Gleich vorweg: Eigentlich könnte ich das ganze Buch hier wiedergeben, denn das ist wirklich lesenswert! Aber ich versuche mich jetzt mal an der Zusammenfassung.

Hundetraining mit Konzept

Das Buch ist empfehlenswert für alle, die ein Trainingsbuch schreiben oder endlich mal anfangen wollen, mit einem Plan zu trainieren. Warum? Ich fange am besten von vorne an. Auf den ersten Blick erscheinen die 80 Seiten etwas ‘mager’, aber direkt mit der Einführung schafft es Susanne Schmitt, den Leser abzuholen und mitzuziehen. Der lockere Schreibstil auf Augenhöhe macht Spaß und der Leser bleibt bei ihr – Buch weglegen wegen 80 Seiten – nö.

Damit Leser und Autor vom gleichen reden, beginnt das Buch mit einigen Begriffserläuterungen, die jedem geläufig sein sollten, der mit Hunden trainiert und mit Trainingsplänen arbeitet. Es folgt also ein schneller Rundumschlag in Projektmanagement und Lerntheorie:

  • Klassische und operante Konditionierung
  • Verstärker und Signale
  • Matching Law – das Problem, das wohl jeder kennt
  • Trainingssysteme

Aber keine Angst vor langweiligen Wiederholungen. Die Themen werden wirklich nur kurz angerissen, damit alle auf dem gleichen Stand sind. Und das ist gut und richtig so, will man die nächsten Kapitel verstehen.

“Den Gehirnschmalz muss jeder Trainer weiterhin bemühen und er wird weiterhin auf sein handwerkliches Geschick, seine gute Beobachtungsgabe und seine erlernten Erkenntnisse zugreifen müssen und, um immer besser zu werden, weiterhin dafür arbeiten müssen”

Think – Plan – Do

Die Autorin stellt für die Erstellung des Trainingsplans zwei klassische Wege aus dem Projektmanagement vor. Zum einen kann direk “Vorwärts” geplant werden. Dabei wird mit dem ersten Schritt begonnen und der zweite Schritt ergibt sich aus dem ersten Schritt… bis irgendwann das Verhalten steht.
Für den zweiten Weg wird vom Endziel aus rückwärts geplant. Dafür wird der Weg in Meilensteine, also Zwischenschritte, unterteilt. Diese Meilensteine werden weiter unterteilt, bis trainierbare Elemente erreicht sind, die umgesetzt werden können. Dieser Weg empfiehlt sich besonders, da der Trainer die ganze Zeit eine Kontrolle über den Stand der Dinge hat und genau weiß, was noch benötigt wird, um das Ziel zu erreichen. Zudem ist es für einen immer toll, wenn man sieht, wieviele Zwischenschritte man schon geschafft hat.

Trainingstagebücher für den Hundesport findest du hier im Shop – auf 140 Seiten hast du jede Menge Platz für deine Meilensteine und der ausführlichen Dokumentation deines Trainings.

Die Meilensteine und das Soll-Ist-Delta-Prinzip
Die Meilensteine werden aufgeteilt in Evaluation, Verhalten herstellen, Signal einführen, Genauigkeit, Dauer, Distanz, Ablenkung, Generalisierung und Verhalten erhalten. Anschließend müssen nur noch die Trainingsschritte in die richtige Reihenfolge und ausformuliert werden, was anhand des “Leitfadens” nicht mehr schwer fallen wird – bekannt aus dem Soll-Ist-Delta-Prinzip aus dem reinen Projektmanagement.

Nach der Theorie folgt ein Beispiel. Hier erstellt die Autorin einen Trainingsplan für den Aufbau eines Nasentargets zusammen, so dass der vorab besprochene Theorieteil leicht nachvollzogen werden kann.

“Gutes Training kann nur stattfinden, wenn wir die richtigen Informationen zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung haben und die richigen Rückschlüsse aus dem beobachteten Verhalten ziehen, egal, wie geschickt wir uns im Training verhalten.”

Hundetraining mit Konzept

Im letzten Kapitel geht es um die Dokumentation – mit einigen Tipps, wie das Dokumentieren des Trainings nicht mehr mühsam und langweilig erscheint.

