Vorwort von Davina Schwochert

Der Weg, Trainer zu werden, ist meist ganz unterschiedlich, aber sehr viele, so wie ich auch, sind aus dem aktiven Training mit dem Hund zum Trainer geworden. Ich beispielsweise war immer selbst aktiv im Hundesport – vom Training bis hin zu großen Meisterschaften. Dann wurde ich selber Trainer, erst ehrenamtlich im Verein und nun auch gewerblich in der eigenen Hundeschule. Ich trainiere, weil es mir wegen so unterschiedlichen Gründen einfach Spaß macht zu traineren. Ich glaube, ein guter Trainer sollte auch mit Herzblut dabei sein und dahinter stehen, was er tut. Viele vergessen dabei aber die Schattenseite eines Trainers. Eine Schattenseite, die ich anfangs auch nicht so ernst genommen habe, die mich aber immer mehr belastet hat. Man – ich – möchte als Trainer alles richtig machen, heißt meine Teams voranbringen, richtig bespaßen und dies fordern meine Schüler, egal ob in der Hundeschule oder im Verein, auch von mir.

Jetzt kommt das dicke, fette Aber: Was ist eigentlich mit meinem Hund, der so viele Stunden auf der Reservebank sitzt und zusieht, wie “Mami” andere Hunde bespaßt? Ja, mein Hund kam eine Zeit lang viel zu kurz und genau das hat mich sehr belastet. Oft wird von anderen auch noch verlangt, dass der Trainerhund doch gut “funktionieren” muss, ein Vorbild sein sollte, ein Genie und mega erfolgreich im Sport oder anderen Bereichen des Trainings. Wie soll der Trainerhund das von der Reservebank aus schaffen (im Training, im Sport und auf sozialer Ebene)? Wie kann ich als Trainer diesen Ansprüchen gerecht werden und muss ich das überhaupt? Ist es eigentlich den “Schülern”, den Teams bewusst, die man ja so gut wie möglich trainieren möchte, in was für einer Schwierigkeit der Trainer und sein Hund stecken, die Waage zu halten zwischen guter Trainer sein, guter Sportler sein und gute Hunde”mami” zu sein?
Bevor ich aber auf mich, meinen Hund, meinen Weg und meine Lösung eingehe, möchte ich euch die Geschichten, Berichte und Erfahrungen meiner Trainerkollegen nicht vorenthalten.

Erfahrungsbericht von Britta Kalff

Ja, es ist so, meine Hunde warten ständig auf der Reservebank, bis sie nach dem Training der “anderen” dann auch mal “dürfen”. Ja, sie sind geduldig und brav und ich bin unendlich stolz auf sie, dass sie diese Wartezeiten immer und ausschließlich ohne murren und meckern ertragen. Schön ist das sicher nicht immer: “Danach” ist Frauchens Konzentration schon gen Nullpunkt gewandert, Impulsekontrolle und Geduld sind aufgebraucht, was zum nächsten Problem führt ….. ich bin schnell mal ungeduldig, erwarte zu schnell zu viel. Auf der Gegenseite sind meine Hunde aber voller Elan und Energie, denn sie haben ja die ganze Zeit untätig rumgesessen und drauf gewartet, endlich dran zu sein. Da muss man sich selbst unheimlich gut managen, um sich selbst das Training mit den Hunden nicht zu vermasseln. Oft gibt es lieber eine spaßige Quatschrunde als echtes Training, um genau das zu umgehen. Dies führt aber dann wieder dazu, dass man selbst nicht weiterkommt und sich im Kreis dreht. Ich habe für mich, denke ich, einen sehr guten Weg gefunden. Ich habe feste Zeiten für meine Mädels eingeführt, wo nichts davor und nichts danach geplant ist und daran halte ich mich möglichst strikt. Noch dazu haben wir einen Trainingsplan, der das Training möglichst effektiv gestaltet und wenn alles durcheinander gerät .. dann wird eben nur gespielt.

