Ich möchte heute gerne bei Null anfangen, um auch denen ein Bild von Obedience zu geben, die noch nichts mit dieser Hundesportart zu tun hatten. Diejenigen unter euch, die bereits im Obedience unterwegs sind, brauchen an dieser Stelle also nicht weiterlesen. 😉

Obedience ist der Hundesport für Erbsenzähler schlechthin: Der Hund kann genau arbeiten und es geht trotzdem noch genauer. Wer schon einmal bei einerPrüfung zugeschaut hat und begeistert von dem Team im Ring war, kennt die Gesichter der Starter und Zuschauer, wenn es am Ende vom Richter trotzdem Abzug gibt, weil irgendwo etwas nicht ganz so genau war wie gewünscht. Aber bevor wir in die Details der Übungen reinschauen, soll es heute erst einmal um die Spielregeln gehen – der Prüfungsordnung.

Im Obedience wird nach der Begleithundeprüfung in vier Klassen gestartet: Beginner, Klasse 1, Klasse 2 und Klasse 3. Das Mensch-Hund-Team wird dabei von einem sogenannten Steward durch die Prüfung geführt. Er sagt dem Starter, welche Übung als nächstes gezeigt wird und wann Kommandos gegeben werden sollen. Ohne Steward geht im Ring also gar nichts und ja, der Starter sollte die Anweisungen vom Steward abwarten, sonst ist die folgende Übung direkt genullt. Wobei wir auch schon beim Richter sind. Er ist ein stiller Beobachter aller Übungen und bewertet diese jeweils am Ende mit den Noten 0, 5 – 10. Wobei eine 0 eine nicht bestandene Übung ist und die 10 die Höchstpunktzahl darstellt. Am Ende einer Prüfung werden diese Punkte zusammen gezählt und es entscheidet sich, ob das Team die Prüfung bestanden hat.

Um eine Prüfung zu bestehen, braucht es mindestens 192 Punkte. Hat ein Team zwischen 192 und 223,5 Punkte erreicht, ist die Prüfung mit einem “Gut” bestanden. Bei 224 – 255,5 Punkten hat das Team ein “Sehr gut” erreicht. Ab 256 Punkte erhält der Starter ein “Vorzüglich” und nur damit ist das Team berechtigt, in der nächst höheren Klasse zu starten.

Werfen wir einen kurzen Blick in die einzelnen Klassen – dann erklärt sich auch, wie so viele Punkte gesammelt werden können. Wie bereits erwähnt, wird im Obedience in vier Klassen gestartet. Angefangen wird in der Klasse Beginner. In der Klasse werden die folgenden Übungen abgefragt:

  1. Verhalten gegenüber anderen Hunden (4)
  2. Sehen und betasten (3)
  3. 2 Minuten Liegen in einer Gruppe – Hundeführer in Sicht (3)
  4. Freifolge (3)
  5. Sitz oder Platz aus der Bewegung (2)
  6. In ein 10 m entferntes Quadrat schicken mit Platz (3)
  7. Abrufen (3)
  8. Apport auf ebener Erde (3)
  9. Distanzkontrolle mit zwei Wechsel auf 5 Meter Entfernung (3)
  10. Um einen 10 Meter entfernten Kegel schicken (3)
  11. Zusätzlich zu den Übungen wird der Gesamteindruck bewertet (2)

Die Zahlen in den Klammern sind die sogenannten Koeffizienten. Hat eine Übung den Koeffizienten 3, wird die Note dieser Übung mit 3 multipliziert. In der Beginner-Klasse ist also das Verhalten gegenüber anderen Hunden die “teuerste” Übung. Nun sollte auch verständlich sein, wie die hohen Gesamtpunkte am Ende einer Prüfung zustande kommen. Werfen wir noch einen schnellen Blick in die Übungen der anderen drei Klassen.

Klasse 1

  1. Eine Minute sitzen in der Gruppe – Hundeführer in Sicht (3)
  2. Freifolge (3)
  3. Steh aus der Bewegung (3)
  4. Abrufen (3)
  5. Sitz oder Platz aus der Bewegung (2)
  6. In ein 15 Meter entferntes Quadrat schicken mit Platz (3)
  7. Holzapport (4)
  8. Distanzkontrolle mit vier Wechsel auf 5 Meter Entfernung (3)
  9. Abrufen über eine Hürde (3)
  10. Um einen 10 Meter entfernten Kegel schicken (3)
  11. Gesamteindruck (2)

Klasse 2

  1. Zwei Minute liegen in der Gruppe – Hundeführer außer Sicht (2)
  2. Freifolge (3)
  3. Steh und/oder Sitz und /oder Platz aus der Bewegung (3)
  4. Abrufen mit Steh (4)
  5. In ein Quadrat schicken mit Platz und Abrufen (4)
  6. Richtungsappot (3)
  7. Geruchsunterscheidung mit 6 Hölzchen (4)
  8. Distanzkontrolle mit 6 Wechsel auf 10 Meter Entfernung (4)
  9. Metallapport über eine Hürde (3)
  10. Gesamteindruck (2)

Klasse 3

  1. Zwei Minute Sitzen in der Gruppe – Hundeführer außer Sicht (2)
  2. Eine Minute Liegen in der Gruppe mit Abrufen (2)
  3. Freifolge (3)
  4. Steh, Sitz, Platz aus der Bewegung (3)
  5. Abrufen mit Steh und Platz (4)
  6. In ein Quadrat schicken mit Richtungsanweisung, Platz und Abrufen (4)
  7. Richtungsappot (3)
  8. Um einen Kegel schicken, Steh/Sitz/Platz und Apport mit Richtungsanweisung über einen Sprung (4)
  9. Geruchsunterscheidung mit 6-8 Hölzchen (3)
  10. Distanzkontrolle mit 6 Wechsel auf 15 Meter Entfernung (4)

Anders als bei der Begleithundeprüfung kann die Reihenfolge der Übungen vom Steward willkürlich zusammengestellt werden. Auch die Freifolge ist immer ein Schema, das vom Steward festgelegt wurde – die Starter wissen erst kurz vor der Prüfung, in welche Richtung es geht. Aber dafür hat man den Steward im Ring im Gegensatz zur Begleithundeprüfung immer neben sich – er sagt einem, wo es lang geht.

Es gibt im Obedience übrigens neben den kleinen Prüfungen Vereins-, Kreis- und Verbandsmeisterschaften und die großen Prüfungen Deutsche Meisterschaft und Weltmeisterschaft. Aber das soll es nun auch erstmal gewesen sein mit dem ersten kleinen groben Einblick in die Obedience-Spielregeln.


Kerstin

Kerstin Schubert arbeitet als selbstständige Informationsdesignerin und ist in ihrer Freizeit auf dem Hundeplatz mit ihrem Berner Wookiee im Obedience Klasse 3 unterwegs. Sie hat die hier im Shop erhältlichen Trainingstagebücher gestaltet und realisiert.

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