Sie sollte Spaß machen… eine Schablone liefern, die auf jedes noch so einfache wie komplexe Verhalten anzuwenden ist. …Deswegen bei der Festlegung der Inhalte gleich das Soll-Ist-Delta-Prinzip beherzigen!

Es folgt eine Rastervorlage, anhand der die Autorin den Aufbau des Trainingsplans (mit den genannten Punkten aus dem vorherigen Kapitel) erklärt. Dazu bekommt der Leser noch einige Hilfsmittel an die Hand, wie er seinen Plan besser kontrollieren kann und vor allem nützliche Hilfsmittel für das Training selber (z.B. das Sabbertuch, dass nicht fehlen darf, wenn die Dokumentation nicht versifft werden sollte 😉 )

Fazit:
Meine Meinung zu dem Buch hat sich mit dem Schreiben der Rezension nicht geändert: Ein Muss für alle, die mehr Plan ins Training bringen wollen – leicht verdaulich verpackt und mit einer tollen Art geschrieben, so dass man bei einem scheinbar trockenem Thema des öfteren mal schmunzeln muss.
Als Informationsdesignerin, die täglich mit Projektmanangement und der sinnvollen Gestaltung von Informationen zu tun hat gibt es den rechten Daumen hoch.
Als Hundehalterin, die mit ihrem Hund vor allem zu den Anfangszeiten im Obedience des öfteren schon im Matching-Law-Eimer stand (und heute die Rache zu spüren bekommt ;-)), gibt es den linken Daumen nach oben.
Wer auf meiner Seite hier oder bei Facebook bereits den Tipps zum Erstellen von Trainingsplänen folgt, wird mit dem Buch eine Zusammenfassung im Bücherregal stehen haben, die absolut lohnenswert, leicht verständlich, schnell – und vor allem mit einem Schmunzeln – zu lesen ist.

Details zum Buch:
Susanne A. Schmitt
Hundetraining mit Konzept
80 Seiten
Kynos Verlag
ISBN 978-3-95464-208-3

Das Buch erhaltet ihr direkt im Verlag

Über Susanne Schmitt:

Dipl. Ing. Susanne A. Schmitt strukturiert von Berufs wegen in einem mittelständischen Produktionsbetrieb die internen Arbeitsabläufe. Parallel ist sie als Lead-Auditorin (Bereich: Qualitätsmanagement) für den TÜV Austria tätig. Als Quereinsteiger über den eigenen Hund zum professionellen Hundetraining gekommen (u. a. T.O.P. Trainerin Tierakademie Scheuerhof; Trainingsspezialist: Hund; Sachkunde §11 TierSchG), verbindet sie die Vorzüge eines strukturierten Projektmanagements mit dem Wissen um das Training mit positiver Verstärkung. Ihr liegt es besonders am Herzen, sinnvolle „Werkzeuge“ aus der Projektplanung mit dem Tiertraining zu vereinen.


Kerstin

Kerstin Schubert arbeitet als selbstständige Informationsdesignerin und ist in ihrer Freizeit auf dem Hundeplatz mit ihrem Berner Wookiee im Obedience Klasse 3 unterwegs. Sie hat die hier im Shop erhältlichen Trainingstagebücher gestaltet und realisiert.

2 Comments

Susanne · 20. August 2019 at 10:29

Thx! für die tolle Rezension!
Während des Schreibens und auch noch während der Wartezeit für’s drucken, war ich immer wieder hin und her gerissen zwischen “das musste mal gesagt werden” und “irgendwie ist doch da nix neues drin, das macht doch bestimmt schon jeder”.
Puuuh, zumindest eine Person schein ich “beglückt” zu haben ;o) vielen Dank!

Kerstin · 20. August 2019 at 11:21

Hallo Susanne,

vielen lieben Dank für deine Rückmeldung.
Ich bin ganz bei dir “Das musste mal gesagt werden!” und du hast alles richtig gemacht in meinen Augen. Ich wünsche dir ganz viel Erfolg mit deinem tollen Büchlein und werde es auf alle Fälle jedem in die Hand drücken, der Fragen zum Trainingsplan hat 🙂

LG

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