Ein Artikel von ZOS®-Lizenztrainerin Susan Schulze.

Diesmal widmen wir uns einem ganz spannenden Thema der Zielobjektsuche:
der Differenzierung (Unterscheidung) der Suchgegenstände

Auf ZOS®-Seminaren ist es so ziemlich das meistgewünschte Thema und sicherlich auch eines der anspruchsvollsten – nicht umsonst wird die Differenzierung erst in Klasse 3 und 4 im Wettkampf geprüft.

Aber was wird eigentlich vom Hund verlangt?

Ganz einfach gesagt: der Hund soll seine zwei oder mehr Suchgegenstände auf Signal hin unterscheiden können und nur das vor der Suche benannte suchen und anzeigen. Stößt er bei der Suche über einen anderen, ebenfalls bekannten Suchgegenstand, so soll er diesen “ignorieren” und nicht anzeigen.

Klingt erstmal total einfach, im einzelnen sieht das entsprechend der Prüfungsordnung so aus:

Für die Leistungsstufe 3 gilt: in der ZOS -Trümmersuche sind zwei voneinander getrennte Trümmerfelder a zirka 15 qm vorgesehen. Für jedes ZOS -Trümmerfeld ist ein Suchgegenstand vorgesehen.

Der zu prüfende Hund hat beide Trümmerfelder in einem Zeitraum von insgesamt 6 Minuten abzusuchen. Durch das Ziehen eines Loses unmittelbar vor dem Start wird festgelegt, in welchem ZOS -Trümmerfeld die Suche zu beginnen hat. Ein selbständiges Wechseln des Trümmerfeldes ist nicht erlaubt, sondern erfolgt auf Weisung des Leistungsrichters. Der Wechsel fließt in die zur Verfügung stehende Gesamt-Suchzeit mit ein. Beim Wechsel in das zweite ZOS -Trümmerfeld ist ein einmaliges Antäuschen sowie Einriechen in das Lagerbehältnis von dem bei der Anmeldung bestimmten Ansatzpunkt aus erlaubt.

Der startende ZOS -Teilnehmer erfährt erst durch die abschließende Bewertung des Leistungsrichters, ob die Differenzierungsarbeit seines Hundes tatsächlich erfolgreich oder nicht erfolgreich verlaufen war.

In der ZOS -Flächensuche stehen zwei Suchflächen a zirka 150 qm mit unterschiedlichen Bewuchslängen zur Verfügung. Die beiden zu verwendenden ZOS -Gegenstände (Suchgegenstand / Differenzierungsgegenstand) können sowohl getrennt in verschiedenen Flächen oder auch zusammen in einer ZOS -Suchfläche ausgelegt werden. Der weitere Prüfungsablauf entspricht den Bestimmungen in der ZOS -Trümmersuche.

In der ZOS -Päckchenstraße sind neben handelsüblichen Eimern auch weitere Behältnisse, wie Koffer o.ä. zugelassen, die bis maximal 20 l-Fassungs-Volumen ausgestattet sind.

In der Stufe 3 muss mein Hund also zwei Gegenstände voneinander unterscheiden können, ich darf selber festlegen, welchen Gegenstand mein Hund in welcher Disziplin suchen soll (Trümmer oder Fläche). Der übrige dritte Gegenstand wird in der Päckchenstraße gesucht.
Man könnte seinen Hund als Vorbereitung für die Stufe 3 immer seinen Gegenstand 1 im Trümmerfeld, den Gegenstand 2 in der Fläche und den übrigen Gegenstand 3 in den Päckchen suchen lassen, quasi eine örtliche Differenzierung auftrainieren.
Qualifiziert man sich dann jedoch für die Stufe 4, muss man wirklich mit dem Differenzierungs-Training starten, denn dann entscheiden die Richter, welcher Gegenstand in welcher Disziplin gesucht werden soll. Als zusätzliche vierte Disziplin kommt in der Stufe 4 die Suchwand hinzu.

Warum ist es so schwierig?

Ganz klassisch beginnt man ja mit einem oder zwei verschiedenen Suchgegenständen, jeder Gegenstand bekommt sein eigenes “Zuhause” (Behältnis), Hör- und Sichtzeichen. Fast jeder probiert mal im Laufe seiner ZOS-Laufbahn zwei bekannte Suchgegenstände des Hundes zu verstecken und nur einen suchen zu lassen und schaut, ob der Hund tatsächlich eine Entscheidung am Gegenstand trifft. 😉 Tatsächlich ist es meist purer Zufall und die Hunde zeigen den Gegenstand an, den sie zuerst finden …
Aber woran liegt das? Ganz klar, wir haben unsere Hunde genauso trainiert: Finde den Gegenstand und zeige ihn an. Eine Unterscheidung haben wir nie abgefragt oder gelernt. Unsere Hunde machen also erstmal gar nichts falsch!

Im folgenden Video seht ihr die Cocker Hündin Luna in einem kleinen Trümmerfeld, versteckt sind 4 Gummis und 4 Lederstücke, beides sind ihre bekannten Suchgegenstände. Sie soll in dieser Trainingsrunde nur die Gummis suchen und anzeigen:

Was sucht der Hund beim ZOS eigentlich?