Trainerhunde haben aber noch ein weiteres Problem, nämlich dass Außenstehende immer meinen, Trainer haben perfekte Hunde und wenn sie das nicht sind, kann man kein guter Trainer sein. Bjelle ist das beste Beispiel dafür: Aggressiv gegen Hunde, ungeduldig, reaktiv und mit großen Problemen in der Aufmerksamkeit. Bin ich nun ein schlechter Trainer? Der ein oder andere wird das meinen, denn ich bekomme ja nicht mal meinen Hund in den Griff. Beleuchtet man aber mal, was dahinter liegt, dann wird schnell klar, auch Trainerhunde sind einfach nur Hunde. Bjelle wurde mit 4,5 Monaten massiv von einem 40 kg Hund von hinten niedergeknüppelt und 8 Wochen später von zwei Galgos mit Tötungsabsicht durch den Wald gehetzt. Keine Frage, woher ihre Probleme kommen. Ja,wir arbeiten daran und ja, es ist viel besser geworden, aber weg geht es nicht. Sie ist so schwer traumatisiert worden, dass es sich auch auf weite Bereiche ihres Lebens ausgeweitet hat. Alles, was von hinten kommt, ist gefährlich. Generell ist sie schreckhaft und hat ihre Sinne immer an, nach zwei solchen Überfällen ist das wohl kein Wunder.

Bin ich nun immer noch ein schlechter Trainer? Ich denke nicht, denn ich versuche ihr Leben so zu gestalten, dass sie mit all dem gut leben kann, dass sie immer mehr lernt, stückchenweise noch besser damit zu leben. Wie sagte mal ein sehr netter Menschenpsychologe: “Man kann nicht jede psychische Krankheit heilen, aber man kann dem Menschen zeigen, dass man auch mit ihr sehr gut leben kann, wenn man sich ihr stellt und Wege findet, daraus das Beste zu machen.” Genau das wollen wir.

Ich bin im übrigen nicht nur ein schlechter Trainer, sondern auch noch ein schlechter Züchter, denn ich habe eine Hündin behalten, die in meinen Augen nicht zuchttauglich ist. Ihr Wesen entspricht nicht dem, was ich mir für eine Zuchthündin vorstelle. Behalten habe ich sie trotzdem. Das heisst, ich habe als Trainer einen Hund, den ich kaum als Vorführhund einsetzen kann, als Züchter einen Hund, mit dem ich nicht züchten kann… Bin ich nun “schlecht”? Ich würde behaupten Nein – sondern ich bin gut …. denn ich versuche vorzuleben, dass man nicht perfekt sein muss, dass man nicht immer den Normen entsprechen muss, dass man aber etwas angefangenes zu Ende bringt, sich seiner Verantwortung bewusst ist und “dran bleibt”.

Ich hoffe ich bin ein schlechter Trainer, ein schlechter Züchter, aber ein gutes Vorbild.

Erfahrungsbericht von Natalie Knaack-Enkelmann

2000 zog meine Kira bei mir ein, ein Angsthund, vorher als Kettenhund gehalten worden und ihr Besitzer war alles andere als nett mit ihr umgegangen. Und so kam es, dass ich Tierpsychologie mit Fachrichtung Hund studierte und mich die Praktikta, die ich absolvierte, faszinierten und ich mehr wissen wollte: Mehr, wie ich meiner Kira noch helfen kann und mehr, wie ich anderen helfen kann. 2008 zog dann Jenna mit acht Wochen bei uns ein und Jenna ist der Vorzeigehund schlechthin. Also draussen! Drinnen klaut sie gerne, steht gerne auf Tischen und nichts, was irgendwie fressbar ist, ist vor ihr sicher. Derzeit haben wir noch Kentucky (mittlerweile vier Jahre alt), welcher bei uns geboren und aufgewachsen ist und Grace (mittlerweile sechs Jahre alt), welche ebenfalls bei uns geboren und aufgewachsen ist. Wenn ich Trainings gebe, sind meine Hunde meistens nicht dabei, da ich nicht möchte, dass sie zu sehr in Frust geraten. Aber nach den Trainings ist quality time für uns angesagt.

