Beim Treibball lernt Dein Hund, erst einen Ball und dann später auf Turnieren drei, sechs oder acht Gymnastikbälle aus einer Distanz von 5 bis 20 Metern möglichst geschickt und schnell zu Dir in ein Tor zu schieben. Es gibt meist einen klassischen Lauf auf Zeit, bei dem die Bälle zu Beginn in Dreiecksform angeordnet auf dem Spielfeld liegen. Und einen zweiten Durchgang, bei dem die Bälle immer anders liegen können und gezielt nach Farben oder Zahlen zu spielen sind. Dabei ist es Aufgabe des Menschen, den Hund mit Wortsignalen oder Sichtzeichen jeweils zum nächsten zu spielenden Ball zu dirigieren.

Neben den klassischen Hüte- und Treibhunden haben auch Hunde anderer Rassen viel Spaß am Spiel mit den bunten Bällen. Auch sehr kleine und sehr große Hunde, zum Beispiel vom Papillion bis zur Deutschen Dogge sind sehr erfolgreich an Turnieren.

Hier ein Größenvergleich zur Wahl der passenden Ballgröße:

Es empfiehlt sich das Schieben der Bälle langsam, ruhig und Schritt-für-Schritt aufzubauen. Und das Training so zu gestalten, dass Dein Hund auch wirklich weiß, was er tun soll. Er muss lernen, dass er die Bälle nur auf Signal schieben und schon gar nicht alleine damit seine Spielchen auf der Wiese treiben darf.

Aufbau der Signale “Stups”, “Warte” und “Schieb”:

Im Folgenden erkläre ich Dir Schritt für Schritt, wie Du mit dem Aufbau der Signale “Stups”, “Warte” und “Schieb” beginnen kannst. All diese Signale sind auch sehr hilfreich beim Tricktraining.

Zunächst noch ein allgemeiner Hinweis: Du musst nicht die gleichen Signalworte verwenden, die ich benutze. Wenn Dir ein anderes Wort besser gefällt, oder Dein Hund für ein Verhalten schon ein anderes Wortsignal kennt, dann nimm gerne andere Worte. Achte darauf, dass sich die einzelnen Worte nicht zu sehr ähneln. Sehr ungünstig wäre es zum Beispiel, wenn Du für “Warten” das Wort “Bleib” wählst. Und für “Schieben” das Wort “Treib”. Denn “Bleib” und “Treib” klingt sehr ähnlich.

Die Übungen und Signale “Stups” und “Warte”

Das Signal “Stups” (oder auch “Nase”, “Nose”…) bedeutet: “Berühre einen Gegenstand EINMAL kurz mit der Nase”. Nach jedem Berühren nimmst Du den Gegenstand kurz beiseite und bietest ihn dann Deinem Hund erneut wieder an. Mache die Übungen immer mehrfach in Intervallen und mit kurzen Pausen. Und auch nicht alles direkt nacheinander in einer Einheit/an einem Tag.
Je nach Hund (Alter und Trainings-Erfahrung) sollten die Intervalle anfangs je 30 Sekunden bis
1:30 Minute kurz sein und die Pausen ebenso gewählt werden. Das heißt, wenn Du Dir vornimmst 5-10 oder auch mal 15 Minuten mit Deinem Hund zu üben, dann hat er in dieser Zeit 3-5 Übungs-Intervalle und genau so viele Pausen, in denen die Gegenstände unerreichbar für ihn sind. Er darf in den Pausen rumschnüffeln, sich hinlegen, sich kraulen lassen…, ganz, wie er mag.

Bitte beginne die Übungs-Intervalle am besten jedes Mal mit einer aufmunternden Floskel wie:

“Wir üben”, “Wir clickern”, “Action”…

und beende jeden Intervall mit einem ruhigen:
“Pause”, Siesta”, “Fertig”, “Ende”…

Dann weiß dein Hund schon bald, wann es sich lohnt, dir Aufmerksamkeit zu schenken und etwas anzubieten und wann er relaxen kann oder soll.

Übungsaufbau Schritt für Schritt

  1. Das Signal “Stups” = Verschiedene Gegenstände mit der Nase berühren. Dazu eignen sich zum Beispiel: eine Fliegenklatsche, ein Targetstab, ein Kochlöffel oder auch ein kleiner Ball…
  2. Benenne das Berühren der Gegenstände anfangs mit einem Signal, zum Beispiel “Stups”. Und zwar immer genau in dem Moment, indem Dein Hund sie mit der Nase berührt.
  3. Im weiteren Trainingsverlauf das Signal “Stups” auffordernd sagen, also kurz BEVOR dein Hund den hingehaltenen Gegenstand erneut berührt.
  4. Das Signal “Warte” einführen und ihm den Gegenstand entziehen, wenn er ihn ohne dein Signal “Stups” berühren möchte.
    Das Ziel ist: wenn Du “Warte” sagst, hält sich dein Hund am hingehaltenen Gegenstand zurück und berührt ihn erst, nachdem Du auffordernd “Stups” gesagt hast.
  5. WICHTIG: Nicht immer nur das “Stupsen” mit Lob/Click und Leckerchen belohnen, sondern immer mal wieder auch das ruhige “Warten” belohnen!

