Für diejenigen, die mit diesen Begrifflichkeiten noch nicht so vertraut sind…

Takes” sind Scheiben, die dem Menschen vom Hund aus der Hand genommen werden, ohne dass diese geworfen wurden und die “Catchratio” (kurz: Catch) ist das Verhältnis von gefangenen zu geworfenen Scheiben während einer Freestyle Runde. 

Um letztere zu ermitteln, wird einfach die Anzahl der gefangenen Scheiben durch die Anzahl der geworfenen Scheiben dividiert und man erhält eine ziemlich präzise Aussage darüber, wie viel Prozent der Würfe „funktioniert“ haben. Das ist einfach und sollte selbst für den frischesten Einsteiger verständlich sein. Schade ist, dass die Catch in den meisten Fällen kaum ein zuverlässiges Qualitätsurteil über die tatsächlich erbrachte Leistung eines Teams darstellt.  

Natürlich ist eine „Dropless Routine“ (alle Scheiben wurden vom Hund gefangen) erstmal eine coole Sache und ich kenne kaum einen Spieler, der sich darüber nicht freuen würde. Immerhin dürfen wir nicht vergessen, dass es in diesem Sport ja nunmal darum geht, dass der Hund die Scheibe auch fängt, die der Mensch geworfen hat. 

Berücksichtigen wir jedoch, dass eine Kür mit 20 einfachen Würfen, welche leicht vom Hund gefangen werden konnten, eine „Dropless Routine“ darstellt. Wobei eine Runde mit 30 hoch komplexen und schwierigen Trickwürfen schon bei EINER nicht gefangenen Scheibe eine geringere Catch aufweist, wird wohl schnell deutlich, wie wenig Aussagekraft so eine Kategorie als Bewertungskriterium wirklich haben kann und sollte.

Nein, natürlich geht es nicht darum, dass es egal ist, wenn der Hund wenige oder kaum Scheiben fängt. Am Ende bedeutet jede nicht gefangene Scheibe auch immer einen Fehler beim Menschen, beim Hund oder im Team. Diese Fehler, egal wie groß oder klein sie sein mögen, sollten aber eben auch genau in diesen betroffenen Kategorien in die Bewertung einfliessen.

So nachvollziehbar diese Betrachtungsweise auch zu sein scheint:, scheint sie sich leider noch nicht vollständig bei den Protagonisten des Sports durchgesetzt zu haben. So gibt es nach wie vor Richter, die der Catch eine wirklich hohe Bedeutung beimessen und ihre Punkte dahingehend anpassen. Es gibt auch immer noch Spieler, welche im Spiel ihre Drops (nicht gefangene Scheiben) zählen und ggf. noch ein paar einfache Würfe werfen, um die Catch hochzuziehen.

Selbst Regelwerke, welche die Catchratio komplett in die Wertung mit einrechnen, findet man noch in diesem Sport, obwohl dies schon seit einigen Jahren kontrovers diskutiert wird und einige andere Regelwerke die Catchratio seit geraumer Zeit nur noch als „Tie-Breaker“ benutzen.

Komplett absurd wird es allerdings – nach meinem Verständnis – an dem Punkt, wo sogar ganze Tricksequenzen von den Richtern komplett ignoriert werden, weil der letztendliche Catch nicht funktioniert hat. Dies hat aber glücklicherweise mittlerweile echten Seltenheitswert und wird hoffentlich schon bald -vollständig- der Vergangenheit angehören. 

Ja, in diesem Sport sollte der Hund die Scheiben fangen. Ein Set oder gar eine komplette Kür bestehen aber aus viel mehr bewertbaren Kriterien und man sollte diese, nach einem Drop, nicht einfach vom Tisch fegen.

Wo wir dann auch schonmal dabei sind, alte Ansichten und nur bedingt differenzierte Betrachtungsweisen in ein neues/anderes Licht zu rücken, möchte ich mich auch noch direkt einer Frage widmen, die vor allem von Anfängern gestellt wird.

„Warum werden Takes nicht gewertet?“

Die wohl erste Antwort, die mir dazu einfallen will:

„Weil es ein Sport ist, in dem es darum geht, dass der Hund die Scheiben fängt, die der Mensch geworfen hat.“ 

Leider ist diese Antwort genau so flach wie die Scheiben, mit denen wir spielen und wenn wir uns überlegen, in welchem Zusammenhang diese Frage oftmals gestellt wird, ist sie unter Umständen sogar grob fahrlässig. Diese Frage begegnet uns nämlich in der Regel dann, wenn Anfänger sich erstmals mit dem Thema Sprünge auseinander setzen und irgend ein Depp ihnen erzählt, dass sie die Scheibe auf jeden Fall werfen müssen, damit der Trick (in dem Fall ist es sehr oft ein Sprung) gewertet wird. 

Selbst wenn dies eventuell richtig sein mag, verleitet es jedoch viele Anfänger dazu, ihre Hunde unnötig in Gefahr zu bringen, weil sie den benötigten Wurf eigentlich noch nicht wirklich beherrschen, das Timing nicht haben oder aber auch, weil der Hund es einfach noch nicht kann. Dazu kommt, dass ich diese Haltung prinzipiell nicht verstehe. 

Lassen wir die Frage mal aussen vor, warum Anfänger überhaupt Sprünge zeigen sollten und konzentrieren uns einfach mal darauf, was an einem Sprung oder einem anderen Trick mit einem Take nicht wertbar sein soll.
Wenn wir berücksichtigen, dass es kein Wurf ist und es sicherlich auch nicht all zu schwer ist, einen Take zu platzieren, haben wir dennoch die Teamarbeit, die Athletik des Hundes und die eine oder andere Kleinigkeit, die sich durch das gesamte Set, auf den einzelnen Trick und auch die Punkte auswirken können.

Warum also nicht einfach auf Nummer sicher gehen?
Warum nicht eine coole Sequenz aufbauen mit einem Take, anstatt einem unsauberen Heber? 

Ich für meinen Teil sehe da erstmal nichts Problematisches und je nach Situation benutze ich auch heute noch Takes in meiner Kür und nehme dann auch gerne in Kauf, dass die Richter mir weniger Punkte geben.

Zumal es immer noch besser ist, wenig Punkte für eine sichere Nummer zu bekommen, als Punkte für einen unsicheren Trick abgezogen zu bekommen. 


Björn Tigges

Björn Tigges bewegt sich seit 2004 in der Welt des Hundefrisbees. Zusammen mit seinen Hunden qualifizierte er sich mehrfach für Europameisterschaften und Weltmeisterschaften im Hundefrisbee und unterrichtet, als Hundetrainer (zertifiziert nach §11 Tierschutzgesetz, Abs. 1, Nr. 8f) einzelne Teams, Gruppen und Trainer in ganz Europa. Darüber hinaus ist er auch immer wieder als Richter in unterschiedlichen Regelwerken unterwegs, bildet neue Richter aus und vertritt derzeit, als "European Tournament Director", die "Ashley Whippet Invitationals"-Weltmeisterschaftsserie in Europa.

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