Ja, natürlich ist Hundefrisbee gefährlich, darüber lässt sich nun wirklich nicht streiten.

Es handelt sich immerhin um eine Hundesportart, bei der die Hunde rennen und springen.
Ich glaube, es leuchtet jedem ein, dass dies natürlich zu Unfällen führen kann. Der Umstand, dass die Hunde dabei noch einen fliegenden “Plastikteller” fangen sollen, macht es an dieser Stelle dann auch nicht unbedingt einfacher.
Besonders, wenn man überlegt, dass 3/4 aller Anfänger in den Seminaren von sich selber behaupten, dass sie eigentlich gar nicht werfen können.
Natürlich, man darf an dieser Stelle auch nicht vergessen, dass eine dauerhafte Belastung im Sport auch zu degenerativen Erkrankungen führen kann und eine eventuell wiederkehrende und/oder anhaltende Fehlbelastung im Spiel die Wahrscheinlichkeit noch erhöht und den ganzen Prozess beschleunigen kann.

Leider haben wir, neben den körperlichen Gefahren, auch noch zusätzlich das Problem, dass das Erregungsniveau mancher Hunde beim “Jagen” und Fangen einer fliegenden Scheibe so hoch schießen und sich dahingehend verselbstständigen kann, dass diese Hunde einem echten “Balljunkie” in nichts nachstehen und auch die gleichen Probleme im Alltag mit sich bringen.
Das bedeutet also, dass dieser Sport obendrein auch noch eine ernsthafte Gefahr für die geistige Gesundheit und für das gesamte Verhalten des Hundes gegenüber seiner Umwelt darstellen kann. Immerhin ist man ab einem gewissen Punkt eben nur noch der “Dealer”, der den nächsten Kick für den Hund liefern soll und wehe, man setzt ihn auf Entzug. 
Glaubt mir, der Hund wird sicher auch etwas anderes finden, was er “fangen” kann.

Wenn wir nun auch noch davon ausgehen, dass es in diesem Sport, genau wie in jedem anderen Sport, Menschen gibt, für die ein zweiter Platz keine Option darstellt, dürften die einzelnen Schicksale vieler Hunde wohl besiegelt sein. Ist das Sportgerät kaputt, kauft man halt ein Neues.

So, ich glaube, ich habe nun so ziemlich alle konkreten Gefahren, denen ich meine Hunde so über die letzten Jahre -vermeintlich- ausgesetzt haben könnte, aufgezählt.

Sollte ich etwas Wichtiges vergessen haben, dürft ihr das gerne in die Kommentare schreiben.

Und hier nun endlich das ABER:

Eine bloße Aufzählung der potentiellen Gefahren eines Hundesports sagt glücklicherweise rein gar nichts über das tatsächliche Risiko (Kombination aus Wahrscheinlichkeit eines Schadensfalls und des Schadensausmaßes) aus, mit dem wir es zu tun haben. Immerhin ist eine konkrete Gefahr erstmal nur ein Umstand, der bei ungehindertem Ablauf zu einem Schadensfall führen kann und wir haben -glücklicherweise- die Möglichkeit, unser Spiel und unser Training dahingehend zu gestalten, dass wir den möglichen Gefahren für unsere Hunde entgegen wirken können.
Dadurch erhalten wir auch gleichzeitig die Möglichkeit, das Risiko für die Hunde auf ein weniger dramatisches Ausmaß zu reduzieren und am Ende nicht mehr oder weniger Risiken übrig bleiben, als in vielen anderen Sportarten auch.

Dies setzt jedoch voraus, dass wir (Trainer und Spieler) uns aktiv und möglichst umfassend mit unseren Hunden und dem Sport, mit seinen ganzen Anforderungen an uns und die Hunde, auseinander setzen und uns nicht darauf ausruhen, dass die tatsächlichen Unfälle im Turniergeschehen verschwindend gering sind und wir ja eigentlich gar nicht so „viele“ Sprünge zeigen, wie uns Facebook, YouTube und Co suggerieren.

