… und warum das wichtig ist
Im letzten Beitrag haben wir schon gesehen, dass die Futtermittelverordnung den Herstellern viel Spielraum lässt. Heute schauen wir genauer hin: Was bedeutet „Fleisch“ auf dem Etikett wirklich, welche Informationen müssen auf jeder Verpackung stehen und wie werden die bekannten Analysewerte eigentlich ermittelt?
„Fleisch“ – seit 2013 klarer geregelt
„Fleisch“ klingt nach hochwertiger Zutat und wird auf vielen Verpackungen groß beworben. Seit 2013 ist in der EU festgelegt, dass damit nur Skelettmuskulatur gemeint ist. Das war bis dahin tatsächlich nicht eindeutig definiert – auch Herz, Zunge oder andere Teile konnten als Fleisch bezeichnet werden.
Nebenbei sei an dieser Stelle erwähnt, dass es laut Verordnung keine direkten Sanktionen gibt, wenn ein Hersteller die Bezeichnung nicht korrekt verwendet. Das heißt, es liegt weiterhin viel Verantwortung bei den Produzenten, die Kennzeichnung korrekt umzusetzen. Spannend, oder?
Die Einteilung von Futtermitteln
Aber weiter geht es mit der Verpackung. Damit die Verpackungen einheitlich sind, gibt es eine klare Einteilung von Futtermitteln, die wir uns letztes Mal schon angeschaut hatten. Hier also nochmal kurz zur Erinnerung:
- Einzelfuttermittel – einzelne Zutaten wie Reis oder Rinderpansen
- Mischfuttermittel – Kombination verschiedener Einzelfuttermittel, aber nicht unbedingt vollständig ausgewogen
- Alleinfuttermittel – deckt laut Hersteller den gesamten Nährstoffbedarf eines Hundes
- Ergänzungsfuttermittel – zusätzliche Produkte wie Snacks, Vitaminmischungen oder Mineralstoffpräparate
Diese Einteilung hilft, auf einen Blick zu erkennen, wofür ein Produkt gedacht sein soll.
Was auf dem Etikett stehen muss
Die Verordnung (EG) Nr. 767/2009 schreibt nun vor, welche Informationen auf einer Futtermittelverpackung Pflicht sind. In Artikel 15 heißt es:
„Die Kennzeichnung und Aufmachung von Futtermitteln dürfen den Verwender nicht irreführen (…) und müssen die folgenden Angaben enthalten: Bezeichnung des Futtermittels, Angaben zur Zusammensetzung, analytische Bestandteile, Zusatzstoffe, Nettogewicht, Mindesthaltbarkeitsdatum, Name und Anschrift des Herstellers sowie die Tierart oder Tierkategorie, für die das Futter bestimmt ist.“
In der Praxis bedeutet das:
- Es muss klar sein, ob es sich um Allein-, Ergänzungs- oder Einzelfuttermittel handelt.
- Analysewerte wie Rohprotein, Rohfett, Rohasche und Rohfaser sind verpflichtend.
- Enthaltene Zusatzstoffe wie Vitamine oder Mineralstoffe müssen angegeben sein.
- Gewicht, Fütterungsempfehlung und Mindesthaltbarkeitsdatum dürfen nicht fehlen.
- Eine Chargennummer sorgt dafür, dass das Produkt rückverfolgt werden kann.
- Name und Anschrift des Herstellers sind Pflicht, genauso wie die Angabe, für welche Tierart das Futter gedacht ist.
Damit erhältst du einheitliche Informationen, egal von welchem Hersteller das Futter stammt. Du hast aber noch die Tatsache im Hinterkopf, dass ~15% Abweichungen ok sind und die Tatsache mit dem geistigen Eigentum, die hast du auch nicht vergessen? Gut… dann schauen wir weiter.
Die Weender Futtermittelanalyse – Basis seit 1860
Damit die Analysewerte überhaupt angegeben werden können, wird seit 1860 – ja. richtig gelesen, seit 1860! – die sogenannte Weender Futtermittelanalyse verwendet. Sie ist bis heute die Grundlage der Fütterungslehre.
Ich erkläre euch die Analyse einmal kurz und knapp:
Ein Futtermittel besteht aus Rohwasser und einer Trockensubstanz. Das ist das, was von dem Futter übrig bleibt, wenn das Wasser entzogen wird. Diese Trockensubstanz besteht aus der Rohasche (zeigt den Mineralstoffgehalt an) und den organischen Substanzen, die weiter aufgebröselt werden in:
- Rohprotein: Der Eiweißgehalt, wichtig für Muskeln und Gewebe.
- Rohfett: Der Fettgehalt, Energielieferant und Träger für essentielle Fettsäuren.
- Rohfaser: Unverdauliche Pflanzenfasern, die die Verdauung unterstützen.
- Stickstofffreie Extraktstoffe (NfE): Vor allem Kohlenhydrate wie Stärke und Zucker.
Diese Werte geben einen groben Überblick über die Zusammensetzung des Futters. Sie sagen aber nichts über die Qualität der Zutaten aus – nur über deren Anteil. Klingt aber erstmal nicht schlecht, oder?
Jetzt wirf mal einen Blick auf deine Verpackung: Ist da der NfE angegeben? Meistens nicht. Aber den könnt ihr euch selber herleiten. Ich habe mir mal eben die analytischen Bestandteile eines Trockenfutters herausgepickt:
Protein: 27,0% – Rohfaser: 1,7% – Fettgehalt: 16,0% – Rohasche: 6,8% – eine typische Angabe.
Um den NfE-Gehalt herauszubekommen, addiert ihr jetzt einfach alle Prozentangaben:
27 + 1,7 + 16 + 6,8 = 51,5 %
Das zieht ihr von 100 % ab: 100 – 51,5 % und damit habt ihr einen NfE von 48,50 %
Das Futter hier enthält also 48,5 % Kohlenhydrate (Stärke und Zucker)
Ein anderes Trockenfutter, das recht oft auch für die Futterautomaten verwendet wird, sieht so aus:
Rohprotein 26,0 %, Rohfaser 2,0 %, Rohfett 16,0 %, Rohasche 7,9 %
100 – (26+2+16+7,9) = 48,1 %
Warum diese Angaben wichtig sind
Die Kennzeichnungsvorschriften sollen dir einen Überblick geben und – eigentlich – dafür sorgen, dass du nicht in die Irre geführt wirst. Die Definition von „Fleisch“ seit 2013 schafft mehr Klarheit, auch wenn die Umsetzung nicht streng sanktioniert wird.
Die Analysewerte sind keine Wissenschaft für sich, sondern grundsätzlich eine standardisierte Art, Futter zu beschreiben. Du musst sie nicht auswendig kennen, aber sie helfen erst einmal zu verstehen, ob ein Futter eher eiweißreich oder fettarm ist.
Die kleingedruckten Zusatzstoffe werde ich mit euch in dem nächsten Beitrag genauer anschauen.