Übungs-Variante – Der Trick “Türen schließen”:

Wenn Du Lust hast, lernt Dein Hund jetzt Türen zu schließen. Denn beim Treibball geht es ja darum, einen Ball kontinuierlich vorwärts zu bewegen… bis er bei Dir angekommen ist. Und dazu muss er auch mal etwas fester stupsen. Beim Türe schließen soll der Hund lernen, sie solange mit der Nase zu stupsen/schubsen, bis sie ganz zu ist. Daher ist es im Training hilfreich, noch ein weiteres Signal einzuführen: “Weiter”, was bedeutet, dass dein Hund ein Verhalten, dass er gerade zeigt, “weiter” tun soll. Das “Weiter” nutze ich später auch in anderen Zusammenhängen.

Übungsaufbau Schritt für Schritt:

  1. Lasse deinen Hund deine Hand anstupsen
  2. Klebe dir einen Post-It-Zettel in die Handfläche und lasse ihn den Post-It stupsen
  3. Klebe den Post-It-Zettel auf Nasenhöhe an eine Tür und stell Dich anfangs hinter die Tür
  4. Fordere deinen Hund mit dem Signal “Stups” auf den Post-It-Zettel zu stupsen (lass deine Hände aus dem Spiel – denn es geht ja nun nicht mehr darum, Deine Hand oder etwas in Deiner Hand anzustupsen, sondern die Tür und später andere Gegenstände und einen Ball. Dein Hund soll lernen, dass die Hände damit nichts zu tun haben. Auch wenn sie in der Nähe sind und ab und an Leckerchen geben.
  5. Wenn Dein Hund zu zaghaft stupst, fordere ihn auf, nochmal zu stupsen. Du kannst auch anfangen, ein weiteres Signal einzuführen “Weiter”. Forder ihn auf, “Weiter” zu stupsen, bis die Tür zu ist.
    Sollte dein Hund die große Zimmertür zu gruselig finden, dann suche Dir eine Schranktür. Aber lege unten am besten ein Handtuch über die Kante, damit die Tür nicht mit einem lauten Krachen zufliegen kann.
  6. Damit Dein Hund die Tür zukünftig auch zuverlässig zumacht, wenn Du auf dem Sofa sitzt, muss das Endergebnis wieder ein eigenes Signal bekommen – zum Beispiel “Tür zu”. Wenn Du einfach nur “Stups” zu ihm sagen würdest, weiß er ja nicht, was und wo. Du sagst dein neues Signal anfangs immer dann, wenn dein Hund die Tür eben gerade zugemacht hat. Nach ein paar Wiederholungen kannst Du beginnen, das neue Signal auffordernd zu Deinem Hund zu sagen, bevor er mit dem Stupsen der Tür beginnt. Wenn er noch nicht ganz verstanden hat, was Du von ihm willst, dann nutze nochmal Deine Hilfssignale “Stups” und “Weiter”.

Trainings-Tipps: Neues Signal einführen

Um Deinem Hund ein neues Signal beizubringen, sagst Du es anfangs ein paarmal, während Dein Hund das neue Verhalten, dass Du auf Signal bringen möchtest tut. Ab dann sagst Du das neue Signal immer VOR dem alten Signal oder der bisherigen Hilfestellung. Mache dann zwischen dem neuen Signal und dem bisherigen Auslöser des Verhaltens immer längere Pausen, bis Dein Hund das alte Signal/die Hilfestellung nicht mehr braucht und das neue Signal mit dem neuen Verhalten verknüpft hat und es zuverlässig ausführt.

Übertragen der Übung auf weitere Gegenstände:

Die Übungen “Stups” und “Warte” übertragen wir nun noch auf weitere Gegenstände, die zunächst auf einen Hocker am Boden gelegt werden. Dadurch, dass sie nun erhöht stehen, setzen die meisten Hunde bald schon wie gewünscht eher die Nasenspitze ein, statt die Gegenstände ins Maul zu nehmen oder mit den Pfoten drauf zu patschen.

