Nach dem Buch Clickertraining leicht gemacht möchte ich ein weiteres Buch von Viviane Theby vorstellen: Verstärker verstehen – Über den Einsatz von Belohnung im Hundetraining.

Ich muss zugeben, dass ich das Buch hier nun schon eine Weile für eine Rezension liegen habe. Aber als Leser entdeckt man hier immer wieder neue Gedankenansätze, auch wenn man schon am clickern ist, so dass ich das Buch nicht nur einmal durchgegangen bin. Und es kleben immer noch 17 Post-Its als Markierung drin 😉 Ein Buch, dass mittlerweile zurecht in der vierten Auflage veröffentlicht wurde und jeder gelesen haben sollte, der sich mit Hundetraining auseinander setzt. Und da ich nun mein Fazit schon vorweg genommen habe, fange ich jetzt auch mal an, euch über den Inhalt zu berichten.

Begonnen wird mit der Definition von einer Belohnung und einem Verstärker. Die Autorin schaut sich den primären positiven Verstärker an und erklärt dazu, welche Belohnungsvarianten es gibt, um das Training abwechslungsreich zu gestalten. Bevor jedoch mit dem Hund trainiert wird, bekommt der Mensch Übungen vorgestellt, um das richtigen Belohnen zu erlernen. Dabei ist es beispielsweise wichtig, so zu belohnen, dass die Hand mit den Leckerlis für den Hund scheinbar aus dem Nichts kommt und der Mensch sich danach direkt wieder in die sogenannte Nullposition begibt.
Zudem wird dem Leser verdeutlicht, welche Auswirkungen es hat, wenn nicht belohnt wird: Ein Verhalten, das nicht belohnt wird, lohnt sich für den Hund nicht mehr und wird weniger häufig gezeigt.

Um nun das Training mit dem Hund zu planen, sind drei Säulen von besonderer Bedeutung: das Timing, das Kriterium und die Belohnungsrate. Wie bereits in dem Buch Clickertraining leicht gemacht wird hier nochmal auf das Ampeltraining eingegangen: Sobald der Hundehalter merkt, dass er mit seinem Training nicht weiter kommt, wird an einer der drei genannten Säulen etwas verändert, um dem Hund wieder die Möglichkeit auf seine Belohnung zu geben.

Warum diese drei Säulen die Basis des Trainings bilden, wird mit einem Blick in die Wissenschaft erläutert: Pavlov, Skinner, Premack, Yerkes – Menschen, deren Theorien und Erkenntnisse uns im Training immer begleiten, werden kurz vorgestellt, so dass jedem verständlich wird, warum die Arbeit mit den drei Säulen sinnvoll ist und vor allem, warum so ein aufgebautes Training effektiv ist und funktioniert. Auch hierfür werden wieder Übungen für den Mensch vorgestellt, um beispielsweise das eigene Timing zu verbessern. Dazu bekommt der Leser Hinweise wie zum Beispiel, dass für unerfahrene Hunde eine höhere Belohnungsrate eingeplant werden sollte.

Das nächste große Kapitel befasst sich mit dem sekundäre Verstärker. Nach der Definition und der Anleitung zum Aufbau eines sekundären Verstärkers, bekommt der Leser Informationen, wo sich überall unbeabsichtigte Verstärker verstecken können. (Ein Thema, das wohl jeder Hundesportler kennt 😉 ). Selbstreflektion ist hier sehr wichtig, um dem Hund eindeutig verständlich machen zu können, welches Verhalten erwünscht ist. Für Fortgeschrittene kommt zudem noch der Hinweis, dass darauf zu achten ist, dass der sekundäre Verstärker und die Belohnung das gewünschte Verhalten verstärken – Click for action, feed for position – so kann ein Training noch schneller durchgeführt werden, wenn solche Tatsachen direkt mit eingeplant werden. Letzendlich können sogar die Kommandos selber als sekundäre Verstärker verstanden werden – eine spannende Theorie beispielsweise für Prüfungen im Hundesport.

