Sind wir doch mal ehrlich: Bevor wir anfangen, unserem Hund etwas beizubringen, müssen wir erst einmal selber lernen. Themen wie Marker bzw. Clicker, Signalkontrolle, Belohnungspunkte, Belohnungsvarianten, Verketten, Lernprozess beim Hund füllen ganze Bücher und wenn das Training klappen soll, sollten wir uns mit diesen Basics auseinandersetzen. Haben wir die Basics soweit verstanden, müssen wir uns Gedanken machen, zu welchen Leistungen der Hund überhaupt fähig ist und wie wir diese abfragen können, so dass der Hund versteht, was wir von ihm möchten.

In unserem Trainingsplan halten wir also die kleinen Schritte fest, die wir uns erarbeiten müssen, um mit unserem Teampartner ans Ziel zu kommen. Dabei ist es wichtig, ein Weg zu gehen, denn fragt man 10 Trainer, hat man 13 Lösungsansätze. Wir kennen unseren Hund am besten und somit liegt es an uns, das Training entsprechend aufzubauen. Fangen wir an mit der Planung.

Unser Ziel

Wir nehmen uns eine Aufgabe und halten in unserem Trainingsplan fest, was der Hund können soll. Dazu gehören Punkte wie

  • Was genau soll der Hund zeigen…
  • … zu welchem Kommando/Handzeichen.
  • Wer es noch zielstrebiger mag, kann hier auch einen Zeitrahmen festlegen.

Die Aufgabe/das Ziel zu beschreiben besteht nicht aus einem einfachen “Der Hund soll sitzen”. Die Übung sollte gleich zu Beginn so genau wie möglich beschrieben werden. Um bei dem Sitz-Beispiel zu bleiben: Soll der Hund direkt vor mir sitzen oder in meiner Nähe? Welcher Radius gehört noch zu dem Bereich “in meiner Nähe”? Soll das Sitz aus dem Laufen heraus trainiert werden oder wenn der Hund vor mir steht? Je genauer die Zielvorgabe ist, desto effizienter wird der Plan mit seinen einzelnen Bausteinen aussehen.

Zusammengefasst: Beantworte einfach die berühmten W-Fragen:

  • Was soll dein Hund genau machen?
  • Wo soll er das Verhalten zeigen?
  • Wie (schnell) soll er es zeigen?
  • Wann soll er es zeigen?
  • Welche Ablenkungen sind ein ‘Muss’?
  • Wie lange soll er das Verhalten zeigen?

Allerdings möchte ich auch an dieser Stelle einen Gedanken zwischen schieben: Was ihr in eurem Trainingsplan festhaltet, sollte zu euch passen. Es gibt Hundeleute, die gerne viel planen und es gibt Hundeleute, denen ein aufgeschriebenes Thema ausreicht. Zwingt euch in kein Korsett, sondern haltet das fest, was für euch wichtig ist und schreibt alles nur so genau auf, wie es für euch stimmig ist. Ja, je genauer ihr euren Plan ausarbeitet, desto zielstrebiger wird das Training sein. Aber es ist auch keinem geholfen, wenn das Planen keinen Spaß macht. Und der Spaß an der Arbeit mit unseren Hunden steht vor allem anderen.

Unser Stand der Dinge

Zurück zum Trainingsplan. Stehen die Trainingsziele fest, schaut sie euch an und haltet fest, welche Punkte euer Hund davon schon kann. Vielleicht kann er schon ein Sitz, wenn er mit einem Leckerli vor der Nase ins Sitz geführt wird. Oder er kann das Sitz, wenn er steht (aber eben noch nicht aus einer Bewegung heraus). Vielleicht klappt die Übung ja schon in einer bestimmten Umgebung sicher. Versucht alles festzuhalten, was euch in diesem Zusammenhang einfällt.

Die kleinen Steinchen

Vergleicht ihr nun euer Ziel, was der Hund genau machen soll, mit den Punkten, die er bereits kann – so habt ihr schon die ersten Punkte für euren Trainingsplan: Alles, was jetzt übrig geblieben ist, um das Ziel so aussehen zu lassen, wie ihr euch das vorstellt, sind die Punkte, die in euren Trainingsplan gehören.

Nehmt euch nun den ersten Punkt und legt für diesen Trainingsschritt alle Details fest. Einige Ideen dazu:

  • Welches Steinchen muss zuerst trainiert werden? (Aufbau der Übung)
  • Wie kannst du dem Hund dieses Steinchen erklären, so dass er versteht, was du möchtest?
  • Welche Belohnung bietet sich für dieses Steinchen an?
  • Wann solltest du wo belohnen, um dem Hund noch deutlicher zeigen zu können, wofür er die Belohnung bekommen hat?
  • In welcher Umgebung willst du dein Training beginnen?
  • Welche Ablenkungen willst du hinzunehmen, wenn die Steinchen ohne Ablenkungen klappen?
  • Kannst du das Steinchen in kleinere Kieselsteine aufbröseln, um noch gezielter zu trainieren?
  • Du könntest auch zwischendurch eine Art Brainstorming machen und weitere Trainingsideen im Ansatz festhalten – nur für den Fall, dass dein erster Plan so nicht aufgeht.

Nun hast du eine Reihe an Trainingsschritten vor dir. Für den einen reicht die grobe Planung vielleicht aus – dann viel Spaß beim Training 😀
Manche mögen es dagegen vielleicht noch genauer. Gehen wir also einen Schritt weiter.

Die Kieselsteinchen

Die groben Trainingsschritte stehen. Jetzt schaust du zwei aufeinander folgende Trainingsschritte genauer an und machst dir Gedanken darüber, was du machen könntest, wenn es an der Stelle hängen sollte. Wir planen nun also die Kieselsteinchen zwischen den einzelnen Steinchen – unsere Zwischenschritte im Training. Ja, wir verlieren uns wirklich im Detail. Aber wie gesagt – alles ein kann, nichts ist ein muss. Der Gedanke dahinter ist der, dass wir einen genauen Fahrplan erstellen, um so viele mögliche Fragezeichen beim Hund zu verhindern, wie es nur geht.

Wer das Ziel kennt, kann entscheiden. Wer entscheidet, findet Ruhe. Wer Ruhe findet, ist sicher. Wer sicher ist, kann überlegen. Wer überlegt, kann verbessern. (Konfuzius)


Kerstin

Kerstin Schubert arbeitet als selbstständige Informationsdesignerin und ist in ihrer Freizeit auf dem Hundeplatz mit ihrem Berner Wookiee im Obedience Klasse 3 unterwegs. Sie hat die hier im Shop erhältlichen Trainingstagebücher gestaltet und realisiert.

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