Es gibt kaum Unfälle in diesem Sport

Ja, die Unfälle auf Turnieren sind tatsächlich verschwindend gering und mir sind in meiner ganzen Zeit in diesem Sport nur zwei Fälle zugetragen worden, bei denen ein Unfall auf einem Turnier wirklich zu einer dauerhaften Beeinträchtigung des Hundes führte.

Wie hoch ist aber die Dunkelziffer im Training?
Wie schließt man aus, dass der Unfall, der beim bloßen Spaziergang passiert ist, nicht eben doch auf die vorangegangen Belastungen im Training oder Spiel beruht und der Hund gar nicht mehr die Konzentration oder körperliche Stabilität hatte, um über Stock und Stein zu rennen?
Diese Fragen sind es, die ihr für euch auf jeden Fall immer im Hinterkopf haben solltet.

Wie „spiele“ ich sicher mit meinem Hund?

Wenn wir Hundefrisbee erstmal auf seine elementarsten Bestandteile runter brechen, soll der Hund die Scheibe fangen, die der Mensch geworfen hat. Wo und wie er das tut, ist dann nur noch von der Kreativität und vom Können des Hundes und des Menschen abhängig.
Dies setzt aber voraus, dass der Hund die Koordination und das Reaktionsvermögen dafür besitzt, die Scheibe zu verfolgen und diese im richtigen Moment zu fangen.

Die ersten Schritte sind schon wichtig!

Es ist natürlich ein leichtes, dem Hund eine Scheibe zu werfen und einfach darauf zu hoffen, dass er diese fängt. Dies klappt bei dem einen oder anderen Hund sogar echt gut. Besonders, wenn der Hund vorher schon gelernt hat, dass Bewegungsreize extrem spannend sind und eine wirklich zuverlässige und hohe Ausschüttung an “Glücklichmachern” versprechen. 
Rennen und dann auch noch etwas fangen ist halt schon irgendwie hündisch, oder? 
Doof ist nur…
Dies geschieht in der Regel mit untrainierten Hunden und mit den Wurffähigkeiten des Menschen ist es oftmals auch nicht weit her. Das bedeutet, dass es sehr häufig nur Glückssache ist, ob das aus einem sauberen Sprint, Trab oder gar Schritt passiert oder ob der Hund sich dabei verdreht, stolpert oder irgendwie unkontrolliert in die Scheibe brettert.
Ist aber auch gar nicht so einfach, einen Hund aus vollem Tempo von seinem Motivationsobjekt abzurufen oder ihn einfach nur zu bremsen. 
Glück haben dann all die Hunde, die sich vom Temperament her selber etwas regulieren können und halt nicht versuchen, jede noch so schlecht geworfene Scheibe zu fangen.

Um diesem potentiellen Desaster ein wenig Einhalt zu gebieten und beim Hund trotzdem die Motivation an der Scheibe zu fördern, simulieren viele Spieler eine “Kaninchenjagd” mit der Frisbeescheibe. Bedeutet: Der Spieler rollt die Scheibe über den Boden und der Hund soll diese “jagen” und auch nach Möglichkeit zurück bringen. 
Auch damit erreichen wir relativ zuverlässig, dass der Hund hinter dem Motivationsobjekt Scheibe herrennt und diese hochkant rollende Scheibe greift.

Stellen wir uns das einmal kurz im Detail vor: Der Hund rennt hinter der Scheibe her und muss genug Geschwindigkeit aufbauen, um diese einzuholen. Wenn der Hund die Scheibe erreicht hat, muss er seinen Kopf so drehen, dass er die (immer noch hochkant) rollende Scheibe greifen kann.

Wie sicher und kontrolliert so etwas wohl bei einem Hund funktioniert, der ausschließlich über den Bewegungsreiz und auf maximalen Tempo gezogen wurde und noch kaum die körperliche Koordination besitzt?

