Ich war erst kürzlich wieder bei einem Clickerseminar und einem Vortragsabend, auf dem unter anderem auch Viviane Theby sehr gute Trainingsideen vorgestellt hatte, die auch im Hundesport umsetzbar sind und dabei war ich doch erstaunt, wieviele neue Dinge ich mitnehmen konnte (und wieviel aus der Erinnerung wieder hervor kam), obwohl ich selber schon eine gefühlte Ewigkeit am Clickern bin.

Positives Training, Timing, Trainingspläne… Dinge, zu denen man in meinen Augen gar nicht genug wissen kann. Und deswegen möchte ich hier ein weiteres Buch zum Thema Clickern vorstellen, dass in keinem Hundehaushalt fehlen darf: Clickertraining leicht gemacht von Viviane Theby.

Clickertraining leicht gemacht

Vielleicht denkt ihr jetzt “Nicht schon wieder das Thema Clickern”, aber ich möchte euch vom Gegenteil überzeugen, denn das Buch ist nicht nur für Einsteiger, sondern auch für  Hundesportler wirklich zu empfehlen.

Ja, es werden Trainingsideen zum “Locker an der Leine gehen” oder die Grundkommandos “Sitz” und “Platz” vorgestellt. Aber die Alltagsübungen machen nur den kleinsten Teil dieses Buches aus und selbst da nimmt man als erfahrener Hundehalter noch so manch einen Tipp und/oder Argument mit, wenn man beispielsweise auf dem Hundeplatz wieder Situationen sieht, bei denen man eigentlich nur wegschauen mag.

In diesem Buch geht es nicht nur um das Clickern, sondern um die Hintergründe, warum ein Clickertraining – richtig umgesetzt – sinnvoll ist.

Clickertraining leicht gemacht – das Timing

Mit Hilfe des Clickertrainings haben wir Menschen die Möglichkeit, mit dem Hund auf eine leichte und für den Hund verständliche Art und Weise zu kommunizieren. Das setzt natürlich voraus, dass wir an unserem Timing üben und hierfür stellt die Autorin nach einer kurzen Einführung ins Clickertraining einige Trainingsideen vor, wie wir in die Rolle des Hundes schlüpfen können, um zu verstehen, wie der sich fühlt, wenn wir nicht klar genug sind. Dazu braucht ihr zum Beispiel die Männchen aus dem Mensch-Ärger-Dich-Nicht-Spiel. Neugierig? Gut.

Auch bekommen wir Ideen, wie wir Hundehalter unser Timing verbessern können, um dem Hund noch genauer zeigen zu können, welches Verhalten erwünscht ist. (So behauptet ein Cesar Millan doch tatsächlich, dass der Hund nach einem unerwünschten Verhalten auch noch 5 Minuten später verstehen würde, wofür er nun bestraft wird… Ich lass das mal so stehen, denn ich glaube, dass es kein Geheimnis mehr ist, was ich von diesem Mann halte. Also zurück zum Buch… )

Das Training mit den Targets

Nachdem der Leser sein Timing beim Clickern verbessert hat, geht es an die ersten Übungen – dem Targettraining. Boden-Target, Nasen-Target – für viele hier sicher nichts Neues. Aber es geht noch weiter, denn die Autorin stellt weitere Übungen vor, die sich aus dem Training mit Targets ergeben können. Dabei wird kurz das freie Formen und das Locken beschrieben und die jeweiligen Vor- und Nachteile betrachtet. “Es gibt tausend Möglichkeiten, wie man dem Hund eine bestimmte Übung beibringen kann. 500 davon lassen wir weg, weil sie tierschutzrelevant sind. Dann bleiben immer noch 500 andere übrig.”

Ideen zum Training mit Targets findest du übrigens auch in dem Buch “Form Funktion Fitness” von Sandra Rutz.