Dann beginne ich ein neues Signal: “Schieb” – einzuführen. Du fragst Dich jetzt vielleicht, warum ich erst “Stups” übe und nicht sofort “Schieb” als Signal aufbaue? Darauf gehe ich am Ende dieses Artikels nochmal näher ein, denn ich möchte beide Signale aufbauen – für unterschiedliches Verhalten.

Übungsaufbau Schritt für Schritt:

1. “Warte” üben in Verbindung mit Leckerchen, die du vor deinem Hund auf einen Hocker (oder auf einen größeren Karton, Bücherstapel oder den Boden) legst. Belohne ihn fürs Warten mal aus Deiner Hand, mal reichst Du ihm das Leckerchen, welches Du ausgelegt hattest und mal darf er es sich auf “OK” (und später “Schieb”) selbst nehmen.

2. Nun wollen wir das Signal “Schieb” einführen. Lege dazu ein Leckerli unter einen Gegenstand (zum Beispiel ein Spielzeugauto). Auf “OK” darf er seine “Warte”-Position verlassen und das Auto weg “schieben”. Benenne dieses Verhalten mit “Schieb”. Und sage “Schieb” im weiteren Verlauf auffordernd immer kurz BEVOR dein Hund das Auto schiebt (gehe dazu genauso vor wie weiter oben beschrieben).

Nimm dann einen weiteren Gegenstand hinzu, den er vom Hocker oder auf dem Boden schubsen kann (am besten etwas, was er, wenn es auf dem Boden liegt, auch mehrfach anstupsen kann, zum Beispiel einen Schaumstoff-Würfel oder eine kleine Pappschachtel. Es geht auch mit einem Kegel, nur kann man den an sich nur einmal umschubsen und auch nur schlecht Leckerchen darunter verstecken. Aber es ist ein Gegenstand, den dein Hund am Boden auch vorwärts schieben könnte. Und da er schneller umfällt, kannst Du ihm mit solch einem Gegenstand schneller vermitteln, dass es darum geht, einen Gegenstand zu “schieben”, bis er runterfällt. Und dann danach andere Gegenstände nehmen, die nicht so leicht runterfallen, die er dazu mehrfach “anstupsen” / “schieben” muss).

Hindere Deinen Hund gegebenenfalls am Erfolg (durch Festhalten des Gegenstandes – und später des Treibballs), wenn er nicht auf dein “OK” oder das Signal “Stups/Schieb” wartet.

3. Leckerchen ausschleichen: In den nächsten Trainingsintervallen tust Du manchmal nur noch so, als hättest Du ein Leckerli unter das Auto gelegt. Mal erfolgt die Belohnung aus deiner Hand und mal findet Dein Hund die Belohnung unter dem Auto (oder einem anderen geeigneten Objekt). Nach einigen Trainingsintervallen / Tagen – wird er kein Leckerli mehr als Anreiz brauchen – er schiebt das Auto auf dein Signal “Schieb” in Deine Richtung und zu Dir und erwartet dafür ein Leckerli aus Deiner Hand.

4. Dann geht es darum das Verhalten zu verallgemeinern, so dass es auch mit größeren Gegenständen, die am Boden liegen, klappt. Dazu eignet sich zum Beispiel eine Pappschachtel.

Warum nun zwei Signale – “Stups” und “Schieb”?

Dafür gibt es mehrere Gründe:

1. “Stups” bedeutet, dass mein Hund etwas einmal kurz mit der Nase anstupsen soll und dann sofort wieder aufhören. “Schieb” dagegen bedeutet, einen Gegenstand so lange vor sich her und zu mir zu schieben, bis er bei mir angekommen ist oder ich ihm ein anderes Signal gebe – zum Beispiel “Stopp”.

2. Das Wegschieben des Autos benenne ich statt “Stups” nun mit “Schieb”. Denn ein Auto (und einen Treibball) kann und soll mein Hund später mehrfach an”schieben”

3. Beide Signale zu haben, ist beim weiteren Trainingsaufbau sehr hilfreich. Zum Beispiel, wenn Du mit Deinem Hund üben möchtest, einen Ball über eine immer größere Distanz, wenn Du Dich langsam Schritt für Schritt rückwärts von ihm entfernst, zu Dir zu schieben.

Gehen wir mal davon aus, Du hast schon angefangen, das Signal “Schieb” einzuführen. Und Dein Hund sitzt nun hinter einem Ball und du sagst “Schieb”. Er schiebt ihn einmal an, aber bleibt dann stehen und schaut dich erwartungsvoll an (Reicht das? Kriege ich ein Leckerli?) und Du sagst nochmal “Schieb” – da er erst noch ein bisschen weiter schieben soll. Dein Hund schiebt aber nicht, da er noch nicht sicher ist und nicht genau weiß, was er gerade tun soll, er den Ball noch gruselig findet, wenn er anfängt zu rollen oder er darin noch keinen Sinn sieht oder es als zu anstrengend ansieht oder lieber jetzt schon ein Leckerchen hätte. Da macht es wenig Sinn, immer wieder “Schieb”, “Schieb”, “Schieb” zu sagen… Denn das soll ja heißen: Schieb etwas über ein längeres Stück… und das hat er noch nicht verstanden.