Ich finde es immer sehr wichtig, dass meine Kunden wissen, dass auch meine “Trainerhunde” ganz normale Hunde sind. Sie fressen und spielen genauso, wie andere Hunde auch. Nur, dass sie eben anders trainiert werden, sobald sie einziehen oder alt genug sind. Sie lernen halt auch als Babys schon andere Dinge, da ich weiss, was ich für mich und meinen Alltag trainieren möchte. So lege ich zum Beispiel keinen Wert darauf, dass meine Hunde beim Spaziergang permanent neben mir laufen, sie dürfen da einfach mal vor und zurück laufen, so wie es ihnen gerade passt. Ich lege auf einige Dinge großen Wert, weil sie mir in meinem Alltag mit meinen Hunden wichtig sind.. Aber es gibt auch Dinge, die mir einfach nicht so wichtig sind. So zum Beispiel der Rückruf meiner Hunde, welche ich durch (für mich und meine Hunde) wunderbare Spiele aufgebaut habe.

Ich finde, Trainerhunde haben es oft schwer, da sie die Rolle des “Vorzeigehundes” haben. Deswegen erkläre ich meinen Kunden auch immer wieder, dass meine Hunde ganz normale Hunde sind – sie kennen nur einfach von Baby an andere Dinge, als andere Hunde.
Es gab eine Zeit, da habe ich extrem viele andere Hunde trainiert und meine Hunde sind zu kurz gekommen und ich fühlte mich total schlecht, da sie Familie sind. Seitdem habe ich mir regelmäßigen Freiraum mit meinen Hunden eingeräumt und geniesse es richtig, wie glücklich wir alle dann sind.

Erfahrungsbericht von Lina Engelken

Warum müssen Trainerhunde eigentlich immer perfekt sein? Nur weil wir wissen, wie es theoretisch geht? Wir sind doch auch nur Menschen und unsere Hunde sind auch nur Hunde. In unserem täglichen Leben erleben unsere Hunde Schwachstellen von uns, wir schaffen es mal nicht, zu 100 % konsequent zu sein und manchmal müssen auch wir über den Unsinn unserer Hunde schmunzeln. Außerdem haben auch unsere Hunde ihren eigenen Charakter, ihre eigene Geschichte und ihre eigenen Erfahrungen.

Meine Australian Shepherd Hündin “Chips” ist mittlerweile fast acht Jahre alt und ist bei mir, seit sie neun Wochen alt ist. Sie kam als ganz normaler Welpe, zwar beschrieb die Züchterin sie schon damals als respektlos, aber das sollte wohl für mich als Trainerin, mit damals immerhin zwei Jahren Erfahrung, wohl kein Problem sein – dachte ich…
Das erste halbe Jahr war dieser Hund auch ein Traum. Sie liebte es zu clickern, war aufmerksam und mit Feuereifer dabei. Okay – der kleine Australian Shepherd “hütet” Autos und Radfahrer, aber damit hatte ich fast gerechnet. Schließlich ist es ein Arbeitstier und es ist ja tatsächlich etwas, woran man gut arbeiten kann.
Leider ist sie dann mehrfach von anderen Hunden gebissen worden und hat angefangen, Hunde schon aus großer Entfernung anzupöbeln. Mit einem Jahr kam dann noch der traurige Höhepunkt, dass sie das erste Mal in einer beengten Situation einen Menschen gebissen hat. Es war meine Schuld. Ich habe die Situation verkannt und habe ihr nicht geholfen – ja, auch Hundetrainer machen Fehler im Umgang mit ihren Hunden! Der schlaue Hütehund hat genau diese eine Situation gebraucht, um zu verknüpfen, dass man Menschen beißen muss, damit sie einen in Ruhe lassen.
Von nun an habe ich viel Zeit, Schweiß und Tränen investiert, um diese zwei (bis drei) Probleme in den Griff zu bekommen. Das Jagen/Hüten von Autos hatten wir relativ schnell über eine Gegenkonditionierung unter Kontrolle. Das Problem mit anderen Hunden und das Angreifen von Menschen blieb. Und bis heute gibt es Situationen, in denen ich sie nicht frei laufen lassen würde und in denen sie lieber zur zusätzlichen Sicherung einen Maulkorb trägt.