Natürlich darf an dieser Stelle auch das freie Formen nicht fehlen. Hierzu findet der Leser ebenfalls Tipps für den Aufbau und das eigene Handling.

Der Schwerpunkt des Buches bildet das effektive Belohnen im Training. Hierfür wird zu einem Trainingsplan geraten, um die folgenden Punkte vorweg festzulegen:

  • Was soll belohnt werden?
  • Wann soll belohnt werden?
  • Wo soll belohnt werden?
  • Wie soll belohnt werden?
  • Was soll nicht belohnt werden?

Ja, auch darüber sollte man sich als Hundehalter Gedanken machen, denn das hat den Vorteil, dass man im Trainingsverlauf direkt bemerkt, wenn das Training in die falsche Richtung geht. Mit dem Trainingsplan als Hilfe kann schnell gehandelt und der Trainingsverlauf umgelenkt werden, wobei wir wieder beim Ampeltraining wären. Ein weiterer wichtiger Punkt sind auch regelmäßige und variable Belohnungen. Zudem sollten Überaschungen im Trainingsplan aufgenommen werden, um den Hund zum einen bei Laune zu halten und zum anderen, um wirklich gute Trainingsschritte, die besser gelaufen sind als geplant, hervorzuheben. Diese Überaschungen sind laut Viviane Theby nicht mit einem Jackpot zu vergleichen.

Bei der Planung einer solchen Belohnungshistorie gilt immer: “Man bekommt immer das, was man belohnt und nicht das, was man will” Zeigt der Hund also ein unerwünschtes Verhalten, sollte man sich Gedanken machen, wie man damit umgeht, anstatt einfach weiter zu trainieren. Anhand von Beispielen geht die Autorin gegen Ende des Buches auf solche unerwünschten Verhalten ein und zeigt Auswege, die der Leser mit dem bisher erlangtem Vorwissen leicht nachvollziehen kann.

Natürlich darf in einem Buch rund um das Thema Verstärker der Klicker nicht fehlen. Dabei geht es weniger um die Konditionierung des Hundes auf den Klicker, sondern vielmehr um das Verständnis, warum der Klicker funktioniert und wie hilfreich er im Hundetraining ist.

“Damit der Klicker seine ganze Kraft entfalten kann, sind für mich fünf Dinge von Bedeutung:

  • Fehlerfreies Lernen
  • Kommandos als sekundäre Verstärker
  • Scheinbare Kontrolle des Tieres über den Trainer
  • Viele, viele Wiederholungen
  • Die Kunst des Nicht-Klickens”

Diese fünf Aspekte werden in dem Buch mit Hilfe von Beispielen, die jeder kennt, näher angeschaut, so dass dem Leser die Vorteile des Klickers am Ende wirklich überzeugen. Für Fortgeschrittene bildet der Aufbau von Verhaltensketten ein weiterer Schwerpunkt in diesem Kapitel. Wie Ketten am besten aufgebaut werden und wo die Belohnungen am sinnvollsten erfolgen sollten, um die Verhaltenskette aufrecht zu erhalten – jede Menge Tipps dazu sind in dem Buch zu finden.


Verstärker verstehen: Über den Einsatz von Belohnung im Hundetraining (Das besondere Hundebuch)


Abgerundet wird das Buch durch Trainingstipps bei der Arbeit mit mehreren Tieren. Zudem findet der Leser wie bereits erwähnt Ideen zum Umgang mit unerwünschtem Verhalten: Wie funktionieren die Verstärker bei einem unerwünschten Verhalten und wie kann sie der Hundehalter abstellen. Wieder bekommt der Leser dazu Ideen zum eigenen Management – “Das heißt nämlich, dass unerwünschtes Verhalten schon im Vorfeld verhindert wird, damit es erst gar nicht auftaucht.” – und wie Alternativen für den Hund stimmig aufgebaut werden können.