Clickertraining leicht gemacht – Der Trainingsplan

Und um hier den Faden nicht zu verlieren, empfiehlt die Autorin das Schreiben eines Trainingstagebuchs. Wie so ein Trainingsplan aussehen kann, dazu findet der Leser einige Beispiele anhand von Übungen, die wir aus dem Alltag alle kennen. Dazu ist es vor allem wichtig, dass wir unsere Denkweise verändern.

Die Autorin wählt hierfür einen Hund, der keine Menschen anspringen soll, als Beispiel. Was hört der Hund meistens? “Nein, das sollst du nicht.” oder “Lass das”. Nachdem der Leser zu Beginn selber erfahren durfte, wie es sich anfühlt, wenn man immer nur ein “Nein” gesagt bekommt, ist es für alle nachvollziehbar, wie frustrierend diese leeren Aussagen sind. Anstatt nun immer zu betonen, was der Hund nicht machen soll, muss der Hundehalter umdenken.

Der Leser lernt nun, vorauszuschauen und weiß, was passieren könnte. Bevor nun der Hund an dem gegenüberstehenden Menschen hochspringt, liegt es an dem Hundehalter, entsprechend zu reagieren und dem Hund ein Alternativverhalten zu zeigen, dass in so einer Situation erwünscht ist – also weg von “Nein” und Fragezeichen beim Hund hin zum “Ich zeig dir, was du stattdessen machen kannst und du bekommst sogar eine Belohnung”.

Wie oft haben wir dieses Umdenken im Hundesport nötig? Genau. Heißt: “Immer, wenn Sie im Training Nein sagen wollen, ändern Sie die Perspektive und überlegen Sie sich, was der Hund stattdessen tun soll.” und “Wir können vom Hund nur das verlangen, was wir ihm auch beigebracht haben” – eine der Aussagen in meinen Augen, die auf jede Arbeit mit Hund zutrifft.

Ebenfalls konnte der Leser durch die Selbstversuche erfahren, wie frustrierend es ist, wenn ewig kein Click (und damit keine Belohnung) kommt. Als Hundehalter sollten wir unser Training also immer so planen, dass der Hund möglichst schnell und leicht zum Erfolg kommt.

Clickertraining leicht gemacht – Das Ampeltraining

Diese Trainingsweise nennt die Autorin das sogenannte Ampeltraining:
Wenn der Hund bei fünf Versuche fünf Clicks bekommt, trainieren wir im grünen Bereich und können einen Schritt weiter gehen. Können wir nur drei oder vier Versuche clicken, dann sind wir im gelben Bereich und müssen aufpassen.

Sind es innerhalb dieser fünf Versuche noch weniger Clicks, sollten wir den Clicker schnell zur Seite legen und unseren Trainingsplan überdenken. Wo kann das Problem liegen? Was können wir für den Hund vereinfachen? Gegebenenfalls auch mal jemand von außen auf unseren Trainingsplan schauen lassen – eine andere Sicht hilft oftmals weiter, wenn man sich selber festgefahren hat.

Auch die Idee mit dem Ampeltraining können wir wieder sehr gut auf den Hundesport übertragen. Wie oft kommen wir von einer Hilfe nicht weg und wie oft sind wir der Meinung, dass der Hund die Übung eigentlich verstanden hat…

Fazit

Zusammenfassend möchte ich dieses Buch wirklich jedem empfehlen, auch wenn man beim ersten Blick in das Inhaltsverzeichnis vielleicht die Augen verdrehen mag als Hundesportler, weil hier Übungen wie Sitz und der Name des Hundes auftauchen. Anhand dieser einfachen Trainingsaufgaben beschreibt Viviane Theby aber so viel mehr:

  • Ampeltraining

  • Timing

  • Minutentraining

  • Trainingspläne

  • Kein Nein im Training

In meinen Augen alles wichtige Aspekte, die auch wir Hundesportler uns immer wieder vor Augen führen sollten. “Es ist Ihre Aufgabe, dafür zu sorgen, dass der Hund Erfolg hat!”