Wir haben sehr, sehr viel erreicht. Mittlerweile wohnen bei uns drei andere Hunde und ein Kleinkind, was noch vor vier Jahren undenkbar gewesen wäre. Chips läuft Agilityturniere und ist im Obedience bis Klasse 2 geführt worden. Ich bin stolz, diesen Hund zu haben. Stolz auf mich, was ich mit ihr erreicht habe, wie ich sie wieder hinbekommen habe. Stolz auf den Hund, was sie mir alles beigebracht hat. Und ich bin auch stolz, dass ich als Trainer den Mut und das Rückgrad habe dazu zu stehen, dass meine Hunde nicht perfekt sind und es auch nicht sein müssen.

Oft musste ich mir Fragen anhören, dass sie doch bestimmt eine schlimme Kindheit hatte und ob ich sie noch nicht lange habe. Es gab auch Zeiten, da war ich es Leid, unsere Geschichte wildfremden Menschen zu erzählen und habe diese Fragen dann einfach nur bejaht. Mittlerweile stehe ich dazu, dass sie ist, wie sie ist. Sie ist einer der tollsten Hunde, die ich kenne – grundehrlich, kuschelbedürftig ohne Ende, voller Arbeitseifer, ein loyaler Begleiter und Beschützer und die beste Rudelchefin, die ich mir wünschen kann! Und ihre Spezialeffekte wird sie wohl mit ins Grab nehmen. Die Erfahrungen, die ich durch sie machen durfte, werden aber immer bleiben und begleiten mich mittlerweile fast täglich in der Arbeit mit verhaltensauffäligen Hunden

Erfahrungsbericht von Susan Schulze

Meine erste Hündin Lara war mein kleiner großer Traum: Mein erster eigener Hund (ich war gerade 12 Jahre alt), voller Freude aufs Lernen und Arbeiten mit mir. Wir haben gemeinsam verschiedenste Hundesportdinge ausprobiert, sie hat mich nahezu überall hin begleitet. Mit ihr machte ich auch meine ersten Erfahrungen als Trainerin in einem Hundesportverein. Sie war eine tolle Hündin und man konnte leicht das Gefühl bekommen, das man ein echt tolles Händchen für Hunde hat. Und dann kam Luna! Was habe ich in ihrem ersten Lebensjahr geheult, weil dieser Hund sich einfach an gar nichts halten wollte. Sie war 11 Wochen alt und zuckersüß, beim Spaziergang grundsätzlich nicht ansprechbar. Kuscheln? Bäh. Spielen? Kann sie besser alleine. Futter? Tzzz, braucht Luna nicht. Andere Hunde? Überflüssig. Alleine bleiben? Nein! Keine Minute! Jagen? Yeah! Ich war ihr schlichtweg egal, wir waren kein Team und der Weg dahin war lang und zäh. Manchmal habe ich wirklich darüber nachgedacht Luna wieder abzugeben … auf einen Bauernhof, wo sie tun und lassen kann, was sie möchte und in den Tag leben kann, wie sie es lustig findet. Ich habe sie behalten!

Mittlerweile ist sie fast 9 und auch wenn ich das Zusammenleben mit ihr an manchen Tagen verfluche, so ist sie ein toller Hund geworden. Wir sind ein Team, ich kann mich auf sie verlassen. Auch wenn das manchmal heißt, dass ich schlechtes, unpassendes Verhalten sicher vorhersagen kann. Man sagt immer, dass jeder den Hund bekommt, den er braucht. Und daran ist viel wahres. Ich habe Luna gebraucht. Sie hat mich zu der Hundehalterin und Trainerin gemacht, die ich heute bin. Luna hat mir viel Geduld und Verständnis beigebracht. Für Außenstehende hat sie nach wie vor ziemlich viele Baustellen. Sie kann immer noch nicht besonders gut alleine bleiben. Sie bewacht alles. Blumentöpfe, Papierschnipsel, Mützen. Sie fühlt sich sehr unwohl in der Gegenwart von Kindern und muss deswegen manchmal einen Maulkorb tragen. Sie möchte keine anderen Hunde in ihrer Nähe haben. Für sie sollte am besten jeder Tag gleich ablaufen, dann ist ihre Welt in Ordnung. Machen wir was anderes, bekommen Besuch, fahren alle gemeinsam weg. Stress, Unruhe, schlechte Laune. Natürlich kenne ich für so ziemlich jede Baustelle einen Trainingsweg, um daran zu arbeiten. Ich möchte mich aber nicht nur auf die Baustellen konzentrieren. Ich möchte mit ihr Hundesport machen, Tricks einüben, Dummys jagen lassen, eine neue DogdanceChoreo einstudieren, lange Spaziergänge machen, sie im Garten rumflitzen lassen, und und und. Das macht uns Spaß, lässt unsere Augen glitzern und uns zusammen wachsen. Mittlerweile kenne ich für fast jede Baustelle mehrere Wege, um diese gut zu managen und damit in unserem Alltag umzugehen. Wir haben schon so viel geschafft und erreicht, vor allem im Alltag.

