Sprünge im Hundesport

Immer wieder Thema, immer wieder in der Diskussion – das worüber sich die meisten einig sind: Sprünge im Hundesport sind gefährlich! Der Hund kann stürzen, kann sich verletzen, Knochen können brechen, Sehnen reißen oder es gibt als Folge der Sprünge degenerative Veränderungen.

Dazu gehören u.a. Spondylosen, Arthrosen und Sehnenverkalkungen, die dem Hund dann langfristig das Leben erschweren und die Lebensqualität im Gesamten deutlich mindern können. Ja, kann passieren – muss aber nicht!

Was mag der Auslöser für solche Verletzungen und Folgeschäden sein?

Fragt man dazu mal die „Allgemeinheit“ der Hundebesitzer und auch Sportler, bekommt man vermehrt zu hören, dass dies ja eigentlich nur den Hunden passiert, die sehr viel und vor allem sehr hoch springen müssen. Die Hunde, die nur ab und zu und das dann bitte auch noch niedrig springen, die haben solche Probleme eher nicht. Stimmt das? Wenn ja, würde das doch bedeuten, dass Hunde, die nur niedrige Hindernisse springen, sich deutlich weniger verletzen und viel seltener mit degenerativen Folgen belastet werden und das Verletzungsrisiko durch Unfälle dann auch deutlich geringer ist. Oder anders gesagt: „Je niedriger der Sprung, desto weniger gesundheitliche Gefahr für den Hund“ und „Je seltener der Hund springt, desto geringer ist das Verletzungsrisiko des Hundes bei diesem Sprung“?

Nein, so einfach ist es nicht…

Ganz ehrlich, ich teile diese Ansicht ganz sicher nicht! Ja, statistisch gesehen hat ein Obediencehund, der im Vergleich zum Agilityhund mit viel weniger Sprüngen in seinem Sport konfrontiert wird, natürlich weniger Möglichkeiten, sich beim Übersprung zu verletzen.

Aber auf den einzelnen Sprung bezogen – und da nehme ich mir tatsächlich einfach die Freiheit heraus, dies so zu betrachten – hat dieser Hund genau dasselbe Verletzungsrisiko für diesen einen Sprung wie der Agilityhund.

Ihr dürft mich da gerne eines Besseren belehren, aber ich als Sportphysiotherapeutin möchte mich in der Behandlung und Betreuung meiner Obediencehunde nicht darauf ausruhen, dass die ja nicht so oft springen, wie andere Sporthunde und auch für den Hundesportler, macht es wenig Unterschied, ob der Hund an dem einzigen vorhandenen Hindernis gestürzt ist und sich verletzt hat, oder ob dies an dem dritten von insgesamt 10 Hindernissen geschehen ist.

Jeder Sprung bringt ein Verletzungsrisiko mit sich und man sollte sich nicht auf der Statistik und steigenden Wahrscheinlichkeit ausruhen, sondern den Anspruch haben, für jeden einzelnen Sprung dafür zu sorgen, dass das Unfallrisiko so gering wie möglich ist.

Was erhöht das Unfallrisiko?

Das Unfallrisiko kann durch diverse Faktoren erhöht, aber auch gemindert werden und ich erwähne hier ganz sicher nicht alle. Der Hund sollte vor allem gesund und den Anforderungen des Sprungs geistig und körperlich gewachsen sein. Er muss sich auf den Sprung konzentrieren können, er muss muskulär ausreichend aufgebaut sein und er sollte wissen, wie man springt. Die Kommunikation mit dem Menschen muss funktionieren und somit auch die Einflussnahme auf das Geschehen rund um den Sprung herum (Stichwort: Tempo, Anlauf etc.).

Der Mensch sollte wissen, was er tut und die Bedingungen (Gelände, Boden, Gerät..) im Umfeld so gestalten, dass das Unfallrisiko weitestgehend gesenkt wird.

All dies ist von der ausgeführten Sportart tatsächlich vollkommen unabhängig, aber es gibt auch diverse sportartspezifische Möglichkeiten, die im Rahmen der Unfallprävention zu berücksichtigen sind.

„Niedrige Sprünge sind weniger gesundheitsschädlich“

Ach ja? Ehrlich? – diese Aussage werdet ihr hoffentlich so nie von mir hören, denn das kann so nicht korrekt sein. Dazu erkläre ich gerne einmal kurz, was ICH unter „gesundheitsschädlich“ verstehe:

Alles, was jetzt, in naher oder ferner Zukunft die Gesundheit des Hundes negativ beeinflussen kann bzw. eine (falls nicht behandelt wird)  länger andauernde Beeinträchtigung in der Bewegung verursacht und somit gleichzeitig Fehbelastungen und Folgeschäden ermöglicht, gehört für mich in den Begriff „gesundheitsschädlich“ mit rein. Damit sind also nicht nur akute Verletzungen gemeint, sondern auch durch die sportliche Tätigkeit verursachte Blockaden, Verspannungen und Mikrotraumen, die erst zeitverzögert und bei Nichtbeachtung/Nichtbehandlung sichtbare und/oder bleibende Veränderungen im Bewegungsapparat des Hundes verursachen.

Auch niedrige Sprünge können für einen Hund gesundheitsgefährdend sein, wenn diese nicht passend für den Hund ausgeführt werden und je nach Sportart bzw. je nach Sprung ist ein „zu niedrig“ sogar noch weitaus belastender als ein „zu hoch“. Lassen wir also einfach das pauschalisieren und halten fest: Ob und in wie weit ein Sprung gesundheitsgefährdend ist, entscheidet nicht nur die Höhe des Hindernisses oder die Anzahl, sondern vor allem das wie und unter welchen Voraussetzungen springt der Hund diesen Sprung!

Fazit – in der Betrachtung der Sprünge im Hundesport machen Pauschalaussagen wenig Sinn!

Das Sprungverhalten und die Anforderungen des Sprungs im Hundesport sollten aus meiner Perspektive und so, wie ich es in meiner Arbeit umsetzen möchte, immer individuell für jedes Mensch-Hund-Team betrachtet werden. In wie weit ein Sprung gesundheitsgefährdend für einen Hund ist, lässt sich weder an der Menge, noch an der Höhe oder Breite pauschal für alle Sporthunde festlegen. Nur in der „Einzelbetrachtung“ kann ich Aussagen zur bestehenden und AKTUELL vorhandenen Belastung und Unfallgefahr tätigen.

Spannenderweise sind selbst dies dann nur „Momentaufnahmen“. Wer also viel Wert auf die Gesunderhaltung seines Sporthundes legt, ist immer wieder aufs Neue gefordert und kann sich weder auf Pauschalaussagen, noch auf das, was für den Hund vielleicht vor 6 Monaten noch galt, verlassen.

Hinter jedem Sprung steckt viel mehr, als auf den ersten Blick vermutet wird und wer mehr zu unserem „sportartenunabhängigen und sportphysiotherapeutischen Sprungtraining“ wissen möchte, sollte Bjoern Tigges und Britta Reiland u.a. bei Facebook im Blick behalten.

Das nächste Seminar zum Thema wird voraussichtlich am 23. und 24.3. stattfinden.

https://www.facebook.com/BjoernTigges/

https://www.facebook.com/Britta-Reiland-Gesundheit-auf-4-Beinen-383915588433986/

 

Kategorien: Allgemein

Britta Reiland

Britta Reiland, geb. 01.09.1974 Sportphysiotherapeutin, Dozentin und Autorin

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