In dem Moment, in dem der Hund den Kopf dreht, um in die Scheibe zu greifen, ändert sich sofort der gesamte Schwerpunkt im Sprint, da die Rotation des Kopfes auch eine Rotation der Halswirbelsäule mit sich bringt und diese wiederum nach hinten weiter geleitet wird.
Da die meisten Hunde sich auch noch nach der Scheibe bücken müssen, wenn diese über den Boden rollt, haben wir also nicht nur die Rotation in der Wirbelsäule mit einer immensen Schwerpunktverschiebung, sondern auch noch eine nach unten gerichtete Bewegung bei maximalem Sprint.

Das ist eventuell dann doch nicht so unproblematisch, wie es auf den ersten Blick scheint und man sollte sich diesem Umstand schon bewusst sein, oder?

Was an dieser Übung aber wirklich gut ist: Wenn wir einen Hund haben, der dieses Manöver koordinativ hinbekommt, können wir davon ausgehen, dass wir damit den maximalen Drive aus dem Hund herauskitzeln können. 
Immerhin kann der Hund das runde Plastikding hetzen und greifen. Dumm nur, wenn der Hund genau dieses Konzept auch verinnerlicht und die Scheibe nur noch mit hetzen und jagen assoziiert und bei der kleinsten Bewegung schon auf 10 Meter Entfernung vorprescht.
Spätestens dann sollte wirklich jedem klar sein, worum es dem Hund in diesem “Spiel” wirklich geht und der Mensch eigentlich nur noch lästiges Beiwerk ist, damit die Scheibe fliegt.
Bringt diesem Hund aber nun mal bei, die Scheibe ruhig und entspannt aus der Luft zu nehmen, ohne dass er sich in irgendeiner Weise selber gefährdet. Ich bin gespannt, wie das ausgeht.

Mein Tipp an die Anfänger:

Geschwindigkeit raus, Distanz raus und möglichst kleinschrittig und flexibel arbeiten.

Wenn wir die Geschwindigkeiten und die Distanzen in unserem Training auf ein Minimum reduzieren und unsere Trainingsziele möglichst kleinschrittig wählen, sieht die Sache schon gleich ganz anders aus.

Alle Hundehalter, die mal einen Welpen aufgezogen haben kennen dieses Spielchen, wenn man mit dem kleinen süßen Fellkneul auf dem Boden sitzt oder liegt und einfach mal spielt um des Spielens willen. Ab einem gewissen Punkt kommen dann auch erste Spielzeuge hinzu und eigentlich nimmt fast jeder Hund uns dieses Spielzeug auch mal aus der Hand.

Das ist es, wo wir hin wollen!

Hockt euch auf den Boden, geht in die spielerische Interaktion mit eurem Hund und bestätigt ihn, wenn er euch das Spielzeug (Scheibe) aus der Hand nimmt.
Selbst wenn ihr an dieser Stelle mal etwas wilder werdet, wird es immer noch viel mehr Interaktion zwischen euch und dem Hund sein, als wenn der Hund allein hinter so einem blöden Plastikding herjagt.
Auch könnt ihr in diesem Aufbau wunderbar auf das Erregungsniveau eures Hundes Einfluss nehmen. Wenn er zu sehr überdreht, werdet einfach ruhiger und fahrt das Spiel wieder etwas runter oder rollt tatsächlich mal die Scheibe, um den Hund etwas in Schwung zu bringen.
So lange ihr gemeinsam mit der Scheibe spielt, ist das erstmal kein Problem. (Achtet aber bitte darauf, dass der Hund das koordinativ auch umgesetzt bekommt!)

Wenn ihr diese Form der Interaktion mit eurem Hund und der Scheibe wirklich hinbekommt.
Wenn der Hund euch die Scheibe aus der Hand nimmt, ihr sie ihm wieder abnehmen könnt und ihr als Team miteinander spielt, habt ihr auch die Möglichkeit eurem Hund das Fangen einer Frisbee zu erklären.

