Vom Umgang mit Blockaden und Verspannungen…

Im letzten Blogartikel habe ich ein bisschen was zu Blockaden und Verspannungen erklärt und hoffe, dass damit eine realistischere Vorstellung für Hundebesitzer und Trainer zu diesem Thema entsteht. Blockaden und Verspannungen hängen immer zusammen und das eine gibt es nicht ohne das andere!

Von der Nase bis zur Rutenspitze – alles hängt zusammen

Jeder Körper – natürlich auch der unserer Hunde – besteht aus einer sehr vielfältigen Struktur aus Knochen, Muskeln, Sehnen, Bändern, Faszien, Nerven, Gefäßen, Organen usw. und alles ist miteinander verbunden. Nerven versorgen die einzelnen Bereiche und verlaufen z.B. durch Muskeln, Sehnen verbinden Knochen und Muskeln, Faszien umhüllen Organe und halten diese an ihrem Platz, Gefäße sind für deren Versorgung zuständig und Bänder stützen Gelenke. Diese Aufzählung ist nur ein sehr kleiner Ausschnitt aus dem mehr als komplexen Zusammenspiel aller körperlicher Strukturen und wenn man es genau nimmt, ist dies auch nur ein Bruchteil von dem, was in einem Körper miteinander „agieren“ kann: Stoffwechselwirksame Vorgänge, das Herz-Kreislaufsystem oder die Auswirkungen der Hormonausschüttungen wollen wir hier der Einfachheit halber gar nicht bedenken 😉 .

In diesem Blogartikel geht es um Verspannungen und Blockaden und wir betrachten sehr reduziert nur das Zusammenspiel der unmittelbar beteiligten Strukturen: Muskeln, Knochen bzw. Gelenke, Bänder und Sehnen und die Nerven, die diese Bereiche versorgen.

Das Zusammenspiel

Jeder Muskel arbeitet in seinem Bereich mit anderen Muskeln zusammen und in diesem Zusammenspiel sind alle beteiligten Strukturen von Natur aus perfekt aufeinander eingestimmt. Der einzelne Muskel bewegt sich normalerweise genau in dem Umfang, wie es die Bewegung erfordert und wird dabei von den an dieser Bewegung beteiligten Muskeln, den Synergisten, unterstützt. Gleichzeitig gibt es die Gegenspieler, die Antagonisten, die dafür zuständig sind, die Bewegung genau an der richtigen Stelle zu bremsen bzw. zu beenden und die knöchernen Anteile dieser Bewegung, die ebenfalls von Natur aus einen bestimmten Bewegungsspielraum nutzen können.

Im Gegensatz zu starren Maschinen wirken hier in sich bewegliche und auch flexible Teile miteinander und diese können sich auch immer bis zu einem bestimmten Maß an den Aufgaben ihrer Mitspieler beteiligen, falls diese nicht voll funktionsfähig sind.

Dieses Zusammenspiel hat Vor- und Nachteile zu gleich:

Kurzfristig gesehen kann es sogar überlebenswichtig sein, dass die an einer Bewegung beteiligten Muskeln gemeinsam einen in seiner Funktion eingeschränkten Muskel (z.B. durch eine Verspannung) ergänzen oder auch ersetzen. Dadurch wird die Gesamtbeweglichkeit aufrecht erhalten, der Hund kann weiter rennen, springen o.ä.

Langfristig gesehen sieht das leider anders aus, denn die Muskeln, die nun für den eingeschränkten Bereich mitarbeiten sind auf Dauer nicht dafür gedacht. Die ungewohnte Mehrbelastung sorgt nach und nach für Überlastungsprobleme, weitere Muskeln verspannen, weitere Blockaden können entstehen.

Beginnt die Verspannung im Bereich der hinteren Lendenwirbelsäule, muss sich automatisch die Muskulatur im Übergang zum Kreuzbein und zum Becken entsprechend anpassen. Wie oben beschrieben übernimmt die umliegende Muskulatur Bewegungsarbeit, die sie eigentlich nicht gewohnt ist und wie im letzten Blogartikel erklärt, führen die verspannten Muskeln auch zu einer Bewegungseinschränkung in den Wirbelgelenken in diesem Bereich.

Ein Problem, was zunächst im Übergang Lendenwirbelsäule/Kreuzbein besteht, weitet sich auf längere Sicht automatisch aufgrund der Verbindungen und Zusammenarbeit der beteiligten körperlichen Strukturen in alle Richtungen weiter aus:

Die Problematik für den Hund – insbesondere für den Sporthund

Wir erinnern uns: ALLE Strukturen im Körper sind irgendwie miteinander verbunden,  beeinflussen und unterstützen sich, wenn der Körper gesund und normal beweglich ist.

Nun haben wir aber im obigen Beispiel einen in der Bewegung eingeschränkten Bereich in der Lendenwirbelsäule, der nicht behandelt wurde und sich auf längere Sicht und je nach Belastung weiter ausbreitet. Gerade im sportlichen Bereich und mit den dort herrschenden intensiveren Anforderungen hat dies schnell weitere Konsequenzen. Die Beweglichkeit ist eingeschränkt, drum herum liegende Areale werden mehr belastet und reagieren, wenn nichts zur Verbesserung getan wird, wiederrum mit Verspannungen und Blockaden. Das normale Bewegungsmuster ist nicht mehr in vollem Umfang abrufbar. Die Folgen daraus, insbesondere für den Sporthund, sind ein deutlich erhöhtes Verletzungsrisiko, weil dieser z.B. nicht die geforderte Sprunghöhe erreicht und weitere Übertragungen auf nun auch entferntere Bereiche des Körpers.

Die langanhaltenden Einschränkungen im Bereich der Lendenwirbelsäule und des in Folge in Mitleidenschaft gezogenen Beckens sorgen neben einem erhöhten Verletzungsrisiko und der Fehlbelastung in dem direkt betroffenen Bereich letztendlich auch für eine Mehrbelastung im Bereich der Vorhand bzw. aufgrund der muskulären und faszialen Verbindungskette zwischen Becken und Halswirbelsäule auch zu Verspannungen und Blockaden im Halsbereich.

 

Fazit

Je länger kleinere Probleme ignoriert werden, desto mehr Möglichkeiten haben diese, sich auf den restlichen Körper auszubreiten und dort ernsthafte Schäden zu verursachen. In diesen ganzen Prozessen der Problemweitergabe gilt natürlich, je höher die generelle Belastung des Hundes ist, desto schneller weiten sich Problemzonen auch aus.

Und je höher die Anforderungen an den Hund, desto größer die Gefahr, dass solche Einschränkungen und Veränderungen im gewohnten Bewegungsmuster zu einem erhöhten Verletzungsrisiko führen.

Mein Tip: Lerne die gesunden Bewegungsmuster deines Hundes genau kennen, so dass du sofort bemerkst, wenn er Probleme hat und nimm Hinweise von Trainern ernst, wenn diesen etwas in dieser Richtung auffällt. Regelmäßige Kontrollen beim Sportphysiotherapeuten sorgen dafür, dass sich kleinere Probleme nicht zu großen gesundheitlichen Problemen auswachsen können.

Kategorien: Physiotherapie

Britta Reiland

Britta Reiland, geb. 01.09.1974 Sportphysiotherapeutin, Dozentin und Autorin

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