Das letzte Kapitel befasst sich mit der Belohnung für Fortgeschrittene:

  • Reiz der Ablenkung
  • Keep-Going-Signal
  • Wert der Verstärker
  • Schienensystem

Die vier Punkte werden näher angeschaut und ebenfalls mit Hilfe von Beispielen gut verständlich erläutert. Dabei weist die Autorin immer darauf hin, dass der Hundetrainer abwägen muss, wie erfahren das Team ist, mit dem er gerade arbeitet. Das Schienenprinzip und die Arbeit mit einem Keep-Going-Signal gehören schon in die Königsklasse des effektiven Trainings und der Hundetrainer muss sich im Klaren darüber sein, wann er was einsetzen kann, um das Beste aus seinem Hund herauszuholen.

Ich denke, mehr muss ich zu dem Buch nicht sagen, außer das es wirklich in jedes Bücherregal gehört, wenn man sich mit der Ausbildung von Hunden befasst. 152 Seiten voller Informationen, die auch einen fortgeschrittenen Hundesportler alles andere als langweilen. Wissenschaftlich fundiert und sehr praxisnah erfahren die Leser, wie schnell Fortschritte beim Training erreicht werden können, wenn die Prinzipien der Lerntheorie berücksichtigt werden und man beim Training immer ein Auge auf sich selber hat.

Für den Obedience-Hundesport habe ich sogar einen neuen Trainingsansatz für die Geruchsunterscheidung in dem Buch entdeckt. Beschrieben wurde der Aufbau zwar in einem anderen Zusammenhang, kann aber leicht übernommen werden. Ich habe mir die Gedanken jedenfalls schon in meinem Trainingstagebuch aufgeschrieben, um die Idee ja nicht zu vergessen, sollte ich die Geruchsunterscheidung mal wieder mit einem Hund neu aufbauen.

Abschließen möchte ich die Rezension mit einem Lieblingsspruch der Autorin, den auch ich gerne zitiere: “Gewalt beginnt dort, wo Wissen endet

In dem Sinne: Habt Spaß mit euren Hunden!


Details zum Buch:
Viviane Theby
Verstärker verstehen

Flexicover, 152 Seiten, Durchgehend farbig
ISBN 978-3-942335-15-7

Das Buch erhaltet ihr im Kynos-Verlag

Zum Buch: Belohnen ist weit mehr als nur gelegentlich Leckerchen geben: Im richtigen Belohnen steckt ein riesiges Potenzial, um das Training von Hunden effektiver zu gestalten und gewünschte Verhaltensweisen felsenfest zu verankern.
Die erfolgreiche Tiertrainerin Viviane Theby erklärt auf solider wissenschaftlicher Grundlage aktueller Lerntheorie, warum richtige Belohnungen so machtvolle Verstärker von Verhalten sind, worin der Unterschied zwischen primären und sekundären Verstärkern besteht, warum das exakte Timing entscheidend ist und was es mit Belohnungskriterien und Belohnungsraten auf sich hat.
Damit Sie die Verstärker nicht nur verstehen, sondern auch anwenden können, bietet das Buch zahlreiche Praxisübungen zur Verfeinerung Ihrer eigenen Technik. Denn: Training ist ein Handwerk, das man lernen kann.
Hier steht, wie es geht.

Über die Autorin: Viviane Theby ist Tierärztin mit der Zusatzbezeichnung Verhaltenstherapie und Hundetrainerin. Sie führt seit vielen Jahren erfolgreich die „Tierakademie Scheuerhof“, wo neben Hundehaltern auch Hundetrainer ausgebildet werden. Sie ist Autorin zahlreicher Bücher und Artikel zum Thema Tiertraining und trat mit ihren Tieren bereits mehrfach im Fernsehen auf.


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Categories: Buchempfehlung

Kerstin

Kerstin Schubert arbeitet als selbstständige Informationsdesignerin und ist in ihrer Freizeit auf dem Hundeplatz mit ihrem Berner Wookiee im Obedience Klasse 3 unterwegs. Sie hat die hier im Shop erhältlichen Trainingstagebücher gestaltet und realisiert.

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