Was wirklich drin steckt
In unseren letzten beiden Beiträgen haben wir uns angeschaut, wie sich die Futtermittelindustrie in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat. Wir haben gesehen, dass es industrielles Hundefutter erst seit etwa 80 Jahren gibt, dass seit 2013 endlich klar geregelt ist, was „Fleisch“ auf dem Etikett bedeutet – nämlich Skelettmuskulatur – und dass die Kennzeichnung von Futtermitteln nach der Verordnung (EG) Nr. 767/2009 zwar streng geregelt ist, den Herstellern aber trotzdem viel Spielraum lässt.
Heute geht es um einen Punkt, der auf jeder Packung steht, aber von vielen Hundehaltern schnell überlesen oder nicht wirklich hinterfragt wird: die Zusatzstoffe.
Warum Zusatzstoffe überhaupt drin sind
Futtermittelzusatzstoffe sind nicht automatisch etwas Negatives. Sie haben einen klaren Zweck:
- Sie sollen die Beschaffenheit des Futters positiv beeinflussen, damit es gleichbleibend aussieht, gut riecht und lange haltbar bleibt.
- Sie sorgen dafür, dass wichtige Nährstoffe enthalten sind – auch wenn sie während der Herstellung verloren gehen.
- Und ja, manchmal werden sie auch eingesetzt, damit der Napf appetitlicher aussieht oder besser riecht – schließlich bist du diejenige, die die Packung kauft.
Ob die Absichten jetzt sinnvoll oder gar notwendig sind, kann jeder an dieser Stelle für sich entscheiden. Ich lasse das mal so stehen…
Die vier großen Gruppen von Zusatzstoffen
Die EU teilt Zusatzstoffe in vier Hauptgruppen ein. Hier ein Überblick mit Beispielen und ihrer Aufgabe:
1. Technologische Zusatzstoffe
Diese Stoffe verbessern Haltbarkeit, Konsistenz und Stabilität des Futters.
- Konservierungsstoffe und Antioxidantien
- Beispiele: Alpha-Tocopherol (Vitamin E), Kaliumsorbat, Natriumsorbat, Ethoxyquin
- Sie verhindern, dass Fette ranzig werden, halten Aromastoffe stabil und verlängern die Haltbarkeit. Ohne sie würde gerade Nassfutter schnell verderben.
- Gelier- und Bindemittel
- Beispiele: Guarkernmehl, Johannisbrotkernmehl, Pektin, Xanthan
- Sie sorgen für eine geleeartige Konsistenz, damit das Futter im Napf schön aussieht – und du es sauber aus der Dose bekommst. (Sehr wichtig!)
- Verdickungsmittel, Stabilisatoren, Säureregulatoren, Trennmittel
- Sie halten die Masse gleichmäßig, sorgen dafür, dass sich Fett und Flüssigkeit nicht trennen, und stabilisieren den pH-Wert.
2. Sensorische Zusatzstoffe
Hier geht es um das, was du siehst und riechst. Farbstoffe machen Trockenfutter optisch ansprechend und sorgen dafür, dass es gleichmäßig aussieht. Deinem Hund ist das ziemlich egal, dir aber wahrscheinlich nicht – also laut der Hersteller ist das so. Aromastoffe verstärken Geruch und Geschmack. Das macht das Futter für deinen Hund schmackhaft – und sorgt dafür, dass es nicht unangenehm riecht, wenn du die Dose oder den Sack öffnest. (Macht man sich im Hundesport auch gerne zu Nutze als Jackpott-Leckerlis – ja, ich auch… )
3. Ernährungsphysiologische Zusatzstoffe
Die sind dafür da, den Nährstoffgehalt zu ergänzen. Vitamine werden oft nach dem Erhitzen wieder zugesetzt, weil sie beim Herstellungsprozess verloren gehen. (Hm?) Aminosäuren gleichen aus, wenn bestimmte Eiweiße fehlen – wichtig für Muskelaufbau und Stoffwechsel. (Hmmmm?) Spuren- und Mengenelemente wie Calciumcarbonat, Calciumiodat, Eisen(II)-sulfat, Kupferoxid, Manganoxid, Zinkoxid ergänzen Mineralstoffe, die nicht in ausreichender Menge in den Rohstoffen enthalten sind.
Und ja, das führt zu der berechtigten Frage: Wenn ein Alleinfuttermittel alles enthält, was mein Hund braucht – warum muss dann so viel ergänzt werden? Oder wird das Futter etwa erst durch die ganzen Ergänzungen zum sogenannten Alleinfuttermittel? Weil etwas durch die Herstellung verloren gegangen ist, was dann wieder zugesetzt werden muss?
