Kürzlich hatte ich ein Buch zum Thema Motivation im Hundesport vorgestellt. Allerdings war mir das Buch noch zu oberflächlich und so habe ich mich nach weiteren Büchern zum Thema Spiel und Motivation umgeschaut. Bei meiner Recherche bin ich auf das Buch Auszeit auf Augenhöhe von Ganslosser und Käufer aus dem Kosmos-Verlag gestoßen.

Udo Ganslosser steht für wissenschaftlich fundierte Berichte und Bücher und daher habe ich mir schon mal gleich viel Zeit eingeräumt, um mich mit dem Buch richtig befassen zu können. Die Zeit hat sich gelohnt und ich möchte gleich vorweg nehmen, dass dieses Buch ein Muss für alle Hundehalter und -Trainer ist.

Mit 240 Seiten ist das Buch ist sehr strukturiert aufgebaut und in folgende Kapitel unterteilt:

  • Etikettenschwindel
  • Pseudospiele
  • Echte Sozialspiele
  • Spielkommunikation
  • Spielroutinen, Typen, Stile
  • Sozialspiel
  • Spielkompetenz

Zu Beginn definieren die Autoren, was unter einem Spiel überhaupt zu verstehen ist. Gibt es Regeln und wenn ja, welche können allgemein festgehalten werden? Hierzu werden die Signale betrachtet, wobei das Selbsthandikap und der Rollenwechsel eine bedeutende Rolle spielen. Desweiteren werden die Emotionen betrachtet und wie sich die Emotionen erkennen lassen. Der Leser lernt Schritt für Schritt, ein Spiel richtig zu erkennen und zu interpretieren.


Auszeit auf Augenhöhe: Mensch-Hund-Spiel: Kleiner Einsatz mit großer Wirkung


“Damit das gemeinsame Spiel gelingt, müssen Mensch und Hund einander vertrauen, sie müssen miteinander kommunizieren können… Damit das gelingt, muss der Mensch sich nicht nur selbst als Person einbringen, er muss auch – anders als bei Training oder Beschäftigung – mit seinem Hund auf Augenhöhe interagieren,…”

Ein für mich dabei wichtiger Abschnitt beschäftigt sich mit dem auf dem Hundeplatz viel genannten “Spieltrieb” – ein Begriff, den Biologen aus unter anderem folgenden Gründen nicht mehr verwenden:

  • Spielmotivation beruht sowohl auf innere als auch auf  äußere Faktoren
  • Unterschiedliches Auftreten in der individuellen Entwicklungsgeschichte spricht gegen einen Trieb
  • Unterschiedliche Bereiche im Gehirn sind bei den drei unterschiedlichen Spielformen Objekt-, Bewegung- und Sozialspiel involviert
  • Spielverhalten ist so variabel, dass es nicht nur von einem einzigen Trieb ausgehen kann

Das sind nur einige Gründe, die gegen einen Spieltrieb sprechen. Die Autoren Ganslosser und Käufer beschreiben noch einige weitere Gründe.

Im weiteren Verlauf werden die sogenannten Pseudospiele genauer betrachtet. Hierzu gehören unter anderem Futter-, Denk- und Suchspiele, aber auch Beutefang, Sport und da besonders der Wettkampf.

Wie sieht nun ein echtes Sozialspiel zwischen Mensch und Hund aus? Um das besser interpretieren zu können, betrachten die beiden Autoren unter anderem das Spiel von Kindern und das Spiel der Hunde. Hier finden sich Gemeinsamkeiten und Unterschiede, die alle zu den folgenden zitierten Kriterien für ein Spiel betragen:

“1. Die Spieler verfolgen keine über das Spiel hinausgehenden Ziele.
2. Das Verhalten im Spiel sieht anders aus als außerhalb des Spiels.
3. Das Verhalten wird nicht stereotyp, sondern in stets neuen Varianten wiederholt.
4. Spiel ist spontan, freiwillig, selbstbelohnend und macht Spaß.
5. Ein Tier spielt nur, wenn es zufrieden ist und sich sicher und entspannt fühlt.“

Weiter geht es mit den Spieltypen und -varianten. Hier lernt der Leser, sich selbst und seinen Hund richtig einzuschätzen – eine wichtige Voraussetzung für ein Sozialspiel, das beiden Spaß macht und vor allem ehrlich ist. Zumal das Spielen so eine wichtige Komponente ist für das Training von Körper und Geist, für die Kreativität, die Förderung der sozialen Kompetenzen und vor allem für die Bindung. Dem Hund ist dabei sogar das Bellen erlaubt (was einige Hundesportler ja nur allzu gerne ablehnen), denn die Autoren bestätigen, dass Bellen nicht gleich Bellen ist und ein Hundehalter ein Spielbellen von sonstigem Gebell klar zu unterscheiden hat.

Nachdem das Spiel als solches klar definiert wurde, geht es nun um Spielkompetenz, mit der das Buch abgeschlossen wird. Hier schauen die Autoren zunächst darauf, was gespielt werden soll und wie das Spiel am sinnvollsten aufgebaut bzw. angefangen wird. Einen extra Augenmerk werfen sie dabei auf die Welpen und Seniorhunde, die etwas anders spielen als Jungspunte und die erwachsenen Hunde. Auch für die bisherigen Spielmuffel geben die Autoren Tipps für eine tolle gemeinsame Zeit. Dabei wird unterschieden, ob mit oder ohne einem Objekt gespielt wird und welche Bedeutung das Spielzeug in dem Spiel bekommt.