Haben Trainerhunde nun ein schweres Los? Ja. Sie müssen sehr oft zurück stecken. Die Zeit, die wir mit anderen Mensch-Hund-Teams verbringen, können wir nicht mit unseren eigenen Hunden genießen. Unsere Trainingsrunden finden ganz oft morgens um 5 oder abends nach 9 statt. Für das eigene Training bleibt oft viel zu wenig Zeit, aber die Ansprüche werden ja nicht kleiner. Fast jeder ist mit dem Trainerhund irgendwie kritischer und erwartet viel mehr, als von einem anderen Hund. Sei es im Alltag oder beim Sport. Das geht mir selber auch manchmal unbewusst so und ich muss mich aktiv daran erinnern, dass es eben nur Hunde sind, keine kleinen Roboter und jeder Hund ist anders. Und als Trainer lernt man ziemlich oft neue Übungen, neue Wege zu den Übungen und so weiter kennen – wie oft müssen unsere als Versuchskaninchen herhalten und diese neuen Ideen mit uns ausprobieren. Oder mal eben als braver Proband für einen anderen Hund mitmachen. Und nein, Trainerhunde genießen meist auch den Luxus, das wir viel mehr Verständnis für die “Macken” unserer Hunde aufbringen, sie nicht in unnötige Situationen bringen, nicht jahrelang an Baustellen rumüben und darüber die eigentlich schönen Dinge des Lebens vergessen. Wir konzentrieren uns viel mehr auf die guten Seiten der Hunde, fördern diese und die kleinen Schwachstellen rücken nach und nach in den Hintergrund. Mein Umgang mit Luna prägt mich sehr und lasse ich in meine Arbeit als Trainerin immer mit einfließen. Ohne sie hätte ich wahrscheinlich immer noch ganz andere Ansprüche an das Zusammenleben mit Hunden. Hunde sind nicht perfekt und das müssen sie auch nicht sein. Weder Trainerhunde, noch alle anderen.

Der Weg, den ich erst finden musste von Davina Schwochert

Ich bin ein Mensch, ein Trainer, der es am liebsten allen recht machen möchte, sein Bestes gibt und dabei eigene Bedürfnisse ganz hinten anstellen lassen hat. Bis irgendwann der Punkt kam, an dem ich feststellte, dass ich auch Ziele und Wünsche habe. Abgesehen davon, dass sich ein kleines Wesen auf mich verlässt. Also habe ich angefangen, mir einen Plan zu machen. Einen Plan, der Zeiten und Trainingsinhalte mit/für meinen Hund und mich erhält. Es ist wichtig, wenn man so hohe Ziele hat wie ich, das Training bestmöglichst zu strukturieren, bei wenig effektiver Trainingszeit.

Mein Hund begleitet mich sehr oft (eigentlich fast immer) zum Training, in den Verein sowieso, aber eben auch in die Hundeschule. Wenn die Gruppen nicht ausgebucht sind und es passt, dann bin ich manchmal sogar so frech, mit meinem Hund mitzuturnen. Was in meinem Konzept ganz gut geht. Meine Kunden akzeptieren das sehr gut. Natürlich ist es aber Kundenzeit und keine SchnulliTime (Schnulli heißt meine Cattleline).

Jetzt, wo ich mir bewusst Trainingszeiten für meinen Hund nehme und sie nicht einfach nebenher laufen lasse, geht es mir und ich glaube auch ihr viel besser. Und mittlerweile habe auch ich gelernt, dass ich und auch mein Hund Fehler machen dürfen. Es ist nicht schlimm, wenn wir auch mal schwache Leistung (im Bezug auf den Sport) zeigen. Das gehört zu jedem Training dazu, wenn man nicht mit einer Maschine trainiert. Aber das Selbstbewusstsein musste ich mir tatsächlich erst aneignen.

