre alt sind, sondern gerade 18 Monate. Man bedenke, dass Slalomtraining gerade bei großen Hunden, oder kleinen Hunden mit langen Rücken nicht zu früh begonnen werden sollte. Bei aller Liebe, man kann mir nicht erzählen, dass hier mit Vorsicht und Bedacht im Training gehandelt worden ist – natürlich gibt es einige Wiff-Zacks, die’s schnell und schön verstehen.

Der Leistungsdruck kommt dann sowieso, warum also junge Teams den Druck aussetzen und ihnen die Möglichkeit nehmen in das Turnierleben hinein zu schnuppern?

Fazit also ist, bitte nehmt uns nicht die Möglichkeit zu einem Team zu werden, dass auch den Stress eines Turnieres bestehen kann. Es ist sooo wichtig, dass wir nicht vergessen, das es um das Team Work mit unseren 4-Beinern geht und das auch junge Hunde erfahrener Spieler sich erst im Tuniergeschehen zurecht finden müssen.

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