Das Thema ist sehr spannend und zuerst recht einfach zu beantworten: einen recht neutralen Gegenstand, an dem sich durch fleißiges Training eine Geruchskomposition sammelt, die für den Hund unverwechselbar ist 🙂

Der Geruch um den Gegenstand setzt sich zusammen aus:

  • Material (je nach Gegenstand riecht das mehr oder weniger stark – ein Stück stark riechendes Leder können wir als Menschen ja fast selber orten ;-))
  • Individualgeruch Mensch (wir haben den Gegenstand oft in der Hand, tragen ihn bei uns und verstecken ihn …)
  • Individualgeruch Hund (durch die vielen Anzeigen am Gegenstand)
  • Futter (wir belohnen den Hund sehr oft ganz nah am Gegenstand)
  • Behältnis (in dem der Gegenstand dauerhaft aufbewahrt wird)

… und andere Gerüche, die der Hund eventuell mit lernt: Trainer bzw. andere Person, die den Gegenstand oft versteckt, Zwischenlager, Clicker, usw. Wir sehen nun schon ein wenig, das der Hund es bei der Differnzierung gar nicht so einfach hat, denn:

  • die blau markierten Gerüche sind an jedem Suchgegenstand identisch
  • die rot markierten Gerüche unterscheiden sich an jedem Suchgegenstand:

und hier macht es das erste mal so richtig Sinn, das wir unsere verschiedenen Suchgegenstände in unterschiedlichen Behältnissen aufbewahren und nicht einfach alle zusammen in ein Glas werfen – das würde unserem Hund das Differenzierungstraining noch mehr erschweren! Auch deswegen sollten sich die Behältnisse unterscheiden und nicht jeder Suchgegenstand in einer anderen Tupperdose untergebracht werden!

  • den grün markierten Geruch können wir je nach Gegenstand variieren

An jedem Suchgegenstand könnte mit einem anderen Futter belohnt werden, sodass man es dem Hund noch ein wenig einfacher macht bei der Suche nach dem richtigen Gegenstand.

Doch nicht so einfach und echt anspruchsvoll für unsere Hunde! Aber: Verleitungen in jeglicher Form (Materialausschluss, Individualgeruch, Futter, …) trainiert man bereits recht schnell, wenn die Hunde das Prinzip ZOS®-Zielobjektsuche verstanden haben und die wenigsten Hunde lassen sich oft auf die Verleitungen ein. Die Hunde können das Differenzieren in “kleiner Form” also durchaus und wir müssen unsere Hunde nun durch gezieltes Training für die “große Differenzierung” fit machen.

Wir machen unsere Hunde fit für die Differenzierung

Es gibt einige Hunde, die verschiedene Spielzeuge auf ein bestimmtes Signal hin unterscheiden und entsprechend apportieren können (hier spielt der optische Reiz eine große Rolle) oder den zuvor präsentierten Teegeruch aus einer Auswahl anderer Gerüche suchen. Unsere Hunde können also sehr wohl unterscheiden.

Bei unserer ZOS® kommt leider oft erschwerend hinzu, das unsere Hunde teilweise jahrelang für das Anzeigen dieser zwei, drei Gegenstände belohnt worden sind – sie gehen also mit einer gewissen Erwartungshaltung in die Suche und zeigen wie gelernt sofort an. Genau das wurde ja auch mehrere 1000 Male belohnt. Unsere Hunde haben also nicht ganz unrecht, nur weil wir plötzlich die Spielregeln ändern.

Im Prinzip lernen wir unseren Hunden eine Art Geruchsmemory, bei dem der Hund am Start einen Geruch zum Anriechen bekommt, den er dann im Suchfeld aus mehreren anderen Gerüchen herausfinden und anzeigen soll.

Im Video seht ihr die Golden Hündin Lena mit ihrem Frauchen Sabine beim GeruchsMemory – volle Konzentration:

Bevor ihr euch nun ganz motiviert ins Training stürzt

Die Differenzierung ist ein sehr umfangreiches Thema, man muss sehr regelmäßig trainieren und in Sachen eigentlichem ZOS erstmal wieder einige Schritte zurück gehen – adieu große Trümmerfelder, Hochlagen und andere Schwierigkeiten 😉

Man sollte seine Trainingsschritte ziemlich gut planen, ein Tagebuch über die Fortschritte und Fehler führen, um sich bewusst zu machen, ob der eingeschlagene Trainingsweg funktioniert. Und seid nicht traurig, wenn es an einigen Tagen mal gar nicht klappt. Unsere Hunde müssen sich bei ebendiesen neuen Spielregeln sehr konzentrieren! Das Training ist durchaus manchmal mit ein wenig Frust und mehreren aufeinanderfolgenden Fehlversuchen verbunden.

Und auch wenn die Differenzierung ein sehr sehr schwieriges und recht zeitintensives Trainingsthema ist, so machen die kleinen Trainingserfolge unheimlich stolz und man kann manchmal nur staunen, zu welchen Leistungen unsere Hunde allein mit ihrer Nase fähig sind.
Aber: auch ohne die Herausforderung Differenzierung kann man jahrelang viel Spaß im ZOS® haben und gemeinsam neue Aufgaben erarbeiten.

Categories: ZOS

Susan

Susan Schulze führt die Hundeschule Pfotentrainer gemeinsam mit ihrer Mama Kerstin mitten im schönen Sachsen. Das Lieblingsthema der beiden sind sinnvolle Beschäftigungen rund um den Hund. Mit ihren 4 Cocker Spanieln sind sie selber im Hundesport aktiv: Dogdance, Dummy, Zielobjektsuche, ... Susan ist ZOS-Lizenztrainerin für Sport Level 1 und 2.

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