Wie bereits zu Beginn der Rezension gesagt: In meinen Augen ist das Buch ein Muss für alle Hundehalter. Auch wenn inhaltlich das Spiel doch recht wissenschaftlich abgehandelt wurde, so hat der Leser keine Probleme, den Gedankengängen zu folgen. Merkkästchen und Checklisten ermöglichen jederzeit, die wichtigsten Aspekte im Blick zu behalten. Nicht nur, dass die Autoren das Spiel sehr genau beleuchten, verständlich machen und Hundehalter dafür sensibilisieren, die Hundesprache richtig zu deuten – sie geben durch zahlreiche Beispiele und weiterführende Literatur ein umfassendes Werk, das eigentlich keine Wünsche offen lässt.

Zum Schluss möchte ich noch zwei Gedanken aus dem Buch anbringen, die vor allem uns Hundesportler zu denken geben sollten:

“Erzieher im menschlichen wie auch im hundlichen Bereich betonen die Wichtigkeit von Spiel für Kind und Hund. Trotzdem nimmt für Kinder und Hunde nicht etwa das Angebot an unstrukturierten Spielmöglichkeiten, sondern das Angebot an strukturierten Beschäftigungen in immer neuen Variationen zu”

“Wie weit Training und Spiel auseinanderliegen hängt u.a. davon ab, wie standartisiert oder wie individuell das Training ist. Trainingsrichtungen, die eine Methode für alle Mensch-Hund-Teams propagieren, sind am weitesten vom Spiel entfernt, das sich ja gerade durch seine Flexibilität und seinen Variantenreichtum auszeichnet und vor allen Dingen durch die Konzentration und die Anpassung der Spielpartner an die Befindlichkeiten des Gegenübers.”

Und nun habt Spaß mit euren Hunden und geht auf Augenhöhe spielen 😉

Details zum Buch:
Udo Gansloßer, Mechtild Käufer
Auszeit auf Augenhöhe
Mensch-Hund-Spiel: Kleiner Einsatz mit großer Wirkung

1. Auflage 2017
Umschlag/Ausstattung: 164 Farbfotos, Seiten: 240
EAN: 9783440151952

Das Buch erhaltet ihr direkt im Kosmos-Verlag

Buchbeschreibung:
Udo Gansloßer und Mechtild Käufer vermitteln das Wissen, das Hundehalter befähigt, echtes Spiel als „Auszeit auf Augenhöhe“ vom Pseudospiel zu unterscheiden. Checklisten und Tests helfen den eigenen Spielstil und den des Hundes einzuschätzen und dazu passende Spiele zu initiieren, die Mensch und Hund Spaß machen und ihrer Beziehung gut tun.

Über die Autoren:
Udo Gansloßer
(*1956) ist Privatdozent für Zoologie an der Universität Greifswald. Seine wissenschaftliche Tätigkeit begann mit der Beschäftigung mit Baumkängurus, möglicherweise, weil deren recht unbeholfene Kletterversuche ihn an seine eigene sportliche Begabung erinnerten. Nach der Dissertation in Heidelberg kehrte er zum Bodenleben zurück und beschäftigte sich mit dem Sozialverhalten der Kängurus allgemein.Am Zoologischen Institut Erlangen erhielt er 1991 die Lehrbefugnis. Seither hat er seine fachlichen Interessen auf andere Großsäuger ausgedehnt. Seine Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit sozialen Mechanismen im Zusammenhang von Naturschutz und Zuchtmanagement. Er ist Mitglied einiger Gremien der Europäischen Zoo Assoziation EAZA und führt regelmäßig Kurse in Verhaltensbiologie und Tiergartenbiologie durch. Derzeit übt er neben diversen Unterrichts- und Seminartätigkeiten, Beratungen für Zoos und Tierparks aus und ist Autor und Übersetzer von zoologischen Schriften. Seit dem Wintersemester 2006/07 ist er Privatdozent für Zoologie am Zoologischen Institut und Museum der Universität Greifswald und seit dem Sommersemster 2007 auch Lehrbeauftragter am Phylogenetischen Museum und Institut für Spezielle Zoologie der Universität Jena. Seit mehreren Jahren betreut er zunehmend mehr Forschungsprojekte über Hunde, seien es Haus- oder Wildhundeartige. Dabei geht es vor allem um Fragen von Sozialbeziehungen und sozialen Mechanismen.

Mechtild Käufer lebt seit über 30 Jahren mit Hunden zusammen und ist ausgebildete Hundetrainerin.


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Kerstin

Kerstin Schubert arbeitet als selbstständige Informationsdesignerin und ist in ihrer Freizeit auf dem Hundeplatz mit ihrem Berner Wookiee im Obedience Klasse 3 unterwegs. Sie hat die hier im Shop erhältlichen Trainingstagebücher gestaltet und realisiert.

1 Comment

Spielende Hunde | TeamSchule - Mensch und Hund · 17. Januar 2019 at 17:26

[…] Recht nannten Udo Gansloser und Mechtild Käufer deshalb ihr Buch auch „Auszeit auf Augenhöhe“. Denn nur wenn beide gleichberechtigt interagieren, fühlen sich alle […]

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