Hey, wenn der Hund euch die Scheibe schon aus der Bewegung heraus aus der Hand nehmen kann, sollte es auch ein Leichtes sein, dass er einen 2cm Wurf direkt vor seiner Nase fängt.
Dabei sollte der Hund nicht einmal seine Füße bewegen müssen und das bekommen selbst die untalentiertesten Werfer (mit etwas Übung) hin.

Wenn ihr dies nun regelmäßig macht und immer wieder in euer Spiel mit der Scheibe einbaut, wird euer Hund nach und nach sicherer und koordinierter werden und ihr könnt langsam anfangen, die Distanz zu erhöhen (Zentimeter für Zentimeter) und habt dennoch die Möglichkeit, das Erregungsniveau und die Geschwindigkeit auf einem vernünftigen Level zu halten.

Zugegeben, auch bei diesem Aufbau könnt ihr nicht alle Risiken zu 100% ausschließen.
Ein Hund kann immer mal stolpern oder sich schon mal auf die Zunge beißen beim Spiel. 
Aber ihr reduziert die Anforderungen für euch und den Hund tatsächlich ungemein und habt auch noch den Vorteil, dass ihr viele Probleme und daraus resultierende Risiken schon im Ansatz erkennen und gezielt angehen könnt.

Eigentlich schade, dass ich mich an dieser für ein solch triviales Beispiel entschieden habe, oder? Stimmt, immerhin kritisiert kaum jemand das Fangen einer Scheibe, sondern immer nur die vielen Sprünge.

Klar, ich hätte hier auch sicherlich einen detaillierten Sprungaufbau für einen ganz bestimmten Sprung ausarbeiten können. Die Begründung, warum ich dies an dieser Stelle nicht getan habe, ist allerdings echt simpel: Dieser Beitrag ist kein Tutorial für sicheres Springen und bestimmt auch keine Plädoyer, dass das mit den Sprüngen gar nicht so dramatisch ist.

Die Gefahren bei den Sprüngen sind nun mal einfach um Längen komplexer und der daraus -eventuell- resultierende Schaden kann viel schneller, viel größer sein. Aus dem Grund werde ich in weiteren Artikeln nochmal separat auf die einzelnen Sprünge eingehen und belasse es in diesem Artikel bei einem kurzen Beispiel, welches auch für absolute Anfänger nachvollziehbar sein sollte.

Über den Autor

Björn Tigges
Björn Tigges
Björn Tigges bewegt sich seit 2004 in der Welt des Hundefrisbees.
Zusammen mit seinen Hunden qualifizierte er sich mehrfach für Europameisterschaften und Weltmeisterschaften im Hundefrisbee und unterrichtet, als Hundetrainer (zertifiziert nach §11 Tierschutzgesetz, Abs. 1, Nr. 8f) einzelne Teams, Gruppen und Trainer in ganz Europa.
Darüber hinaus ist er auch immer wieder als Richter in unterschiedlichen Regelwerken unterwegs, bildet neue Richter aus und vertritt derzeit, als "European Tournament Director", die "Ashley Whippet Invitationals"-Weltmeisterschaftsserie in Europa.

Björn Tigges

Björn Tigges bewegt sich seit 2004 in der Welt des Hundefrisbees. Zusammen mit seinen Hunden qualifizierte er sich mehrfach für Europameisterschaften und Weltmeisterschaften im Hundefrisbee und unterrichtet, als Hundetrainer (zertifiziert nach §11 Tierschutzgesetz, Abs. 1, Nr. 8f) einzelne Teams, Gruppen und Trainer in ganz Europa. Darüber hinaus ist er auch immer wieder als Richter in unterschiedlichen Regelwerken unterwegs, bildet neue Richter aus und vertritt derzeit, als "European Tournament Director", die "Ashley Whippet Invitationals"-Weltmeisterschaftsserie in Europa.

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