Gehen wir mal neutral an die Sache: Weil nicht alle Rohstoffe von Natur aus gleich sind: Ihre Nährstoffgehalte schwanken und um eine gleichbleibende Versorgung zu garantieren, mischt der Hersteller gezielt nach. (Sag schon: Das ist nett formuliert!)
4. Zootechnische Zusatzstoffe
Diese klingen sehr befremdlich, sind aber eigentlich interessant. Dazu zählen Mikroorganismen und Enzyme, die die Verdauung unterstützen, die Futterverwertung verbessern oder die Darmflora positiv beeinflussen sollen. Oft sind solche Zusätze in Spezialfuttern enthalten, zum Beispiel für empfindliche Hunde oder für Tiere mit Verdauungsproblemen usw.
Ballaststoffe, Präbiotika und Co.
Mit den vier Gruppen sind wir allerdings noch nicht durch. Es gibt da noch die Ballaststoffe und Präbiotika – ebenfalls für „Spezielfutter“ sehr beliebt. Innulin, Flohsamenschalen (Psyllium), Yamswurzel, Zellulosefasern usw wirken wie Füllstoffe, können den Kot fester machen und die Darmflora positiv beeinflussen.
Übrigens: Diese Zusätze sorgen oft auch dafür, dass der Haufen deines Hundes fester und kleiner wird – damit du ihn leichter aufheben kannst. (Kleiner… ich möchte nicht wissen, wie die Haufen ohne aussehen würden) Und ja, manche Hersteller denken auch an deine Nase.
Feuchthaltemittel, Geschmacksverstärker und andere „Helferlein“
Auch die gibt es noch in TroFu und Nassfutter: Feuchthaltemittel sorgen dafür, dass Softfutter saftig bleibt. Geschmacksverstärker können den Appetit anregen – besonders bei mäkeligen Hunden beliebt.
(Nebenbei: Glycerin ist oft in Minimengen in den Keksen mit bei. Ja genau: Glycerin wird als Feuchthaltemittel zugesetzt, damit ihr nicht Omas alte Keksdosen in der Tasche habt.)
Und dann gibt es noch die Supplements: MSM, Grünlippmuschel, Omega-3-Öle – alles Zutaten, die Gelenke, Haut oder Immunsystem unterstützen sollen. Manche Hersteller packen gleich gefühlt ein ganzes Wellness-Programm ins Futter – auch wenn sie natürlich nicht wissen, was dein Hund wirklich braucht. „Haben ist besser wie brauchen?“ – auch beim Futter? Immer?!
Ob wir jetzt dann fertig sind mit der Liste an Zusätze? Nö. Schließlich hat der Mensch auch noch ein wenig was zu bieten aus der Industrie:
Nebenprodukte aus der Lebensmittelbranche
Auch viele Nebenerzeugnisse landen im Hundefutter – völlig legal und oft nachhaltig, weil sie sonst entsorgt werden müssten (oder so). Dazu gehören zum Beispiel:
- Teigwaren, Bruchkekse
- Erbsen, Erbsenmehl
- Fischmehl
- Getreide in allen Formen (Mais, Maisflocken, Maisstärke, Weizen)
- Sojaprotein
- Pulp (Zuckerrübenschnitzel)
- Eier und Eiprodukte
- Reis und Reismehl
- Hefeextrakt, Bierhefe
Sie liefern Energie und Ballaststoffe – und sie helfen, das Futter günstiger herzustellen. Oder habt ihr noch einen anderen Grund?
Transparenz? Nicht immer vollständig
Und zum Schluss noch ein wichtiger Punkt für die Erinnerung: Hersteller müssen nicht alles bis ins letzte Detail angeben.
Die Verordnung schützt das „geistige Eigentum“ der Produzenten. Das heißt, genaue Rezepturen bleiben Betriebsgeheimnis. Du erfährst also, was grundsätzlich enthalten ist – aber nicht unbedingt in welchen Mengen oder aus welcher Quelle.
Am Ende…
Halten wir fest: Zusatzstoffe sind nicht automatisch schlecht. Glycerin in den sonst naturbelassenen Leckerlis zum Beispiel. Wertungsfrei betrachtet sind sie ein fester Bestandteil moderner Futtermittel und sorgen dafür, dass das Futter haltbar, appetitlich und nährstoffreich ist. Manche Zusätze sind rein technisch notwendig, andere dienen der Optik oder dem Geruch, wieder andere sollen gezielt die Gesundheit deines Hundes unterstützen.
Soviel zu den Zusätzen. Erstmal Mahlzeit.
