Das Entspannungssignal ist eine vielseitige Hilfe in aufregenden Situationen und kann, gezielt eingesetzt, dabei helfen, andere Instrumente der Entspannung zu ermöglichen. Es ist meiner Meinung nach eins der wichtigsten Instrumente der Entspannung und wird als zweites Element vorgestellt.

Das Entspannungssignal ist ein Wort, welches durch klassische Konditionierung mit Entspannung verknüpft wurde. Natürlich führt der Einsatz eines Entspannungssignal nicht dazu, dass der Hund auf der Stelle durchatmet, einschläft und tiefenentspannt ist.

Das Erregungslevel, auf dem er sich jedoch gerade befindet, wird kurz gesenkt. Ich finde den Vergleich mit einem tiefen Durchatmen, das durch dieses Wort ausgelöst wird, sehr passend. Wenn man in stressenden Situationen, in denen man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr erkennen kann, ein, zwei mal tief einatmet, ist man danach wieder handlungsfähig – diese Erfahrung kennt ihr bestimmt auch.

Der Hund atmet gerade also einmal tief durch und wird für diesen Moment ansprechbar – und offen für Kommunikation mit euch. Und in dieser Kommunikation könnt ihr ihm weitere Informationen geben, die er nun – je nach Aufregungsgrad mehr oder weniger gut umsetzen kann. Ein Entspannungssignal ist also mehr der berühmte Fuß in der Tür als das bequeme Kopfkissen und eins der wichtigsten Hilfsmittel, welches uns in der konditionierten Entspannung zur Verfügung steht.

Der Aufbau eines Entspannungssignals

Wie in der klassischen Konditionierung üblich wird ein bisher für den Hund belangloses Wort mit der Handlung „Entspannung“ verknüpft. Während nun aber nicht zum Beispiel wie bei dem Signal „Sitz“ der Hundepo den Boden berüht, wird eine kurze Absenkung des inneren Erregungslevels hervorgerufen, denn das Wort „Entspannung“ löst eben diese Verknüpfung im Hund aus.

Das Wort sollte jeder für sich passend wählen. Wichtig ist, dass es auch in aufregenden Situationen gut und klar ausgesprochen werden kann, euch dann einfällt und keine Sorge – es muss nicht besonders ausgesprochen werden. Das Wort dient in der aufregenden Situation als Erinnerung an Entspannung – und diese für den Hund aufregenden Situationen sind auch oft für den Menschen aufregend. Also sucht ein Wort, dass ihr gut aussprechen könnt und welches für euch mit der Entspannung verknüpft werden kann. Klassische Worte sind „Easy“, „Müde“, „Snooze“ – also Worte, die in der Alltagssprache nicht oft verwendet werden.

Für die ersten Konditionierungsschritte wartet, bis euer Hund entspannt ist – wenn er in seinem Körbchen liegt und döst oder ähnliches. Während er sich nun entspannt, sagt ihr immer wieder im ganz normalen Gesprächston euer gewähltes Entspannungssignal. Wiederholt es ruhig mehrfach hintereinander. Achtet dabei nur auf euren Hund – er sollte sich durchweg in seinem entspannten Zustand befinden. Für mich persönlich hat sich folgende Trainingsreihenfolge als praktikabel erwiesen: an den Hund heran treten (also in seine Nähe kommen, ohne zu nah zu sein) – einatmen – ausatmen – einatmen – ausatmen – „Entspannungssignal“ – 2 x einatmen und ausatmen – „Entspannungssignal“.

Wenn ihr und euer Hund es mögt, könnt ihr diesen ersten Schritt der Konditionierung auch schon mit der aktiven Entspannung durch Berührung und/ oder Massage verbinden. Setzt euch zu eurem Hund, der schon entspannt ist und beginnt, ihn zu kraulen oder zu streicheln. Achtet auf ruhige Berührungen und die Reaktionen eures Hundes auf diese Berührungen. Wenn ihr das Gefühl habt, euer Hund ist wirklich entspannt – nehmt eure Hände weg, sagt euer Entspannungssignal und fahrt dann mit eurer aktiven Entspannung fort.

Die Alternative

In aufregenden Situationen bringt das Entspannungssignal den Hund wieder in eine denkende Situation zurück, er hat quasi innerlich durchgeatmet und kann auf eure Kommunikation reagieren. Um diesen Zustand – das gesunkene Erregungsniveau – zu erhalten, wird nun ein Alternativverhalten benötigt, welches die von euch gewünschte Verhaltensweise hervorruft. Wichtig ist – dieses Alternativverhalten muss zu der Situation und zu eurem Hund passen. Darum ist es sehr wichtig, sich neben der Konditionierung des Entspannungssignal mit den Situationen zu beschäftigen, in denen ihr das Signal gezielt einsetzen möchtet, um herauszufinden, welche Verhaltensweisen ihr euch in diesen Situationen von eurem Hund wünscht und ob bzw. wie er diese umsetzen kann. Alternativverhalten sollten immer einfach auszuführen sein und vor dem Einsatz in diesen Situationen gut trainiert werden.

Das Entspannungssignal ist ein Türöffner, der den Hund wieder auf ein Erregungslevel bringen kann, in welchem er mit euch kommunizieren und auf eure Worte reagieren kann.

Das Entspannungssignal:

  • Ein passendes Wort wählen
  • Dieses Wort immer wieder sagen während der Hund entspannt ist, z.B. in seinem Körbchen döst.
  • Dieses Wort immer wieder sagen, während ihr den Hund aktiv entspannt (Achtung: aktive Entspannung durch z.B. Massage: Hände vom Hund nehmen, das Wort sagen, selber durchatmen und weiter massieren).
  • Überlegen, was passende Alternativverhalten für euch und euren Hund in aufregenden Situationen sind.
  • In aufregenden Situationen das Entspannungssignal immer mit einem Alternativverhalten, das gut trainiert ist, verbinden.
  • Das Signal nachdem es in aufregenden Situationen genutzt wurde immer wieder intensiv mit vielen entspannten Situationen aufladen.

Über den Autor

Natascha
Natascha lebt mit ihrem Partner und ihren beiden Hunden Phoebe (13) und Quinn (8) zwischen Ruhrgebiet und Münsterland. Sie arbeitet als Hundetrainerin (zertifiziert nach §11 Tierschutzgesetz, Abs. 1, Nr. 8f) und Schreibberaterin im Ruhrgebiet. In ihrer Hundeschule steht sie Menschen mit reaktiven Hunden bei und bietet Beschäftigungskurse wie Tricktraining, Longieren oder Balancieren an. Mit ihren eigenen Hunden ist sie aktiv am Longierkreis unterwegs, mit Border Collie Quinn trainiert sie Obedience und fährt mit dem Dogscooter, Hündin Phoebe liebt Schnüffelaufgaben.
Kategorien: Entspannung

Natascha

Natascha lebt mit ihrem Partner und ihren beiden Hunden Phoebe (13) und Quinn (8) zwischen Ruhrgebiet und Münsterland. Sie arbeitet als Hundetrainerin (zertifiziert nach §11 Tierschutzgesetz, Abs. 1, Nr. 8f) und Schreibberaterin im Ruhrgebiet. In ihrer Hundeschule steht sie Menschen mit reaktiven Hunden bei und bietet Beschäftigungskurse wie Tricktraining, Longieren oder Balancieren an. Mit ihren eigenen Hunden ist sie aktiv am Longierkreis unterwegs, mit Border Collie Quinn trainiert sie Obedience und fährt mit dem Dogscooter, Hündin Phoebe liebt Schnüffelaufgaben.

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