Fazit von Davina Schwochert

Es geht durch die Erfahrungsberichte ein roter Faden und zwar: Lieber Trainer, mach dir einen Plan für dich und deinen Hund, strukturiere dein Training mit deinem Hund gut, dann kommst auch du mit deinem Hund zum Zuge. Und ganz ehrlich, dafür haben wir doch auch unsere Hunde, um mit ihnen effektive Zeit zu verbringen.

Unsere Trainerhunde müssen nicht perfekt sein und schon gar nicht den Ansprüchen von anderen gerecht werden. Wir müssen mit unseren Hunden leben und arbeiten, also genügen unsere eigenen Ansprüche völlig aus – die, ich gebe es zu, auch nicht gerade gering sind *lach*.
Ich glaube jeder Trainer muss da seinen Weg finden und sich einmal in die Lage seines Gefährten versetzen, dann seinen ganz eigenen Plan machen und sich seiner Erwartungen an seinen Hund bewusst sein.

Also ja, ich finde unsere Trainerhunde haben es echt nicht leicht. Ich hoffe und bitte die Schüler/ Zuschauer/Außenstehenden um mehr Verständnis. Vielleicht ist durch diesen Beitrag ein bisschen was zum Nachdenken geblieben. Und vielleicht urteilen jetzt nicht mehr alle so hart über einen Trainerhund. Das würde ich mir sehr wünschen. Denn auch wir haben nur Hunde. Im übrigen tut es auch einem Trainer mal sehr gut, im Bezug zu seinem Hund und im Allgemeinen gelobt zu werden

 

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Davina

Mit Motivation und Leidenschaft im Hundesport! Ich bin Davina Schwochert und liebe die Abwechslung und die Herausforderung im Hundesport. Es gibt nichts schöneres, als zu beobachten, wie die Teams wachsen und Fortschritte machen. In jedem Hund steckt ein Genie, das man nur herauszukitzeln braucht. Meine Tätigkeitsfelder sind im Rally Obedience, Treibball, Hoopers, Frisbee, Tricksen und DCD (Dancing Circle Dogs). Außerdem bin ich VDH Wertungsrichterin im Rally Obedience und engagiere mich sehr im Verein. Ich und mein Hund sind zu jeder Schandtat zu haben.

2 Comments

Bettina · 6. März 2018 at 18:13

Liebe Davina,
ja, mir ist bewusst, in welchem Zwiespalt du steckst, sowohl uns, deinen Kunden und ihren Hunden, als auch deinem Hund, der dich begleitet, gerecht zu werden. Eine ganze Zeit habe ich mich gefragt, ob es für Schnulli eigentlich gut ist, immer dabei zu sein. Es ist ja nicht immer „ein Platz frei“, so dass ihr mit uns trainieren könnt. Letztlich möchtest Du ja auch keine „freien Plätze“ haben, sondern Geld verdienen; das ist im Verein natürlich anders. Seitdem du den Unterricht auf 2 Tage komprimiert hast, habt ihr 2 aber die anderen Tage für euch, quality time! Das ist, denke ich, ein guter Weg für euch.
Bei unseren Trainings habe ich nicht das Gefühl, dass irgendein Verständnis fehlt. Ich, für meinen Teil, nehme aus deinem Verhalten gegenüber Schnulli immer wieder etwas Lehrreiches mit.
Und last but not least, ich als Kunde, der nach einer nicht so geglückten Runde sieht, dass beim Trainer/Hund-Team auch mal etwas nicht so klappt wie es soll, ist dann doch beruhigt. Gut Ding braucht eben Weile; für uns Ungeduldige ist das manchmal schwierig.
Wie schön, dass du auch dem Trainerhund hier eine Plattform gegeben hast.

Bis zum nächsten Training, Bettina mit Jule

    Davina · 6. März 2018 at 18:22

    Hallo liebe Bettina,

    Danke für deine lieben Worte.

    Schnulli & Davina

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