Stups” dagegen ist nur 1 x anstupsen. Sag ihm “Stups” und lobe ihn, wenn er es tut, dafür mal nur verbal und fordere ihn erneut mit “Stups” auf, es nochmal zu tun – und belohne ihn erst nach dem zweiten Stupser. Dann belohnst du unregelmäßig, mal nach 1x dann 3x, dann wieder nur 2x “Stupsen” direkt nacheinander. Und wenn er einen Ball (oder anfangs auch andere Gegenstände) auf deine Aufforderungen hin immer kontinuierlicher und mehrfach hintereinander “stupst”, dann kannst Du das mit dem neuen Signal “Schieb” benennen – und bald hat er den Unterschied verstanden. Also: “Stups”, weiter “Stups”… “Stups”… jaaaa… “Schieb”!… Super! —> und dann kommt erst die Belohnung. Nachdem Du das mehrfach “Stupsen” nacheinander ein paarmal mit “Schieb” benannt hast, kannst Du nun wieder anfangen, es zu deinem hinter dem Gegenstand wartenden Hund auffordernd zu sagen, wenn er etwas zu Dir “schieben” soll.

4. Das Signal “Stups” möchte ich zudem später weiter nutzen können, sowohl für Tricks (z.B. mach den Lichtschalter an/aus). Denn er soll den Lichtschalter ja nicht in die Wand schieben, sondern nur einmal kurz anstupsen. Einen Targetstab soll er später als Hilfsmittel beim Aufbau anderer Tricks auch meist nur einmal kurs anstupsen. Und auch beim Treibball, wenn ein Ball schon fast bei mir ist oder fast im Tor, möchte ich meinem Hund sagen können “Stups” den Ball noch einmal etwas sachter an, damit er bis zu mir oder ins Tor rollt. Würde ich bei einem Hund, dem das Bälle schubsen richtig viel Spaß macht, wie meinem Malouk, nun “Schieb” sagen, gibt er meist Vollgas und ist mit dem Ball schwuppdiwupp an mir vorbeigerannt. Oder es kann sein, dass er ihn so heftig ins Tor schiebt, in dem eventuell schon andere Bälle liegen, dass er mit Karacho in die anderen Bälle donnert und andere vielleicht sogar auch wieder rausrollen.

Und nun wünsche ich Dir und Deinem Hund ganz viel Spaß beim Üben!

Hier geht es dann zu Teil 2: Treibball – Gegenstände oder einen Ball zu Dir schieben

Deine Anja

Über den Autor

Anja
Anja
Anja Jakob hat sich ganz bewusst auf Themen rund um Spiel, Sport & Freizeitspaß für Hunde spezialisiert. Denn das ist es, was ihr und ihren Hunden am meisten Freude macht. Und diese geben Sie sehr gerne weiter. Zu ihrem Team zählen die Border-Collies Merlin (10), Malouk (7) und Milino (2)

Der gemeinsame Spaß und Teamwork stehen bei Anja Jakob immer im Vordergrund. Sie nimmt mit ihren Hunden sehr erfolgreich an Turnieren teil und gibt Online-Seminare sowie Seminare in Hundeschulen, Vereinen und Seminarhotels im In- und Ausland. Zu ihren Themen zählen: Treibball, Tricktraining, Dogdance, Longieren, Zughundesport (mit dem Dog-Scooter oder Tretschlitten).

Anja

Anja Jakob hat sich ganz bewusst auf Themen rund um Spiel, Sport & Freizeitspaß für Hunde spezialisiert. Denn das ist es, was ihr und ihren Hunden am meisten Freude macht. Und diese geben Sie sehr gerne weiter. Zu ihrem Team zählen die Border-Collies Merlin (10), Malouk (7) und Milino (2) Der gemeinsame Spaß und Teamwork stehen bei Anja Jakob immer im Vordergrund. Sie nimmt mit ihren Hunden sehr erfolgreich an Turnieren teil und gibt Online-Seminare sowie Seminare in Hundeschulen, Vereinen und Seminarhotels im In- und Ausland. Zu ihren Themen zählen: Treibball, Tricktraining, Dogdance, Longieren, Zughundesport (mit dem Dog-Scooter oder Tretschlitten).

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.